Jahresversammlung : Wehren wollen Dialog mit Schulen

Gruppenbild mit Dame: Vize-Landesfeuerwehr-Chefin Ilona Dudeck mit den geehrten und beförderten Feuerwehrleuten.
Gruppenbild mit Dame: Vize-Landesfeuerwehr-Chefin Ilona Dudeck mit den geehrten und beförderten Feuerwehrleuten.

Der Nachwuchs der nordfriesischen Blaujacken scheidet immer öfter wegen eines zu vollen Stundenplans aus. Dies war Thema bei der Jahresversammlung in Reußenköge.

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26. März 2018, 17:00 Uhr

Die bevorstehende Kommunalwahl handelte Kreiswehrführer Christian Albertsen in seinem 17-minütigen Jahresbericht mit einem Satz ab: „Eine Gemeinde braucht eine starke Feuerwehr – und eine Feuerwehr braucht eine starke Gemeinde.“ Dann beschäftigte sich der erste Feuerwehrmann des Kreises bei der Jahresversammlung in der Koogshalle in Reußenköge wieder mit seinem Metier und nannte die Zahl von mehr als 2000 Einsätzen, darunter 19 Großbrände und 373 Notrufen wegen Unwetters für die 131 Feuerwehren im Kreis.

In 2017 hatten Nordfrieslands Wehren laut Bericht 5356 aktive Mitglieder. Das Durchschnittsalter liegt derzeit bei 42 Jahren – und der Frauenanteil bei 6,5 Prozent.

Dann ergriff Kreisjugendfeuerwehrwart Björn Hufsky das Wort. 54 Jugendfeuerwehren und eine Kinderfeuerwehr in Archsum auf Sylt hätten aktuell 391 Mädchen und 768 Jungen als Mitglieder. „Damit sind wir vor der Kreisjugendfeuerwehr Rendsburg-Eckernförde mit 1926 Mitgliedern der stärkste Verband. 350 Austritten in 2017 sind aber eine ungewöhnlich hohe Zahl für uns. Auffallend ist: 61 junge Leute traten aus schulischen Gründen aus – das System Ganztagsschulen läuft einfach nicht rund! Darüber werden jetzt der Innenminister und die Bildungsministerin sprechen – ausdrücklicher Wunsch des Innenministers ist es, dass ich dabei bin!“

Mit Personalien ging es nach einer Pause weiter. Unter anderem ist der Tönninger Wehrführer Dr. Stefan Klützke für sechs Jahre zum Fachbereichsleiter „Chemie“ im nordfriesischen „Löschzug Gefahrgut“ ernannt worden. Die Ortsverbände Tönning, Husum und Niebüll des Technischen Hilfswerks (THW) gelten künftig als „Partner der Feuerwehr“. Der stellvertretende Kreisbrandmeister Wolfgang Clasen überreichte die Urkunden und betonte: „In Nordfriesland besteht seit Jahren eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.“

Dann stand eine besondere Ehrung auf der Tagesordnung. Für seinen Einsatz in der Feuerwehrseelsorge NF wurde der Diakon Carsten Brinkmann (Feuerwehr St. Peter Ording) durch die Vize-Landesfeuerwehr-Verbandsvorsitzende Ilona Dudek mit dem Schleswig-Holsteinischen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze gewürdigt. Carsten Brinkmann übe mit „großem Einfühlungsvermögen“ seit 2010 das Amt des Fachwartes Feuerwehrseelsorge aus. Ebenfalls ausgezeichnet wurde der NF-Teamleiter für psychosoziale Notfallversorgung, Jürgen Schindler (Feuerwehr Garding).

Das Ehrenkreuz erhielt auch Kreisausbilder Dirk Schlott (Feuerwehr Langstoft) und das Ehrenkreuz in Silber das „Urgestein in der Feuerwehrausbildung“ Johannes Christiansen (Feuerwehr Horstedt).

In seiner – mit großem Beifall bedachten Ansprache – äußerte der Ehrenpräsident des Deutschen und des Welt-Feuerwehrverbandes, Hinrich Struve (89), scharfe Kritik: „Es hat leider zugenommen, dass Rettungskräfte durch Gaffer behindert und von aggressiven Menschen tätlich angegriffen werden. Damit ist eine Hemmschwelle nunmehr überschritten worden – und das ist absolut traurig und kann so nicht hingenommen werden!“

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