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Bahn-Streik : Wenig Verständnis für den „Machtkampf“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bahn-Reisende verstehen die Welt nicht mehr: Der anhaltende Streik nervt – in Husum und auf Eiderstedt. Ersatzmaßnahmen mindern indes zumindest die Folgen.

„Wegen des Streiks fällt heute die Verbindung nach St. Peter-Ording aus.“ Diese Ansage war am Donnerstag (6. November) aus sämtlichen Lautsprechern im Husumer Bahnhof zu hören. Allerdings wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, so dass Reisende und Pendler an allen Streiktagen – bis einschließlich Sonntag – nach Eiderstedt und wieder zurück in die Storm-Stadt kommen.

„Seit Mittwochfrüh wird der Güterverkehr und seit Donnerstag der Personenverkehr durch den Streik massiv behindert“, erklärte eine Pressesprecherin des Bahn-Konzerns in Hamburg. Seit die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) das gesamte Personal – vom Lokführer bis zum Trainer in den Eisenbahnverkehrsunternehmen der Deutschen Bahn (DB) – zum Arbeitskampf aufgerufen hat, geht fast nichts mehr. Im Norden seien dem Aufruf annähernd 1000 nicht-verbeamtete Lokführer gefolgt, hieß es aus der Pressestelle. Ob der Streik – wie angekündigt – bis Montag dauern wird, soll nun vor Gericht geklärt werden. Eine einstweilige Verfügung der DB liege beim Arbeitsgericht in Frankfurt.

Für einige Bahnkunden ist mit diesem Streik eine Linie überschritten worden, wie Josef Gafert aus Kiel es nennt. „Hier geht es längst nicht mehr um Tarifforderungen, sondern um Macht“, ist sich der 67-jährige Rentner sicher. Mit seiner Frau Angelika und den Freunden Sylvia und Ernst Dunemann mussten sie von Kiel mit dem Bus nach Husum fahren. „Wir wollten nach Westerland. Nun sitzen wir hier fest und hoffen, dass wenigstens die NOB ihren Fahrplan einhält.“ Er habe Verständnis für Streiks, schließlich habe er als Arbeitnehmer auch gestreikt. „Doch was die GDL da seit Wochen treibt, geht einfach zu weit.“ Das sieht auch Ernst Dunemann so und findet es an der Zeit, „dass die Politik einschreitet und die GDL in ihre Schranken verweist.“

Diese Sicht der Dinge teilt auch Marcel Hansen aus Husum. „Mein Verständnis geht gegen Null. Es kann nicht sein, dass – wie in diesem Fall – ein Mann eine ganze Volkswirtschaft ausbremst.“

Noch deutlicher wird Hendrik Werner aus Lübeck. Er hat Vertragsunterlagen im Reisegepäck nach Sylt, die termingerecht unterschrieben werden müssen. „Wenn es um die Schadensregulierung geht, sollten die Gewerkschaften nach dem Verursacherprinzip herangezogen werden“, erbost sich der 51-jährige Finanzberater.

Ob es in den kommenden Tagen zu der ersehnten Einigung kommen wird, ist mehr als fraglich. Auf der einen Seite will die Bahn juristisch gegen den Streik vorgehen, auf der anderen Seite hat GDL-Chef Claus Weselsky ein von der DB kurzfristig angebotenes Schlichtungsverfahren abgelehnt.

Weil die DB für einen Schienenersatzverkehr sorgt, verlief der erste Streiktag für die Eiderstedter vergleichsweise glimpflich. Die Busse fahren zwischen 5.41 und 22.41 alle Stunde von Husum sowie zwischen 6.05 und 23.05 alle Stunde von St. Peter-Ording. Eineinviertel Stunde wird für die Strecke benötigt. An den Schulen gab es keine Probleme. Nur wenige Schüler kamen verspätet zum Unterricht, da der Bus später fährt als die Bahn. Wegen des anderen Taktes mussten die Mädchen und Jungen zudem eine Stunde länger in der Schule bleiben. Da aber rechtzeitig über den Streik informiert worden war, konnten sich die Eltern darauf einstellen. Die Grundschulen in Tönning, Garding und St. Peter-Ording waren vom Streik nicht betroffen, da ihre Schützlinge sowieso mit dem Bus fahren.

Dessen ungeachtet mussten 14 Kinder der Tönninger Grundschule auf die Teilnahme am Floorball-Turnier in Garding verzichten, weil sie mit dem Ersatzbus nicht rechtzeitig zurückgekommen wären. Das Tourismus-Geschäft in
St. Peter-Ording hat der Streik gestern nicht beeinträchtigt. „Es hat bei der Tourismus-Zentrale niemand storniert“, sagte die stellvertretende Tourismus-Direktorin Constanze Höfinghoff auf Anfrage. Zwei Urlauber hätten angefragt, wie sie ohne Bahn nach St. Peter-Ording kommen könnten. „Wir haben sie auf die Fernbusse und den Schienenersatzverkehr verwiesen.“

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