Husumer trotzen der Hitze : Weder Fußbad noch kurze Hose

Hitzestau: Hauke Mann und Anna-Katharina Rehfeldt in voller Montur.
Hitzestau: Hauke Mann und Anna-Katharina Rehfeldt in voller Montur.

Wie können sich Mitarbeiter von Behörden und Unternehmen bei dem heißen Wetter Abkühlung verschaffen? Wir haben in Husum herumgefragt.

shz.de von
11. Juni 2018, 13:00 Uhr

Die Räume im Husumer Amtsgericht sind nicht klimatisiert und bei Außentemperaturen von knapp 30 Grad umhüllt schwerer, schwarzer Baumwollstoff die Körper von Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern oder auch Urkundsbeamten. Die klassische Robe ist Pflicht.

Welche Spielräume haben Justizvertreter, Mitarbeiter von Banken, Polizeibeamte oder die Angestellten in Handel und Handwerk, sich bei so hochsommerlichen Temperaturen wie jetzt luftiger zu kleiden? Oder stehen Schüsseln fürs kalte Fußbad unterm Schreibtisch? Eine Umfrage der Husumer Nachrichten bei Behörden- und Firmenchefs ergibt, dass aus vielen Gründen Freiheit kaum möglich ist.

Dr. Stefan Wolf, Pressesprecher am Landgericht Flensburg, holt die „Anordnung des Ministerpräsidenten über die Amtstracht“ vom 28. November 1967 hervor, die heute immer noch gilt. Zu dieser Amtstracht werde ein weißes Hemd und eine weiße Halsbinde getragen, von Frauen eine weiße Bluse, zu der sie eine weiße Schleife tragen können. Es sei davon auszugehen, dass auch die übrigen Kleidungsstücke dem Charakter des Arbeitsplatzes angemessen seien. Unter der Robe keine kurze Hose.

Auch Polizeibeamte haben nicht viel Spielraum. Laut Sandra Otte, Sprecherin der Polizeidirektion Flensburg, entscheiden die Reviere vor Ort, ob sie Schwarz oder Weiß, kurz- oder langärmelig tragen.

In Husum haben sich die Kollegen, so Hauptkommissar Thomas Jacobsen, entschieden, die schwarzen Hemden zu tragen, unter anderem weil sie pflegeleichter seien. Landesweit gelten zwei Regeln. Die Teams in den Streifenwagen sollen einheitlich gekleidet sein. Außerdem müssten alle über dem Hemd die neue Schutzweste tragen, die Stichen und Schüssen widersteht – macht mit der weiteren Ausrüstung zehn Kilo Ballast.

Polizeioberkommissarin Anna-Katharina Rehfeldt und ihr Team-Kollege Polizeiobermeister Hauke Mann ergänzen, dass auch die weiße Mütze getragen werden soll. Der Wärmestau unter Mütze und Weste mache im Sommer schon zu schaffen, sagen beide offen. Viele würden an einem Tag einmal ihre komplette Kleidung tauschen müssen, weil alles durchgeschwitzt sei. „Unterm Strich wollen wir aber nicht meckern“, fügt Rehfeldt hinzu. Außerdem seien immer genügend Wasserflaschen an Bord, um den Verlust ausgleichen zu können.

Am höchsten dürften Bauarbeiter belastet sein. Michael Hoff, Chef einer Tiefbaufirma in Husum, „zieht den Hut“ vor allen, die jetzt ganztags in der Sonne arbeiten. Kürzlich hatte sein Team sogar flüssigen Asphalt zu verarbeiten, dessen Hitze zusätzlich strahlt. „Da kommen allen an ihre Grenzen.“ Er betont die klare Vorschrift, dass Bauarbeiter keine kurze Kleidung tragen dürfen. Die Bauberufsgenossenschaft habe extra eine Sonnenschutzverordnung erlassen. Ideal seien langärmlige, luftdurchlässige und den Körper bedeckende Kleidung. Es komme nicht auf deren Dicke, sondern auf deren Webdichte an.

Gut getroffen haben es die Mitarbeiter im Modehaus C. J. Schmidt, denn ihr Arbeitsplatz ist klimatisiert, so Frank Schocker als Personalverantwortlicher. Für alle Mitarbeiter im Verkauf gelte, dass sie „ihrer jeweiligen Abteilung angemessen gekleidet sein sollen“. Lockerer werde das in Büros oder im Lager gesehen. „Da darf es auch mal ein T-Shirt sein.“

Traditionell geht es in der VR-Bank Westküste zu, die aber über klimatisierte Räume verfügt. Für Männer seien Jackett mit Krawatte Pflicht, und auch die Frauen müssten sich dem Business gemäß kleiden.

Grüne Shirts, schwarze Hose – das ist die Dienstkleidung im Husumer Bad. Die Mitarbeiter tragen Schwimmschuhe, mit denen sie im Notfall sofort vom Beckenrand ins Wasser springen können. Mit dieser Ausrüstung können sie im Hochsommer zwischen Hallen- und Freibad pendeln, ohne sich umziehen zu müssen.

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