Merkwürdige Methoden : Wenn das Telefon nicht mehr klingelt

Karen Raudzus (l.) mit ihrer Freundin Herrlich Beilfuß.
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Karen Raudzus (l.) mit ihrer Freundin Herrlich Beilfuß.

Statt Entstörung ein unnützer Vertrag und eine tote Leitung: Eine Seniorin kämpft mit der Telekom um ihren Anschluss an die Außenwelt. Seit vier Wochen kann sie nicht mehr telefonieren.

shz.de von
28. Mai 2015, 12:00 Uhr

Karen Raudzus ist wütend. Die 83 Jahre alte rüstige Dame ist seit vier Wochen telefonisch nicht mehr erreichbar und kämpft um ihren Anschluss. Nachbarn und Freunde haben bereits in Sorge an ihrer Tür geklingelt. „Ich dachte schon, es wäre etwas passiert, sie ging ja nie an den Apparat“, erzählt ihre Freundin Herrlich Beilfuß (87).

Die unselige Geschichte beginnt im vergangenen Monat. In der Mittagstunde läutet das Telefon und auf dem Display erscheint eine Rufnummer mit einer Vorwahl aus dem Raum Hannover. Ihre Zimmerreservierung habe geklappt, wird ihr mitgeteilt. Karen Raudzus ist überrascht und will protestieren, denn sie hat gar keine Reservierung vorgenommen, aber da war bereits aufgelegt worden. Am Nachmittag folgen weitere Anrufe, bei denen sich am anderen Ende der Leitung niemand meldet. Verärgert und entnervt ruft sie die Hotline der Telekom an, wo ihr gesagt wird, da könne man nicht helfen. Sie solle sich an die Störungsstelle wenden, was die Seniorin auch macht.

„Doch bis ich dort einen Mitarbeiter ans Telefon bekam .  .  . Ich hing in einer langen Warteschleife mit nerviger Klingelmusik, bis sich irgendwann eine männliche Stimme meldete“, berichtet sie. Nach ein paar kurzen Fragen stellt der Telekom-Mitarbeiter lapidar fest: „Sie haben aber einen ziemlich ungünstigen Tarif. Ich kann das ändern und Ihnen da schnell helfen, denn ich bin vom Kundenservice.“ Schließlich böte das Unternehmen doch eine Reihe von unterschiedlichen Produkten an, immer maßgeschneidert auf den jeweiligen Kunden, erklärt er der verdutzten Seniorin. Für sie käme da ja am besten eine Telefon- und Internet-Flatrate infrage, macht er deutlich. Auf ihren Einwand, dass sie gar kein Internet habe, beschwichtigt sie der wortgewandte Berater und versichert, er wisse schon, was für sie richtig sei.

Jetzt schrillen bei Karen Raudzus die Alarmglocken. Sie macht dem Mann klar, nichts kaufen zu wollen. Er könne ihr aber Prospektmaterial zusenden, das sie dann mit ihrer Tochter besprechen und sich von der auch beraten lassen würde. „Aber zuerst einmal muss mein Telefon wieder einwandfrei funktionieren“, gibt sie ihrem eloquenten Gesprächspartner noch mit auf den Weg.

Zwei Tage später trudelt ein Paket der Telekom bei ihr ein – mit einem Router. Das Maß ist voll. Erbost marschiert sie mit Herrlich Beilfuß zum Telekom-Shop an der Schiffbrücke. „Der Mitarbeiter dort hat den Router wieder ordentlich verpackt und ein Anschreiben dazu gemacht. Meine Freundin und ich mussten das Päckchen allerdings selbst zur Post bringen. Die Telekom sah sich dazu außerstande“, sagt Karen Raudzus.

Am nächsten Tag war ihr Telefon komplett tot. „Und dieser Zustand hält jetzt bereits seit Ende April an“, sagt sie. Ihre Tochter Britta Laumeier-Raudzus habe daraufhin mehrfach bei der Telefongesellschaft angerufen und dabei die unterschiedlichsten Auskünfte erhalten. „Einmal hieß es, ihre Mutter bekommt in drei bis vier Wochen wieder einen Anschluss, ein anderes Mal versprach die Telekom-Mitarbeiterin, dass alles in eineinhalb Tagen erledigt sei.“ Die alte Dame versteht das nicht: „Die haben mir doch innerhalb von zwölf Stunden das Telefon lahm gelegt. Wieso können sie es nicht in zwölf Stunden auch wieder aktivieren?“

Seit Anfang Mai habe sie nun nichts mehr von dem Unternehmen gehört. Auch nicht, ob die Rücksendung des Routers angekommen sei oder wie es mit ihrem Anschluss weitergehe. „Es kam kein Brief, keine Mitteilung, nichts. Und das macht mich so böse. In meinem Alter ist man doch auf das Telefon angewiesen, um Hilfe zu holen, wenn etwas passiert. Ein Handy ist für mich zu kompliziert“, klagt sie. Und lobt ihre Freundin: „Herrlich hat mir immer mit ihrem Apparat ausgeholfen. Wie hätte ich denn sonst Kontakt zur Außenwelt halten sollen?“

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte Stefanie Panten vom Vertrieb der Telekom mit, dass es zu einer Rückabwicklung des Vertrages über den Anschluss mit Telefon- und Internet-Flatrate kommen werde. „Dabei habe ich mit denen doch gar keinen Vertrag geschlossen und auch nichts unterschrieben“, sagt sich Karen Raudzus verwundert. Immerhin sagte das Unternehmen zu, am 28. Mai den alten Stand der Technik wieder herzustellen. Das ist heute. Bleibt abzuwarten, ob die Telekom dieses Mal Wort hält .  .  .


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