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Auf neuen Wegen : Weichen für Betriebsrat sind gestellt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Fast ein Jahr lang haben sich Mitarbeiter der Husumer Metalltechnik-Firma Wiedemann darauf vorbereitet, einen Betriebsrat zu gründen. Jetzt ist der erste Schritt in dieser Richtung vollzogen.

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erstellt am 13.Dez.2016 | 11:00 Uhr

Die Luft ist knapp geworden im Sitzungssaal der Gaststätte. Dabei ist die Debatte alles andere als hitzig. Im Gegenteil. Ausgesprochen diszipliniert gehen die rund 20 Frauen und Männer noch einmal alles durch: ihre Vorschläge für die Wahlvorstände, die Frage, wer die Versammlung leiten und welche Kandidaten aufgestellt werden sollen – das ganze Prozedere eben. Ein Jahr haben sie sich auf diesen Augenblick vorbereitet. Jetzt ist er zum Greifen nah. In nicht einmal 48 Stunden wollen sie bei der Metalltechnik-Firma Wiedemann in der Siemensstraße 16 die Gründung eines Betriebsrates auf den Weg bringen.

„Das ist nicht unser erster Versuch“, sagt ein Metalltechniker. Wie den Kollegen geht es ihm „um mehr Mitbestimmung am Arbeitsplatz“. Die Beschäftigten wollen keinen Ärger, haben bei ihren Überlegungen auch und vor allem die Zukunft des Unternehmens – ihres Unternehmens – im Blick. Mangelnde Arbeitsvorbereitung und -planung, die hohe Fluktuation im Betrieb und die Tatsache, dass „Neue“ oft zu besseren Bedingungen angestellt würden als Altgediente – „das schafft eine Schieflage, die uns nicht gut tut“. Aus diesem Grund möchten die Kollegen mehr Verantwortung für die Abläufe im Betrieb übernehmen, um Aufträge noch zielgerichteter abarbeiten zu können.

Ein weiteres Thema ist die betriebliche Ausbildung. Nicht immer würden die rund 50 Lehrlinge wie vorgesehen eingesetzt, heißt es. Auch da möchte der Betriebsrat in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung nach Lösungen suchen.

Bei der Wahlversammlung sprachen sich zu guter Letzt drei Viertel der 211 anwesenden Mitarbeiter für die Gründung eines Betriebsrates aus. Seitens der Unternehmensleitung war gestern bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten. Befürchtungen, die Geschäftsführung könnte versuchen, die Wahl zu verhindern, hätten sich aber ebenso wenig bestätigt, wie Dr. Martin Bitter nach der Versammlung erklärte. Im Gegenteil: Der erste Bevollmächtigte und Geschäftsführer der Industriegewerkschaft Metall in Rendsburg lobte Unternehmens-Chefin Susanne Wiedemann-Grabert ausdrücklich für ihr „kooperatives Vorgehen“.

Das Familienunternehmen Wiedemann gibt es seit 70 Jahren. Die Produktpalette ist vielfältig: Sie reicht von Entwässerungstechnik aller Art über Türen und Fenster bis hin zu Sonderanfertigungen.

Die Industriegewerkschaft Metall hat sich aufgrund der Energiewende zuletzt vermehrt der Westküste zugewandt. Mitglieder-stärkster Betrieb ist die Firma Vestas – und Konkurrent Senvion seit Kurzem wieder im Tarif. Bitter muss es wissen: Er sitzt selbst mit im Aufsichtsrat des Unternehmens.

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