Mediensucht : Wenn das Internet zur Falle wird

Schnell mit dem Tablet ins Internet – es kann aber auch zuviel werden.
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Schnell mit dem Tablet ins Internet – es kann aber auch zuviel werden.

Fachberaterin macht auf Probleme mit Mediensucht in Betrieben und Schulen aufmerksam.

shz.de von
12. Januar 2018, 13:00 Uhr

„Im Gegensatz zu bekannten Suchtmitteln wie Alkohol oder Drogen ist problematisches Medienverhalten als Sucht in der Bevölkerung kaum bekannt.“ Darauf weist die Diplom-Pädagogin Angela Dronia hin. Sie ist Beraterin in der Fachstelle Mediennutzung und Medienabhängigkeit im Suchthilfezentrum Schleswig der Diako Nordfriesland. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet sie über ihre Arbeit in der Prävention und Aufklärung über Mediensucht in Betrieben und Schulen: Besonders bei Auszubildenden und Schülern habe die übermäßige Nutzung digitaler Medien Auswirkungen auf ihre Leistungsfähigkeit.

Untersuchungen hätten ergeben, dass „mehr als zwölf Prozent der Jugendlichen fast nie oder niemals ausgeruht sind“. Aus diesem Grund sei Medienprävention für die Zukunftsgestaltung Jugendlicher in Ausbildungsbetrieben besonders wichtig. Dabei gehe es darum, Probleme zu erkennen, vorzubeugen und zu handeln. Beachtet werden sollten Auffälligkeiten wie Müdigkeit, Desinteresse, Leistungsabfall und Unzuverlässigkeit. „Exzessive Internet-Nutzungen sind entscheidende Vermittlungshemmnisse für die Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt“, mahnt Angela Dronia.

Grundsätzlich seien Medien wie PC und Internet für sich genommen nichts Schlechtes. Die vielen Möglichkeiten der Nutzung aber sollten in erster Linie Spaß machen oder die Arbeit erleichtern. Diese seien aber zunehmend mit Risiken und Gefährdungspotenzialen verbunden. Mit den unüberschaubaren Wahrnehmungsmöglichkeiten, komplexen Online-Spielen, Kommunikationsplattformen, Sexangeboten und vielem mehr böten Medien viele Erlebniswelten. Diese seien in der Lage, Menschen in ihren Bann zu ziehen. „Wer sich diesem Sog nicht entziehen kann, kann in eine Falle geraten, in der die virtuelle Existenz zunehmend ein Eigenleben führt und zum lebensbestimmenden Faktor wird. Im extremen Fall entsteht Sucht“, so die Pädagogin.

Um Problemen in Betrieben vorzubeugen, verweist Dronia auf verschiedene Möglichkeiten. Dazu zähle ein betriebliches Regelsystem in Abstimmung mit allen Mitarbeitern. So unter anderem disziplinarische ebenso wie fördernde Maßnahmen, Aufgaben und Rollen. Bei Regelverletzungen wie private Internetnutzung innerhalb der Arbeitszeit müsse angemessen reagiert werden. Wenn interne Gespräche kein Ergebnis brächten und sich das Verhalten des Betroffenen langfristig nicht ändere, sollten externe Hilfen hinzugezogen werden. Dazu zählten Fachstellen für Mediennutzung und -abhängigkeit oder Suchtberatungsstellen. Dort erfahre der Betroffene professionelle Unterstützung, und es würden Therapieangebote gemacht von der ambulanten Rehabilitation und Entwöhnung bis zur stationären Behandlung. „Nicht mehr kontrollierbarer Medienkonsum mit Krankheitswert bemerken wir heute in allen Altersstufen“, so Angela Dronia.
Näheres: Telefon 04621/48610 oder unter www.suchthilfezentrum-sl.de

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