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Schwerpunkte für Schienenverkehr in Nordfriesland. : Weichen für Gleis-Infrastruktur stellen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Kreis hatte viele Fragen zur Anbindung des Schienenverkehrs – und muss die Antworten der Beteiligten erst sortieren, bevor er sich positioniert.

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erstellt am 17.Jul.2017 | 08:00 Uhr

48 Seiten umfasst die Synopse mit den Antworten zur Gleis-Infrastruktur und der Anbindung des Schienenverkehrs. Zu drei Themen-Komplexen wollte der Kreistag wissen, wie die Beteiligten dazu stehen. Allein die Rückläufer zu der Frage, ob, wie und mit welchen Auswirkungen die Bahnstrecke von Flensburg nach Niebüll wieder in Betrieb genommen werden sollte, beanspruchen in dem Schriftstück mehr als die Hälfte des Platzes.

Geäußert haben sich die Verkehrsunternehmen Deutsche Bahn AG, Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll GmbH (NEG) und Railroad Development Corporation (RDC), die Initiativen Pro Bahn und Schienenbusse, die Partei der Grünen sowie der Schleswig-Holsteinische Gemeindetag auch zur Elektrifizierung der Bahnverbindungen bis Westerland. Und schließlich waren noch ihre Ideen und Anregungen zu einer besseren Anbindung der Westküste bis Westerland beziehungsweise bis zur dänischen Grenze gefragt.

Nachdem der Kreis die Synopse in den vergangenen Monaten herumgeschickt habe, gehe es nun darum, sich auf eine gemeinsame Ausrichtung oder einen Beschluss zu verständigen, umriss Kreis-Fachbereichsleiter Burkhard Jansen in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses den Sachstand. Und Landrat Dieter Harrsen erklärte zu dem Verfahren: „Wir haben ganz bewusst offene und viele Fragen gestellt.“ Das „unstrukturierte Ergebnis“ (im Sitzungskalender des Kreises unter der Internet-Adresse www.ratsinfo.de als Dateianhang zu finden) sei von der Verwaltung gewollt gewesen – „als Info-Masse für die Politik“.

Ausschuss-Vorsitzende Gabriele Edlefsen (Wählergemeinschaft NF) wollte in diesem Zusammenhang erst einmal die Gretchenfrage geklärt wissen: „Soll die Strecke Flensburg – Niebüll aus Sicht des Kreises weitergeführt werden? Ich bin der Meinung, dass die Westküste damit abgehängt wird.“ Man müsse erst einmal abwarten, wie sich die Anbindung des Kreises an den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) entwickele, sagte Martin Jansen. Der CDU-Vertreter plädierte dafür, wie beim Thema Windkraft eine Arbeitsgruppe einzurichten: „Wir müssen uns auf einen Weg verständigen.“

Nicht alle Befragten hätten sich zu sämtlichen Aspekten geäußert, so dass man keine Mehrheit für das eine oder andere ausmachen könne, konstatierte Uwe Schwalm (Grüne): „Und es geht ja nicht nur um Niebüll – Flensburg, sondern um viele Fragen, wie wir uns Infrastruktur-Verbesserungen für die Westküste vorstellen können.“ Zum Beispiel den Einsatz von kleinen Triebwagen, die mit Brennstoffzellen betrieben werden. Darauf stieg auch Ulrich Mittendorf (FDP) ein: „Sollte sich herausstellen, dass die Ertüchtigung der Marschbahn nicht machbar ist, wäre die Wasserstoff-Technologie für uns die zweitbeste Möglichkeit.“

Auch Ulrich Stellfeld-Petersen (SSW) vertrat vehement die Ansicht, dass die Westküste bei einer Reanimierung der Strecke Flensburg – Niebüll abgehängt werde. Fehlende Zweigleisigkeit, Platznot in Westerland, am Kurswagen nach Dagebüll hängende Arbeitsplätze – all diese Schwierigkeiten auf der Marschbahn seien noch nicht gelöst, so Stellfeld-Petersen: „Und wir diskutieren ein Papier, das die Probleme nur von der West- an die Ostküste verlagern würde.“

Hans Jacobsen (SPD) sah das ähnlich: „Wir an der Westküste, wo eigentlich – außer Wind – alles knapp ist, können uns so eine Geisterdiskussion gar nicht leisten. Wir müssen uns jetzt wehren, indem wir Struktur in diese Stoffsammlung bringen.“ Jacobsen schlug vor, in den Fraktionen gezielt Fragen zu stellen, „um sich von Dingen zu trennen, die uns nicht wichtig sind“.

SPD-Fraktionschef Thomas Nissen bezeichnete die Synopse als „Materialsammlung, die uns zunächst einmal in die Lage versetzt, zu strukturieren – unabhängig von der Technologie zu formulieren, was wir in welcher Zusammensetzung zweckmäßig gesondert behandeln wollen. Mit dem Ergebnis, dass sich der Kreistag positioniert.“ In diesem Zusammenhang bat Nissen („Das Ganze duldet keinen Aufschub!“) die Verwaltung um eine Auflistung: „Welche Positionen haben wir in der überschaubaren Vergangenheit eigentlich zu einzelnen Themen-Komplexen eingenommen?“ Landrat Harrsen machte dazu deutlich, die entsprechenden Beschlüsse der letzten fünf Jahre schnell beibringen zu können.

Burkhard Jansen fasste die Diskussion so zusammen: Es seien fraktionsinterne Diskussionen gewollt, um der Verwaltung in einer der nächsten Sitzungen eine politische Ausrichtung mitzugeben, damit dann eine Vorlage erstellt werden könne. „Ich sage mal ganz platt: Der Ball liegt jetzt bei Ihnen“, so Jansen. In seiner Sitzung morgen (18.) ab 14 Uhr im großen Sitzungssaal des Husumer Kreishauses befasst sich der Wirtschaftsausschuss nun zunächst mit Informationen von DB  AG und RDC zur aktuellen Situation der Autobeförderung im Bahnverkehr zwischen Niebüll und Westerland.

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