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Husumer Nachrichten

18. August 2017 | 05:34 Uhr

Wenn aus Schülern Lehrer werden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Ferdinand-Tönnies-Schule werden Senioren auf Initiative des Husumer Bürgernetzwerkes mit dem Gebrauch moderner Medien vertraut gemacht

In einem Punkt liegen tatsächlich Welten zwischen Jung und Alt: Während die Kinder heute oft schon auf dem Wickeltisch lernen, wie sie mit Smartphones und Tablets umzugehen haben, sind diese Medien für Menschen im Rentenalter oft ein Buch mit sieben Siegeln. Um diese Kluft zu überbrücken, bietet die Schülervertretung der Ferdinand-Tönnies-Schule (FTS) seit kurzem freitags einen kostenfreien Kurs an, in dem die Schülerinnen und Schüler den Senioren zeigen, wie sie ihre Geräte (besser) beherrschen können.

Die Idee dazu hatte Günter Vogt, der im Husumer Bürgernetzwerk mitarbeitet. Dort hatte ein Anrufer nachgefragt, ob es in der Storm-Stadt nicht auch, wie in Bredstedt, Handy-Scouts geben könnte. Im dortigen Tonderntreff passiert schon länger genau das, was nun auch in Husum möglich ist: Die Senioren bringen ihre Handys, Tablets und Smartphones mit und lassen sich von den Schülern behutsam in die Geheimnisse ihrer Geräte einweihen.

Zugegeben: Beim ersten Mal lief es noch nicht ganz so rund, denn was vorher keiner so recht bedacht hatte: Die drei Senioren, die zur Auftaktveranstaltung gekommen waren, brachten unterschiedliche Geräte und Voraussetzungen mit. Einer hatte ein betagtes Klapphandy dabei, der nächste ein noch jungfräuliches Smartphone der neuesten Generation und der dritte ein viel genutztes iPad mit Speicherproblemen. Abgesehen davon kamen die drei aus weit voneinander entfernten Wissens-Galaxien: Während der ehrenamtlich tätige Rentenberater Hans-Werner Bumb aus Viöl (69) schon länger mit moderner Technik arbeitet, betrat der ebenfalls aus Viöl stammende Martin Paulsen (84) an diesem Tag absolutes Neuland. Auch Horst Krause war mit seinem Mobiltelefon noch lange nicht per Du: Das Handy, das ihm einst junge Leute aus der Familie überlassen hatten, lag lange unangetastet in der Schublade des Husumers. Doch dann fiel seine Festnetz-Telefonanlage für mehrere Tage aus, und damit sich keiner um ihn Sorgen machte, wollte er sich bei seinen Lieben per Handy melden. „Dank meiner Nachbarin weiß ich nun, wie ich jemanden anrufen und Gespräche annehmen kann“, erzählte er. „Aber jetzt piept es immerzu. Wie komme ich an diese Nachrichten ran, und was mache ich damit“, wollte er wissen.

Während seine junge „Lehrerin“ dieses Problem sofort lösen konnte, brachte sie die Frage von Hans-Werner Bumb zur Synchronisierung seiner Geräte erst einmal ins Schwitzen: „Ich möchte den Terminkalender mit den Sportereignissen, den ich hier auf meinem Handy habe, auch auf meinem Tablet sehen können“, sagte er. „Oha, das ist jetzt aber echt was für Fortgeschrittene“, meinte Annika, versprach aber, sich diesbezüglich schlau zu machen. Sofort helfen konnte sie ihm hingegen bei dem Speicherproblem seines iPads und bei der Frage, wie die mit dem Handy gemachten Fotos an einzelne Kontakte versandt werden können.

Nachdem klar war, dass die ursprüngliche Idee, alle Probleme und Fragen der Senioren gemeinsam in der Gruppe zu lösen, so nicht realisierbar sein wird, wurde das Konzept noch einmal umgestrickt und bereits bei der zweiten Zusammenkunft erfolgreich umgesetzt: „Vier Damen und zwei Herren bekamen von den Schülern der FTS eine tolle 1:1-Betreuung“, berichtete Vogt, der diesmal selbst mit vor Ort war. „So soll es künftig immer laufen“, sagt er und lädt alle interessierten Handy-, Smartphone- und Tablet-Besitzer ein, dieses von nun an regelmäßige Angebot an der Schule zu nutzen – immer freitags von 13 bis 15 Uhr im Hausmeistergebäude gleich am Parkplatz. Fragen beantwortet Vogt unter Telefon 04841/62172.

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erstellt am 13.Feb.2017 | 12:05 Uhr

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