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1500 neue Setzlinge : Weiterer Schritt für den Artenschutz

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit einer letzten Pflanzaktion greifen Experten aktiv in die Wiederansiedlung von seltenen Tier- und Pflanzenarten in den Lütjenholmer Binnendünen ein.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Dr. Detlef Kolligs bückt sich und zeigt auf eine Pflanze mit teils grünen, teils rötlich gefärbten Blättern. „Das ist ein Teufelsabbiss der letzten Pflanzaktion“, sagt der Schmetterlingsexperte der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Mit der laufenden Aktion beendet diese ihren aktiven Eingriff unter dem Motto „Wenn Wald wieder zu Heide wird“ in die Naturlandschaft zwischen Bargum und Lütjenholm vorerst. Mit der Hilfe der Stiftung hat sich die Fläche am Galgenberg und Megelbargin in den vergangenen Jahren von einem Waldgebiet zurück in eine Heidelandschaft verwandelt – so wie sie ursprünglich war. Statt Sitkafichten finden sich dort heute Arnika, Teufelsabbiss und Schwarzwurzel.

Diese selbst auf der roten Liste stehenden Arten wurden zum Teil gestern und heute neu gepflanzt. In der dritten Aktion dieser Art wurden dieses Mal insgesamt 750 Setzlinge vom Teufelsabbiss, 500 Schwarzwurzel und 250 Arnika gepflanzt.

Zurück auf dem Galgenberg: Der Biologe Kollig greift nach einem Stängel, der aussieht wie ein langer, vertrockneter Grashalm. „Hier sind sogar noch Überreste einer Blüte“, ist er begeistert. Diese ist ein Erfolgszeichen für das aus EU-Mitteln finanzierte Projekt, denn ohne diese können sich die Pflanzen nicht selbstständig vermehren. Und das ist schließlich das Ziel der Pflanzaktion.

„Der Teufelsabbiss ist die einzige Nahrungspflanze der Scheckenfalter-Raupen – zumindest hier in Norddeutschland“, weiß Kolligs. Dies sei dem Goldenen Scheckenfalter unter anderem zum Verhängnis geworden, der heute vor dem Aussterben bedroht ist.

Insbesondere für ihn wurde die Heidelandschaft um den Galgenberg wiederhergestellt, ebenso wie 13 weitere Projekte im Land. Im vergangenen April wurden 150 Raupen des Goldenen Scheckenfalters in den Lütjenholmer Binnendünen ausgesetzt. Aus diesen entwickelten sich im Sommer die ersten Falter, die nun wiederum Eier gelegt haben. „Wir haben etwa 20 sogenannter Gespinste gefunden. In einem liegen jeweils mehrere Dutzend Raupen“, freut sich Kolligs über die erste selbstständige Vermehrung des seltenen Schmetterlings.

Aber nicht nur für den Falter ist die Wiederherstellung und Erhaltung der Heidelandschaft wichtig. „Wenn es dem Scheckenfalter hier gut geht, dann fühlen sich hier auch viele andere Arten wohl“, ist der Biologe überzeugt. So können die Naturschützer weitere Erfolge verzeichnen. „Die Heidelerche hat dieses Jahr hier gebrütet“, sagt Kollig. Dann zeigt er zu einem Vogel, der über das Gebiet fliegt. „Das ist eine Bekassine – ein Zugvogel auf dem Durchflug. Er ist ebenfalls auf offene Flächen angewiesen“, so der Biologe.

Damit die Heidelandschaft nicht wieder mit Bäumen zuwächst, hat die Stiftung das Gebiet als Weideland verpachtet. Auf der Fläche grasen Galloway- sowie Highland-Rinder. „Sie knabbern die Blätter und Äste ab. Gerade im Winter, wenn die Auswahl nicht so groß ist, fressen sie alles – zum Beispiel auch Pfeifengras, was sie im Sommer eher verschmähen“, erklärt Kollig das System. So wird die Ausbreitung der Bäume und Sträucher durch Beweidung verhindert. Die Anzahl der Tiere wird je nach Bedarf reguliert. Regelmäßige Überprüfungen des Tier- und Pflanzenbestandes sollen weiterhin gemacht werden.

„Wir haben der Heidelandschaft einen Anschub gegeben, jetzt sollen die Pflanzen und Tiere aber alleine überleben“, so Kolligs, der sich seit mehr als 30 Jahren mit den Schmetterlingen in SH beschäftigt. Die Setzlinge werden in der Anordnung einer Fünf, wie sie auf Würfeln zu finden ist, eingesetzt, damit sie später leichter wiederzuerkennen und zu kontrollieren sind.

Die neu gepflanzten Setzlinge haben nichts von den Rindern zu befürchten. „Die Arnika-Pflanzen sind recht niedrig gewachsen, sodass die Tiere sie mit ihren Zungen kaum zu packen kriegen und so nicht herausrupfen können“, erklärt Kolligs. Die großen Blätter vom Teufelsabbiss wurden aus dem selben Grund abgeschnitten.

„Über die fachliche Entwicklung sind wir glücklich. Das Gebiet hat sich so entwickelt, wie wir es uns erhofft haben Wir sehen es sogar als Vorzeigeprojekt“, ist Kollig mit dem Projektverlauf zufrieden. Unglücklich sei man über die Reaktionen vor Ort bezüglich der Waldrodung gewesen. Mit den teils sehr emotionalen Rückmeldungen hatten die Naturschützer nicht gerechnet. „Aber auch daraus haben wir gelernt.“

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