Kreis Nordfriesland : Wege aus der Dauer-Arbeitslosigkeit

Lässt Zahlen sprechen: Axel Scholz, Leiter des Jobcenters Nordfriesland.
Lässt Zahlen sprechen: Axel Scholz, Leiter des Jobcenters Nordfriesland.

Das Jobcenter Nordfriesland kann die Vermittlungszahlen erstmals seit einigen Jahren wieder auf mehr als 2000 steigern.

von
21. Juni 2018, 08:00 Uhr

Bereits seit 13 Jahren betreut und vermittelt der Kreis Nordfriesland als eine von mehr als 100 Kommunen im Bundesgebiet in eigener Regie Langzeit-Arbeitslose. Zuletzt auch wieder mit wachsendem Erfolg: Da die Wirtschaft brummt und der Kreis seine Zusammenarbeit mit den sieben Sozialzentren in Nordfriesland optimiert hat, ist es 2017 gelungen, erheblich mehr Menschen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zu bringen. „Erstmals seit vielen Jahren“, freut sich Axel Scholz, Leiter des Jobcenters Nordfriesland.

Die Zahlen sprechen für sich: 2032 Menschen konnten im vergangenen Jahr in einen Job vermittelt werden – rund zwölf Prozent mehr als 2016 und immerhin sieben Prozent mehr als im Jahr davor. Um fast ein Fünftel auf 222 stieg zudem die Zahl junger Menschen, für die sich ein Ausbildungsplatz finden ließ.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: Um Menschen in Arbeit zu bringen, finanzierte das Jobcenter Nordfriesland im Vorjahr kreisweit insgesamt 1652 Qualifizierungsmaßnahmen. Dafür hatte das Jobcenter Nordfriesland zuletzt ein Budget von rund 14 Millionen Euro. „Wir betrachten jeden einzeln und suchen maßgeschneiderte Lösungen für ihn“, erläuterte Scholz in einem Bilanzgespräch im Kreishaus die Vorgehensweise.

Wie solche passgenauen Angebote aussehen können, machte Scholz an einem konkreten Beispiel deutlich: Da die Deutsche Bahn AG händeringend Triebwagenführer sucht, bot das Jobcenter an, geeignete Bewerber vorzuschlagen und die Kosten für die erforderliche Weiterbildung zu finanzieren. Im Gegenzug verpflichtete sich die DB, erfolgreiche Teilnehmer nach ihrer Abschlussprüfung unbefristet zu übernehmen. Für sechs Nordfriesen hat sich damit der Weg aus der Erwerbslosigkeit geöffnet. „Und es zeigt, dass auch hochqualifizierte Arbeit möglich ist“, so Axel Scholz. Am Ende sei es eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Damit es künftig in noch mehr Fällen leichter wird, Arbeitsplatz-Angebote und Bewerber zusammenzubringen, setzt das Jobcenter Nordfriesland verstärkt auf ein Projekt, das intern unter dem Namen Jobzentrale firmiert. Die Datenbank durchsucht Internet-Börsen und weist ausschließlich offene Arbeitsplätze in Nordfriesland aus. Zurzeit steht dieses Hilfsmittel nur den Personalvermittlern in den sieben Außenstellen des rund 170 Mitarbeiter zählenden Jobcenters zur Verfügung. Bald jedoch soll die Jobzentrale zehn statt bisher fünf Datenbanken durchsuchen und dann auch auf öffentlich zugänglichen Computern in den Sozialzentren und im Husumer Kreishaus zur freien Nutzung angeboten werden. Angesichts hoher Lizenzgebühren kann das Angebot allerdings nicht im Internet freigeschaltet werden.

Nachdem der Bund 2012 den sozialen Arbeitsmarkt mit seinen Zusatzjobs drastisch zurückgefahren und stattdessen die Integration in den ersten Arbeitsmarkt als oberste Leitlinie ausgegeben hatte, setzt nun wieder ein Umdenken ein. So konnte der Kreis Nordfriesland im vergangenen Jahr – vom Bund gefördert – 25 Plätze für besonders arbeitsmarktferne Menschen anbieten, die aufgrund von Krankheit, Schulden oder Sucht von jeglicher Teilhabe am gesellschaftlichen Leben abgekoppelt waren. „Die Teilnehmer fangen mit kleinen Schritten an und finden zusehends in ein normales Leben zurück“, freut sich Scholz. Er geht denn auch davon aus, dass zumindest einige von ihnen am Ende wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß fassen werden.

Hoffnungen setzen Axel Scholz und Landrat Dieter Harrsen auf Ankündigungen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, der Mittel in Milliardenhöhe bereitstellen möchte, um Menschen eine echte soziale Teilhabe zu ermöglichen. Davon würde auch das Jobcenter Nordfriesland mit einer besseren Finanzausstattung für diesen Zweck in sechsstelliger Größenordnung profitieren und könnte zusätzliche Angebote im Bereich des sozialen Arbeitsmarktes auflegen, den der Kreistag schon vor Jahren ausdrücklich eingefordert hatte.

In diesem Zusammenhang wünscht Scholz der Bundesregierung den Mut, das starre Kriterium der Gemeinnützigkeit abzuschaffen, aber auch mehrjährige Budgets und damit einen verlässlichen Finanzrahmen für die Jobcenter und Träger von Maßnahmen zu schaffen. Er und Harrsen plädieren zudem dafür, auch Sprachkurse künftig in die Regie des Jobcenters zu geben. „Ich erwarte, dass die Bundespolitik das zügig regelt“, betonte der Landrat. Der Hintergrund: Unter den in sozialversicherungspflichtige Jobs vermittelten Personen waren im Vorjahr zwar auch 182 Geflüchtete, die nach Abschluss ihres Asylverfahrens automatisch zu Kunden des Jobcenters werden. Aber, so Scholz: „Es nützt wenig, wenn jemand solide Deutsch-Kenntnisse erwirbt, dann aber ein halbes Jahr lang kaum mit Deutschen zu tun hat, bevor er zum Jobcenter überwiesen wird. Natürlich vergisst man dann vieles wieder.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen