Werkmeister-Schau im Nissenhaus : Wegmarken fürs Auge des Betrachters

Der Künstler begutachtet den Aufbau seiner Schau im Nissenhaus.
Der Künstler begutachtet den Aufbau seiner Schau im Nissenhaus.

Morgen (1. Februar) wird die Ausstellung „Landschaften. Radierungen und ein Ölbild“ von Wolfgang Werkmeister im Husumer Nordsee-Museum eröffnet. 70 Erzähl-Landschaften und ein Ölbild vom Husumer Sperrwerk werden gezeigt.

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31. Januar 2015, 08:00 Uhr

Nein, ein junger Mann ist Wolfgang Werkmeister nicht mehr, aber zwei Dinge hat er sich bis ins fortgeschrittene Alter erhalten: geistige Frische und die Fähigkeit zu staunen – wenn’s sein muss, auch über sich selbst. Während das Team im Nordsee-Museum letzte Hand an seine Ausstellung „Landschaften. Radierungen und ein Ölbild“ anlegt, kommt Werkmeister (74) unversehens ins Grübeln, wie er wohl diese winzigen Dreiecke hinbekommen hat, die zart wie Maienfalter durch eines seiner Meeres-Bilder segeln.

„Ich bin immer ganz erstaunt, dass es das alles gibt – noch dazu kostenlos“, schwärmt der Hamburger Grafiker mit Zweitwohnsitz und Atelier in Bohmstedt. „Wenn ich so etwas einfange“, sagt er und zeigt auf ein Motiv der Arlau, „dann möchte ich nicht irgendeinen Stil darüberstülpen, sondern dass möglichst alles so bleibt, wie es ist.“

Alles so bleibt, wie es ist. Das klingt einfacher als es ist, denn der Betrachter bekommt ja nicht zu sehen, was Werkmeister sah, sondern wie er es sah – den konservierten Augenblick. Um den möglichst authentisch zu gestalten, bedient sich der Künstler – sic! – zweier Kunstgriffe. Einmal, indem er beim Drucken Schwarz- und Brauntöne unterschiedlich akzentuiert, aber dafür auf den Einsatz von Farben verzichtet; zum anderen, indem er seine Bilder so komponiert, dass der Betrachter zumindest einen Eindruck von der Szenerie bekommt, die er selbst vor Augen hatte. Der Blick wird durchs Bild geführt, während sich Linien und Flächen vor dem inneren Auge des Besuchers nach und nach in Farben verwandeln.

„Künstler sind keine Forscher, sondern Selbsterforscher“, beschreibt Werkmeister diesen Prozess. Deshalb dürfe er auch nichts dem Zufall überlassen, müsse sich fragen: Wie bekomme ich Dreidimensionalität in die Fläche, auf die Radierplatte, ja letztlich aufs Papier? „Die ideale Form kannst du nur bei dir selbst suchen“, sagt er. Wenn es gelingt, „zeigt ein Bild weit mehr als das, was drauf ist, tauchst du über die Fläche in eine neue Dimension ein und machst dein eigenes Bild daraus“.

Wolfgang Werkmeister sieht sich in diesem Prozess als Wegweiser, der dem Motiv durch die Komposition Spannung verleiht. Jedes Bild sollte beim Betrachter den Eindruck hinterlassen, als müsse es genau so sein, wie es ist, sagt er. „Dazu muss die Bildgeometrie stimmen.“ Also setzt er Wegmarken, zwischen denen das Auge des Betrachters hin- und herwandern kann. So wird dieser selbst Teil der Geschichten, die Werkmeister in seinen Bildern erzählt.

70 solcher Erzähl-Landschaften und ein Ölbild vom Husumer Sperrwerk zeigt das Nordsee-Museum in der Herzog-Adolf-Straße. Zusätzlichen Reiz bezieht die Ausstellung aus der Spiegelung felsiger Lava-Formationen auf Lanzarote an den Salzwiesen entlang der Hattstedter Marsch, aber auch lichtscheuer norwegischer Fjordlandschaften an den skulptural wirkenden Waldflächen des Darß.

Zur Eröffnung am morgigen Sonntag, 1. Februar, spricht ab 11.30 Uhr der Geschäftsführer des Museumsverbundes Nordfriesland, Dr. Uwe Haupenthal. Die Ausstellung endet am 15. März und ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 geöffnet.

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