Tischtennis am Silvestermorgen : Wenn aus einer Laune ein Ritual wird

Punkt 9.15 Uhr geht es los: Dann spielen Ulf Seeck (l.) und Marc Schramm eine Stunde lang Tischtennis.
Punkt 9.15 Uhr geht es los: Dann spielen Ulf Seeck (l.) und Marc Schramm eine Stunde lang Tischtennis.

Seit fast 25 Jahren treffen sich die Husumer Marc Schramm und Ulf Seeck am Silvestermorgen zum Tischtennis-Match auf dem Spielplatz in der Legienstraße. Und die Nachbarn fiebern mit.

shz.de von
02. Januar 2015, 17:15 Uhr

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Jahr ausklingen zu lassen. Marc Schramm und Ulf Seeck beenden es seit nunmehr einem Vierteljahrhundert mit einem gemeinsamen Tischtennis-Match auf dem Spielplatz in der Legienstraße. Und damit nehmen es die beiden Freunde sehr genau, so genau, dass dies auch den Nachbarn nicht verborgen blieb. „Seit 24 Jahren treffen uns am 31. Dezember und beginnen um Punkt 9.15 Uhr mit unserem Spiel“, berichten Schramm und Seeck. Die beiden – inzwischen um die 40 – kennen sich bereits seit aus Sandkisten-Zeiten und haben bereits in Kindertagen viel miteinander unternommen.

Der Tischtennis-Wettstreit in der Legienstraße sei aus einer Laune heraus entstanden“, berichten sie. „Unser erstes Spiel 1991 war mit einer Wette verbunden“, erinnert sich Seeck. Der Verlierer des Matches sollte ohne Verkleidung am Abend Rummelpott laufen und dabei das bekannte Rummel-rummel-ruttje-Lied singen. „Ich hatte verloren und musste von Haus zu Haus ziehen“, sagt Marc Schramm. An die Begegnung mit einem alten Herrn erinnert er sich besonders gut. Der war mit dem alten norddeutschen Brauch offenbar nicht vertraut: „Für so was habe ich keine Verwendung“, ließ er den jungen Mann wissen, und schon war die Tür wieder zu.

Heute lachen die beiden, wenn sie an diesen bemerkenswerten Abend zurückdenken. Außerdem markierte er den Auftakt zu ihrem ungewöhnlichen Freundschaftsspiel. Seither treffen sich sie jedes Jahr zur selben Zeit an derselben Tischtennisplatte – mit Original-Schlägern, aber gespielt wird mit einem Tennisball. Schlechtes Wetter gibt es nicht. Selbst Eis und Schnee können die beiden nicht von ihrem Silvester-Match abhalten. „Wir hatten auch schon Jahre, in denen wir die Tischtennisplatte von einem dicken Eispanzer befreien mussten.“ Und selbst bei dichtem Schneetreiben oder heftigen Regenfällen wurden die Schläger ausgepackt.

Mit den Jahren wurde der Spielplatz dann zur Arena. Immer mehr Menschen aus der Nachbarschaft wurden auf das Ritual aufmerksam und scheuten sich nicht, den beiden dabei zuzuschauen. „Inzwischen warten wir schon ungeduldig auf sie“, gesteht Nachbarin Erika Eggers.

In all den Jahren ist es nur zwei Mal vorgekommen, dass Schramm und Seeck ihren Jahresabschluss-Termin aus beruflichen Gründen absagen beziehungsweise umlegen mussten. „Einmal mussten wir auf den 27. Dezember ausweichen“, sagen sie. Sehr zum Verdruss von Eggers: „Als sie vier Tage früher erschienen, hab’ ich doch tatsächlich erst mal auf den Kalender geschaut.“ Und auch beim zweiten Mal hat das die innere Uhr der 81-Jährigen „ganz schön durcheinander gebracht.“

Doch seither ist das nicht wieder vorgekommen, stehen Tag und Zeitpunkt. Darauf hat sich auch Antje Reusch eingestellt. Eigentlich wollte sie mit ihrem Mann am Silvestermorgen schnell noch die letzten Einkäufe machen. Doch dann erinnerte sie sich des alljährlichen Rituals „Wir konnten doch nicht einkaufen gehen und unsere lieb gewonnenen Gewohnheitsspieler verpassen“, sagt sie.

Im nächsten Jahr feiern Schramm und Seeck ihr 25-Jähriges und verbinden damit eine Bitte an die Stadt Husum: „Die Tischtennisplatte darf auch keinen Fall abgebaut werden.“ Außerdem umtreiben die beiden bereits weitere Jubiläums-Gedanken. „Wir könnten Stühle und Bänke für Zuschauer aufstellen – oder vielleicht sogar Eintritt nehmen“, sagen sie und lachen. Erika Eggers findet das gar nicht so abwegig. Wenn Schramm und Seeck es wünschten, sei sie durchaus bereit, das Eintrittsgeld einzusammeln, sagt sie. „Und das setzen wir dann für einen guten Zweck ein“, spinnt Seeck den Gedanken weiter.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen