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Start in ein neues Leben : Wenn alle helfen, gelingt Integration

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

2005 floh der Tschetschene Artur Yusupov. In seiner Heimat war er nur zwei Jahre zur Schule gegangen. Dank seines nordfriesischen Migrationsberaters hat der in Mathematik begabte Mann zwei Abschlüsse nachgeholt und beendet 2014 eine Berufsausbildung.

Er ist gern unterwegs. Zwischen Hamburg und Flensburg habe er „fast alles“ gesehen. Nur seine Heimat hat Artur Yusupov seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr besucht: Denn von dort ist der junge Mann geflohen. Aus Grosny, der Hauptstadt Tschetscheniens, kam er nach Deutschland. Ohne etwas über das Land zu wissen, das ihm Schutz bieten sollte. Heute steht die Geschichte Artur Yusupovs für eine erfolgreiche Integration – auch dank kompetenter und engagierter Hilfe aus der Kreisverwaltung.

„2005 bin ich in die Erstaufnahmestelle nach Lübeck gekommen“, blickt der 27-jährige Tschetschene noch einmal zurück. Mehr als drei Jahre dauerte es, bevor er offiziell als Flüchtling anerkannt wurde. Als Artur Yusupov dann nach Nordfriesland geschickt wurde und in Husum auf Peter Martensen traf, begann die große Wende in seinem Leben. „Ich habe gleich gemerkt, dass Artur intelligent ist“, sagt Nordfrieslands Migrationsberater. Nicht alle Asylbewerber würden eine Berufsausbildung anstreben. Vor allem wenn sie – wie auch der Tschetschene – nur zwei Jahre lang eine Schule besucht haben.

Nachdem erste Tests an der Volkshochschule in Niebüll zeigten, dass Artur Yusupov eine Begabung für Mathematik besitzt, entschied sich Berater Peter Martensen, einen alten Freund um Hilfe zu bitten. „Er ist ein pfiffiger Bursche. Aber er war geistig verdurstet“, beschreibt Professor Peter Naeve seinen ersten Eindruck. Der ehemalige Hochschullehrer für Statistik und Informatik traf sich regelmäßig mit dem Flüchtling, um ihm Deutsch beizubringen, obwohl Naeve weder Russisch noch Tschetschenisch spricht. Doch Artur Yusupov wollte keinen Sprachkursus besuchen: „Ich hatte schon drei Jahre verloren und wollte nicht noch länger warten.“ Die Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss war dennoch erfolgreich. „Im Zeugnis hatte ich nur Einsen – bis auf das Fach Deutsch.“ Motiviert meldete sich der lernhungrige Flüchtling in der Berufsschule in Husum an. Der Realschulabschluss war sein nächstes Ziel. Seine anfängliche Sorge, dass er als Ausländer zum Außenseiter werden würde, war mehr als unbegründet. „Lehrer und Mitschüler haben mich mit offenen Armen empfangen.“ Und so gehören auch sie zu seiner Erfolgsgeschichte.

Privat ließ das Glück ebenfalls nicht auf sich warten. 2010 lernte Artur Yusupov bei einer Urlaubsreise in Georgien die Krankenschwester Zakuri Chakhogan aus Armenien kennen und lieben. Das Paar lebt zusammen in Husum und hat im vergangenen Jahr geheiratet. Allerdings nicht in Deutschland. „Hier hätten wir bis zu sechs Monate warten müssen“, sagt Zakuri Chakhogan. Deshalb tauschten beide die Eheringe im Rathaus von Aabenraa aus.

Im nächsten Jahr will Artur Yusupov seine Ausbildung zum technischen Assistenten für Informatik abschließen. Die deutsche Staatsbürgerschaft hat er inzwischen auch bekommen. „Ich habe hier nur freundliche und nette Menschen getroffen und sehe meine Zukunft hier“, betont der eingebürgerte Tschetschene.

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