Föhr-Amrum-Fähre und Hallig-Linie : WDR-Auftrag: Neuer Katamaran fürs Wattenmeer

Schafft „locker“ die im Watt zulässige Maximalgeschwindigkeit von 16 Knoten: So sieht der schnittige Katamaran auf dem Reißbrett aus.
Schafft „locker“ die im Watt zulässige Maximalgeschwindigkeit von 16 Knoten: So sieht der schnittige Katamaran auf dem Reißbrett aus.

Eine niederländische Werft baut der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) ein schnelles Fahrgastschiff – in der Saison 2019 soll es erstmals auslaufen.

shz.de von
02. November 2017, 06:00 Uhr

Wyk | Die Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH (WDR) und die niederländische Werft Scheepswerf Talsma haben den Vertrag zum Bau eines Katamarans für den Einsatz im nordfriesischen Wattenmeer unterzeichnet. Der rund 34 Meter lange Neubau soll zur Saison 2019 in Dienst gestellt werden.

„Unsere Planungen für ein schnelles Fahrgastschiff zur Ergänzung unserer bestehenden Flotte reichen Jahre zurück“, erläutert Reederei-Geschäftsführer Axel Meynköhn: „In den vergangenen zwölf Monaten sind sie nun sehr konkret geworden.“ Zu Jahresbeginn habe man Werften im In- und Ausland eingeladen, ein Konzept für ein kleines Fahrgastschiff vorzulegen, das die im Weltnaturerbe Wattenmeer maximal zulässige Geschwindigkeit von 16 Knoten optimal ausnutzt. Die Scheepswerf Talsma habe hier mit ihrem niederländischen Partner, Conoship International B.V., eindeutig das beste Angebot unterbreitet, so Meynköhn weiter.

An Bord des 34,15 Meter langen und 10,50 Meter breiten Aluminium-Katamarans werden im Sommer laut Pressemitteilung bis zu 250 Fahrgäste Platz haben – etwa 150 von ihnen im Salon auf dem Hauptdeck, die übrigen rund 100 auf dem geräumigen Sonnendeck darüber. Im Winter reduziert sich die Kapazität auf jene 150 Fahrgäste, die im hellen und geheizten Salon sitzen.

Hintergrund: Die Wyker Dampfschiffs-Reederei

Die Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH betreibt eigenwirtschaftlich den Fährverkehr auf den Verbindungen Dagebüll-Wyk-Wittdün (Föhr-Amrum-Linie) und Schlüttsiel-Hooge-Langeneß-Wittdün (Hallig-Linie). Vier moderne Autofähren werden auf den beiden Strecken eingesetzt, ein weiteres Doppelendfährschiff ist im Bau und soll zur Saison 2019 seinen Dienst aufnehmen. Zusätzlich betreibt die WDR mit acht Omnibussen den Linien- und Gelegenheitsverkehr auf Föhr und Amrum. Das Unternehmen zählt gut 150 Mitarbeiter.

 

Für Gepäck und kleine Mengen Stückgut ist im vorderen Bereich des Salons ausreichend Platz eingeplant. An und von Bord gehen werden die Fahrgäste normalerweise über den Bug des Schiffes, der direkt mit den vorhandenen Fährbrücken auf den Inseln und Halligen verbunden werden kann. „Anders als bei unseren Fähren wird die jeweilige Brücke nicht auf den Katamaran aufgelegt, sondern in geringer Höhe über dem Deck arretiert“, erklärt der Reederei-Chef. Ein großer Vorteil des Ein- und Ausstiegs über die bestehenden Fährrampen sei die Barrierefreiheit sowie der leichte Zugang für Fahrgäste mit Gepäck oder Kinderwagen. Außerdem gehe die Be- und Entladung über den Bug sehr schnell vonstatten, so dass sehr kurze Hafen-Liegezeiten möglich werden. „Dort, wo keine Fährbrücke zur Verfügung steht, erfolgt die Ein- und Ausschiffung klassisch über eine Gangway“, ergänzt Meynköhn.

An Bord sollen große Panoramafenster den Blick auf das Wattenmeer freigeben. Eine Gastronomie mit Bedienung am Platz ist mit Blick auf die kurzen Überfahrtsdauern nicht vorgesehen. „Wir haben aber einen Tresen eingeplant, so dass je nach Bedarf kleine Snacks und Erfrischungen angeboten werden können“, so der WDR-Geschäftsführer. Die beiden in den Rümpfen untergebrachten Haupt-Maschinen sorgen für eine Maximalgeschwindigkeit von über 20 Knoten im stehenden Wasser. Damit kann selbst bei Gegenstrom die besagte, im Watt zulässige Reisegeschwindigkeit von 16 Knoten gehalten werden. Dank des sehr niedrigen Tiefgangs von nur 1,40 Metern werde der Neubau bei allen Niedrigwasserständen einsetzbar bleiben, heißt es in diesem Zusammenhang weiter. Das Bugstrahlruder erlaube überdies ein sicheres Manövrieren auch in kleinen und sehr engen Häfen.

„Mit dieser Ausstattung ergänzt der Neubau unsere Bestandsflotte optimal“, hebt Meynköhn hervor. „Er kann je nach Bedarf auf der Föhr-Amrum-Linie oder der Hallig-Linie eingesetzt werden, aber auch neue Verbindungen im Bereich der nordfriesischen Inseln und Halligen sind geplant.“ Auch für Charter-Fahrten und Ausflüge soll das Schiff eingesetzt werden.

Jelle Talsma, Inhaber der in Franeker (Provinz Friesland) sitzenden Scheepswerf Talsma, bezeichnet den neuen Auftrag aus Deutschland als „Meilenstein für unseren Familienbetrieb“. Man werde alles daran setzen, die Erwartungen der WDR zu erfüllen, so Talsma. Der Groninger Planungspartner Conoship habe ein hervorragendes Design entworfen, „das bei den Schleppversuchen in der Schiffbauversuchsanstalt Wien im September seine Leistungsfähigkeit, gerade im flachen Wasser, unter Beweis stellen konnte“.

Betrieben werden soll der schnittige Katamaran, für den die WDR erneut eine Auszeichnung mit dem Umweltzeichen Blauer Engel in den Kategorien „Umweltfreundliches Schiffsdesign“ und „Umweltschonender Schiffsbetrieb“ anstrebt, mit Marinegasöl. Über den Kaufpreis haben Reederei und Werft Stillschweigen vereinbart, die Auslieferung des Neubaus ist für Februar 2019 vereinbart.

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