zur Navigation springen

Motorradgottesdienst : Wenn Biker ganz still werden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Am Ostersonntag fand in Husum der 32. Motorradgottesdienst statt, der den Start in die neue Saison einläutete. Allerdings führte das schlechte Wetter dazu, dass nur rund 1500 statt der erwarteten 5000 Besucher kamen.

von
erstellt am 29.Mär.2016 | 11:15 Uhr

Der Regen schien kein Ende nehmen zu wollen. Und je näher der Beginn des Motorradgottesdienstes (Mogo) rückte, desto mehr öffnete der Himmel seine Schleusen. Trotzdem drängten sich Dutzende Schaulustige unter den Vordächern rund um den Husumer Marktplatz und fieberten dem Eintreffen der Biker entgegen.

Am Ostersonntag steht die Kreisstadt traditionell ganz im Zeichen von Tausenden Motorrad-Freunden, die mit ihrem Korso und dem Freiluft-Gottesdienst vor der Marienkirche in die neue Saison starten. Doch heute sollte es anders kommen. „Wir verlegen den Gottesdienst nach drinnen“, verkündete Moderator Dirk Bannick über Lautsprecher. In 30 Jahren habe der Husumer „Mogo“ bisher nur einmal in den Kirchenräumen stattgefunden – und da herrschte Schneetreiben, erklärte er später.

Und dann war auch schon das Dröhnen und Knattern des Motorrad-Korsos zu hören, dem sich allerdings deutlich weniger Biker angeschlossen hatten als in den vergangenen Jahren. Nur rund 1500 Motorradfahrer waren statt der erwarteten 5000 gekommen. Beeindruckt waren die Zuschauer trotzdem, als die zahlreichen schweren Maschinen – begleitet von dem Rocksong „Eye of the Tiger“ – auf dem Marktplatz einfuhren. Bevor die Kolonne sich über Schwesing, Oster-Ohrstedt, Olderup, Arlewatt und Horstedt auf den Weg zur Marienkirche machte, hatten sich die Biker auf dem Messegelände getroffen. Zum achten Mal besuchten Kerstin und Fred Kube-Porsch den legendären Husumer Mogo. „Wir sind zwar nicht tief gläubig, aber wir nehmen den Glauben sehr ernst“, gaben die beiden Berliner zu verstehen. Die Motorradfahrer seien zwar hartgesottene Frauen und Kerle. „Doch es ist für mich immer wieder ein berührendes Erlebnis, wenn sich diese Gemeinschaft diszipliniert und ruhig verhält – im Respekt vor der Kirche und dem Glauben“,erklärte Fred Kube-Porsch.

„Bei schönem Wetter kann jeder fahren. Wir sind ja nicht aus Zucker und hart im Nehmen“, antwortete Uwe Mirbach grinsend auf die Frage, warum er sich trotz Regen mit seiner Kawasaki Z1000 auf den Weg nach Husum gemacht habe. Der Bredstedter ist seit 25 Jahren leidenschaftlicher Motorrad-Fahrer. Und der Gottesdienst gehöre für ihn einfach dazu, um die Saison einzuläuten. Hart in Nehmen schien auch ein Ordner zu sein, der im Windfang der Kirche seine durchnässten Stiefel und Strümpfe auszog und auf der Treppe zur Empore Platz nahm. Barfuß möchte er lieber nicht in den Kirchenraum gehen, sagte er schüchtern. Die Marienkirche war schnell bis auf den letzten Platz besetzt. Die erste Kirchenbank war für Britt Hinzer und ihre vier Söhnen reserviert. Sie alle hatten sich in Schale geworfen, was inmitten von all den anderen Besuchern in Motorrad-Kluft schnell auffiel. Der Grund: Die beiden Konfirmanden Lukas (16) und Thomas (15) hatten sich das Großereignis für ihre Taufe ausgesucht. „Meine anderen beiden Söhne sind schon im vergangenen Jahr auf dem Mogo getauft worden“, sagte Britt Hinzer. Die Husumerin könne sich keinen besseren Ort dafür vorstellen. Für Thomas war dieser Ostersonntag von doppelter Bedeutung: Er hatte Geburtstag. Prompt wurde ihm vor versammeltem Publikum ein Ständchen von Mogo-Pastor Lars Lemke und den Mitglieder der Thorge-Schöne-Band gesungen.

Die achtköpfige Band aus Wilster heizte auch den restlichen durchgefrorenen Gottesdienst-Besuchern mit ihrer Musik ordentlich ein. Im Gepäck hatte sie Rock-Klassiker von „Rocking all over the world“ bis hin zu „Lady in black“. Dirk Bannick leitete das Vorprogramm mit Talks ein. Mit dabei waren unter anderem Monika Sternol, die zum Mitmachen bei der Kampagne „Echte Männer/starke Frauen rasen nicht“ einlud, Jörg Salewski, 1. Vorsitzender des Mogo-Vereins, sowie Husums stellvertretender Bürgermeister Horst Bauer, der ein Grußwort zu Beginn des Gottesdienstes sprach.

Dann wurde es ganz still im Raum. In seiner Predigt, die Lars Lemke unter das Motto „Anbruch einer neuen Zeit“ gestellt hatte, wies der Hamburger Theologe auf den Kern der Osterbotschaft hin. Er lenkte die Gedanken darauf, dass „manches in uns sterben muss, damit wir ein erfülltes Leben haben. Auch wenn uns Tod und Auferstehung an den Rand dessen bringen, was wir begreifen können“, so Lemke. Den beiden Täuflingen gab der 52-Jährige mit auf den Weg: „Für euch ist eine neue Zeit gekommen – eine Zeit der Entscheidung. Euer Glaube wird sich immer wieder verändern und muss sich immer wieder bewahrheiten.“

Welche Schattenseiten das Leben mit sich bringen kann, zeigt die Zahl der verunglückten Motorradfahrer, derer während des Gottesdienstes gedacht wurde. „Hier in Husum habe ich die Chance, all denen Ehre zu erweisen, die es nicht bis hierher geschafft haben“, flüsterte Uwe Mirbach. Viele seiner Freunde seien auf der Straße umgekommen. Als dann von der Band das Lied „Bed of roses“ angestimmt wurde, hielt nicht nur er den Blick gesenkt.

Kaum wurden nach dem Gottesdienst die Kirchentüren geöffnet, drangen ein paar Sonnenstrahlen in die Marienkirche. So konnten die Biker, die von Lemke mit den Worten „Bleibt im Limit“ verabschiedet wurden, sich immerhin im Trockenen auf den Heimweg machen.

Die Organisatoren und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Mogo zeigten sich trotz des schlechten Wetters zufrieden mit dem Verlauf. Ob Konvoi, Absperrung des Marktplatzes, Aufbau der Stände oder technische Umsetzung: „Dank der Husumer Polizei, des Helfer-Teams und aller Mitwirkenden und Teilnehmer ist der Mogo wieder ein großartiges Fest geworden. Wir freuen uns auf das nächste Jahr in Husum“, erklärten sie. Der nächste Mogo der Saison soll unter dem Motto „Segen tanken“ am 12. Juni in Hamburg stattfinden.

 



 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen