zur Navigation springen

Prozess vorm Amtsgericht : Wehe, wenn er zur Flasche greift . . .

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

„Es handelt sich gleichsam um eine gerichtlich angeordnete Entziehungskur“, hieß es in der Urteilsbegründung, als das Amtsgericht Husum jetzt einen 58 Jahre alten Mann aus dem Kreis Nordfriesland zu eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilte.

„Es handelt sich gleichsam um eine gerichtlich angeordnete Entziehungskur“, hieß es in der Urteilsbegründung, als das Amtsgericht jetzt einen 58 Jahre alten Mann aus dem Kreis Nordfriesland zu eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilte. Der alkoholkranke und am „Korsakow-Syndrom“ leidende Angeklagte hatte seit 1998 bereits zum vierten Mal in Husum vor Gericht gestanden, weil er unter Alkoholeinfluss immer wieder Straftaten verübt und gleichzeitig eine Betreuung und eine Therapie abgelehnt hatte.

Das Gericht billigte dem Verurteilten aufgrund seiner krankheitsbedingten Gedächtnisstörung und Alkoholabhängigkeit zwar eine verminderte Schuldfähigkeit zu, sah jedoch keine ausreichenden Anhaltspunkte für eine völlige Schuldunfähigkeit. Nachdem der Mann wegen zahlreicher früherer Delikte bereits zwei Mal eine Gefängnisstrafe hatte verbüßen müssen, war es – wie die Anhörung von rund einem halben Dutzend Zeugen ergab – in der Zeit von 12. Februar bis 5. Juni dieses Jahres erneut zu einer Serie von Straftaten gekommen.

Jeweils stark angetrunken, hatte der Angeklagte in einem Husumer Fleischereifachgeschäft bei Ladenschuss und nach einem Disput mit einer Verkäuferin „Heil Hitler“ gerufen und seinen Arm zum „Hitler-Gruß“ erhoben, was juristisch als „Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ gewertet wurde. In einer Tankstelle, in der für ihn bereits seit Jahren Hausverbot gilt, hatte er eine Flasche Wein entwendet, was als Hausfriedensbruch und Diebstahl geahndet wurde. Und mehrfach hatte der Angeklagte ohne erkennbaren Grund andere Personen und später bei seinen vorläufigen Festnahmen auch Polizeibeamte auf übelste Weise beleidigt sowie nach ihnen geschlagen und getreten. Das wiederum urteilte Justitia als Beleidigung, versuchte oder vollendete Körperverletzung und Widerstand gegen Polizeibeamte ab.

„Wenn ich dem Mann in der Stadt begegne und er hat nichts getrunken, ist er ganz friedlich – wir grüßen uns und alles ist okay“, sagte einer der Verfahrensbeteiligten vor Gericht. Aber sobald er wieder mit dem Trinken anfange, dauere es nicht lange und wieder einmal müsse die Polizei ausrücken. Nachdem das Urteil gesprochen war, versprach der Angeklagte allerdings seinem Anwalt, er wolle sich künftig nichts mehr zuschulden kommen lassen.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Aug.2013 | 19:29 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen