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Husumer Jugendzentrum Biss : Wenig Hoffnung für neue Stelle

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Biss muss wohl weiter auf Bundesfreiwilligendienstler setzen: Für die Erweiterung des Teams gibt es keine Mehrheit.

Die Personallage im städtischen Kinder- und Jugendforum Biss ist nach Ansicht dessen Leiters höchst prekär: „Wir gehen auf dem Zahnfleisch“, kommentiert Bernd Biermann. Die drei Bundesfreiwilligendienst-Stellen könnten nicht besetzt werden, doch da die Einrichtung in der Norderstraße mittlerweile in der Hauptsache von jugendlichen Flüchtlingen besucht werde, hätten sich die Herausforderungen an das Biss-Team noch verstärkt (wir berichteten). Zumindest eine halbe sozialpädagogische Assistentenstelle mehr sei nötig, fordert Biermann.

Darüber berät heute (Mittwoch, 7. Dezember) der Finanz- und Wirtschafts- und morgen (Donnerstag, 8. Dezember) der Hauptausschuss – und es sieht nicht so aus, als ob Biermanns Forderung, die sich auch in der Stellenplan-Vorlage der Verwaltung wiederspiegelt, entsprochen wird.

„Wir halten es auch weiterhin gerade im Bereich der offenen Jugendarbeit für erforderlich, jungen Menschen ein Engagement im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes oder als Freiwilliges Soziales Jahr zu ermöglichen. Ohne einer grundsätzlichen, konzeptionellen Aufarbeitung und Bedarfsklärung kann einer Ausweitung von Stellen im Biss derzeit nicht zugestimmt werden“, schreibt Fraktionschef Horst Bauer in dem Antrag, den die SPD in der heutigen Beratung vorlegen wird. Seine Partei fordert von der Verwaltung dazu im nächsten Jahr „einen ausführlichen Bericht inklusive Nutzerzahlen und Öffnungszeiten“.

In dieselbe Kerbe schlägt auch die CDU, die „diese Stelle weiterhin für den Einsatz im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes freihalten“ will. „Es ist doch nicht der originäre Sinn dieses Jugendzentrums, Asylsuchende zu betreuen“, so Fraktionschef Christian Czock. Wenn die halbe Stelle erst einmal eingerichtet sei, bekomme man sie nur schwer wieder weg, wenn sich die Situation entschärft habe. „Wir haben einfach kein Geld dafür.“

Die Grünen sprechen sich ebenfalls dagegen aus und setzen weiter auf Bundesfreiwilligendienstleistende. „Andere Organisationen bekommen das doch auch hin, diese Stellen zu besetzen und die Dienstleistenden ein Jahr lang zu halten“, so Fraktionschef Frank Hofeditz. Das hätte zudem den Vorteil, dass Betreuer und Klientel gleichaltrig seien und auf ganz anderer Ebene miteinander umzugehen vermochten als es ein älterer Mensch könne. Natürlich seien die jugendlichen Flüchtlinge entwurzelt und oft ohne Eltern nach Deutschland gekommen. „Aber es ist ja nicht nur eine Frage der Nationalität – wir waren ebenfalls mal jung und wild“, sagt Hofeditz.

Seine Fraktion habe lange und kontrovers über die Sachlage diskutiert. „Und wir sehen auch, dass das Biss in einer schwierigen Situation und Jugendarbeit generell nicht einfach ist.“ Die interkulturelle Arbeit im Biss sei wichtig, da die jugendlichen Flüchtlinge nach dem Deutsch-Unterricht in der Ferdinand-Tönnies-Schule sich selbst überlassen seien. „Da müssen wir über erweiterte Öffnungszeiten des Jugendzentrums nachdenken.“ Seine Fraktion vermisse jedenfalls weiterhin einen „transparenten Tätigkeitsbericht samt Konzept für die Jugendarbeit“ des Biss. „Erst dann können wir über zusätzliches Personal reden.“

Bürgermeister Uwe Schmitz dagegen verteidigt seine Stellenplan-Vorlage: „Der Druck auf das Biss ist hoch und Bundesfreiwilligendienstleister sind keine verlässliche Größe.“ Schließlich müssten sie als Betreuer auch an ihre Aufgabe herangeführt werden – und das koste Zeit. „Aber die Dienstleistenden können jederzeit vor Ablauf des Jahres gehen, wenn sie einen Studienplatz oder eine andere Stelle bekommen.“ Planbare Arbeit sei damit sehr schwer.

Und Reimer Tonder, Fraktionschef der WGH, geht noch einen Schritt weiter: „Um die derzeitigen Probleme zu lösen, ist nicht nur mehr Personal nötig. Das Biss benötigt auch andere Instrumente für die Arbeit mit den jugendlichen Flüchtlingen.“ Vielleicht einen Runden Tisch – „oder man bezieht den Imam als Mittler mit ein. Es hat sich ja gezeigt, dass der einen großen Einfluss auf die Jugendlichen hat.“ Vordringlich sei jetzt jedenfalls die Besetzung der halben Stelle. „Und deswegen werden wir für deren Einrichtung stimmen.“

Das wird angesichts der Beschlusslage der großen Parteien aber wohl nicht ausreichen. Es sieht so aus, als ob Bernd Biermanns Team weiter „auf dem Zahnfleisch“ gehen muss.

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erstellt am 07.Dez.2016 | 10:00 Uhr

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