zur Navigation springen

Stellen-Streichungen : Wasserschutzpolizei vor Schrumpfkurs

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei der Wasserschutzpolizei sollen Stellen eingespart werden. Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner informierte sich deshalb in Husum über Aufgaben und Arbeitsbelastung des für die ganze Westküste zuständigen Reviers.

von
erstellt am 10.Mai.2014 | 15:00 Uhr

Die Botschaft ist angekommen: „Hier sind alle zu 100 Prozent ausgelastet und die Arbeitsbelastung ist hoch“, erklärte Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner zum Abschluss seines Besuches bei der Wasserschutzpolizei in Husum. In interner Runde hatte er sich mit Beschäftigten des für die gesamte Westküste zuständigen Reviers „offen und sehr konstruktiv“ ausgetauscht. So erfreulich dies war, so unerfreulich ist der Anlass: Im Vorfeld der nächsten Einsparrunde im Personalbestand des öffentlichen Dienstes sollen bis zum Jahr 2020 landesweit 5300 Posten dem Rotstift zum Opfer fallen, darunter 122 bei der Landespolizei. Eine Arbeitsgruppe nimmt derzeit speziell in den drei Bereichen Verkehrsüberwachung, Informationstechnik und Wasserschutzpolizei alle Strukturen unter die Lupe. Bis Ende Juni will sie dann konkrete Vorschläge unterbreiten, wo der personelle Schrumpfkurs ansetzen kann.

Auf eben diesen Moment bereitet sich der Minister vor und tourt deshalb bis zum Sommer durch alle 16 Dienststellen der Wasserschutzpolizei mit insgesamt rund 260 Beschäftigten in Schleswig-Holstein. Husum war gestern die neunte Station seiner Rundreise. „Wenn mir die Organisations-Analyse vorgelegt wird, kann ich dann alles auf Plausibilität prüfen“, so Andreas Breitner. Wie weit die Überlegungen gediehen sind, weiß er nach eigenen Aussagen nicht: „Ich kenne kein Zwischenergebnis dieser Arbeitsgruppe – das sind alles Wasserstandsmeldungen.“ Und: „Als Minister beschäftige ich mich nur mit fertigen Konzepten.“

Dass dieser Schwebezustand bis zum Sommer bei jenen, um deren Jobs es geht, gar nicht gut ankommt, weiß Breitner: „Die Gefühlslage der Kollegen ist natürlich nicht gut“. Schließlich gehe es auch um die Wertschätzung der bisher geleisteten Arbeit. Die berechtigten Sorgen könne er allerdings im Moment auch niemandem nehmen, „weil ich das Ergebnis nicht vorweg nehmen kann“. Andreas Breitner: „Und ich laufe auch jetzt nicht durchs Land und garantiere jedem, dass sich für ihn nichts ändert. Das kann ich nicht, weil wir Stellen einsparen müssen.“

Immerhin hat er mitgenommen, dass es sich beim Wasserschutzpolizei-Revier Husum um ein besonderes handelt – mit Aufgaben in der Insel- und Halligwelt, die Überwachung im Nationalpark Wattenmeer, der nationalen und internationalen Schifffahrt und der Fischereiaufsicht auf See sowie einer „enorm großen Fläche“ im Watten- und Küstenmeer bis zur Zwölf-Seemeilen-Zone, von der deutsch-dänischen Grenze über Helgoland bis in die Elbe. Darüber hinaus werden teilweise auch schutzpolizeiliche Aufgaben wahrgenommen.

Nachdem der Personalstand vor einigen Jahren bereits einmal reduziert worden war, hofft Revier-Chef Ingo Berger nun, dass die Wasserschutzpolizei Husum auch in Zukunft „arbeitsfähig“ bleiben wird. „Ich erwarte nicht, dass wir ungeschoren davonkommen, aber befürchte auch keinen Kahlschlag“, sagte er gestern. Zurzeit sind im Revier insgesamt 39 Beamte und vier Angestellte beschäftigt. Weil laut Berger personell nach wie vor „am Limit“ gearbeitet wird, kann die Fülle der Aufgaben nur mit großer Flexibilität und ständigem Personalmanagement bewältigt werden. „Man hilft sich untereinander, wie es an der Westküste üblich ist“, sagt Berger. Und: „Ich habe eines der bestens Teams hier.“

Dieses betreut immerhin 23 Häfen an der Westküste, darunter 13 mit internationalem Verkehr, die aufgrund des Anschlags in New York im Jahr 2001 gesondert geschützt werden müssen. Außerdem laufen jährlich 30 Kreuzfahrtschiffe die Westküste an. Je sechs Mann Besatzung sind mit den beiden Küstenbooten „Sylt“ und „Helgoland“ unterwegs und kontrollieren rund 100 an der Westküste beheimatete Fischereifahrzeuge sowie die Gewässer. Zudem gibt Jahr für Jahr rund 100 Veranstaltungen im Bereich der Häfen, die überwacht werden müssen.

An diesen Fakten wird auch die Arbeitsgruppe bei ihren Einspar-Überlegungen nicht vorbeikommen. Da ist Revier-Chef Ingo Berger zuversichtlich. Und: „Ich glaube, wir haben mit Minister Breitner einen Verbündeten für die Polizei“, resümierte er. Da war Breitner aber schon zum nächsten Termin unterwegs.

Revier mit vier Stationen



Zum für die gesamte Westküste zuständigen Wasserschutzpolizeirevier Husum gehören vier Stationen auf Sylt, Föhr, Büsum und Helgoland. Die beiden seegehenden Küstenboote „Sylt“ mit Standort Husum und „Helgoland“ mit Standort Büsum sichern mit Streifenfahrten den Schiffsverkehr in der Deutschen Bucht. Für Eider, Treene und Sorge stehen kleinere Einsatzboote zur Verfügung. Betreut werden neben 23 Häfen auch die Anlagen für Sportboote mit mehr als 2800 Liegeplätzen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen