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Katinger Watt : Wasserbüffel als Naturschützer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zehn der hierzulande seltenen Vierbeiner helfen im Katinger Watt beim Erhalt der Lebensräume für Wiesenvögel.

Die Globalisierung macht auch beim Naturschutz nicht halt. Im Katinger Watt helfen italienische Wasserbüffel dem Naturschutzbund jetzt dabei, Lebensräume für Wiesenvögel zu erhalten. Ursprünglich stammen die Rinder aus Asien. „Die grunzen wie Schweine. Die stinken auch so“, lacht Bärbel Feddersen. Das klingt erst einmal gar nicht so nett, aber die Bäuerin aus Immenstedt liebt ihre Wasserbüffel – Laura und Lena ebenso wie Klaus und Kurt oder Franz und Franzi. Zusammen mit ihrem Mann Arno besitzt sie inzwischen 17 der hierzulande seltenen Vierbeiner. Vor zehn Jahren entdeckte sie die Rinderart als Schülerin der Höheren Landbauschule bei einem Ausflug nach Italien.

Es stimmt übrigens: Auf der Weide vernimmt man eher ein Oink statt einem Muh. Ein Teil der Herde grast seit Mitte Mai im Naturschutzgebiet Katinger Watt – einer gewässerreichen Landschaft, die prädestiniert ist für die Tiere, die als gute Schwimmer gelten und sogar tauchen können, wie ihre Besitzerin beobachtet hat. 40 Hektar Weidefläche stehen den Wasserbüffeln dort zur Verfügung – Bedingungen, die in der Viehhaltung ihresgleichen suchen.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kümmert sich in der Eidermündung seit Jahrzehnten um die Schutzgebiete, in denen Wiesenvögel wie Säbelschnäbler und Kiebitz leben. Aber auch Gänse finden dort Nahrung. Damit das so bleibt, sollen die zehn Büffel die Gräser kurz halten und Verbuschung verhindern. Ob das gelingt, muss man erst noch sehen. Im Herbst kommen die Tiere in den Stall, dann wird man Bilanz ziehen.

„Wir experimentieren mit verschiedenen Rinderrassen“, erklärt Sibylle Stromberg, die Leiterin des Nabu-Naturzentrums Katingsiel. Im Katinger Watt haben schon Highlander gegrast, aber auch Schafe und Pferde. Aktuell gibt es dort auch noch Rouge-des-Prés-Rinder. Normale Stalltiere aus der intensiven Landwirtschaft seien für die Aufgabe dagegen ungeeignet, weil sie ganz anders gefüttert werden müssen.

Erforderlich sei zudem ein ausgeklügeltes Weidemanagement, sagt die Naturschützerin. So muss das Gebiet behutsam eingezäunt werden, sonst besteht die Gefahr, dass sich Vögel in den Absperrungen verfangen. Damit die Büffel in dem riesigen Weideareal nicht verwildern, brauchen sie regelmäßigen Kontakt zu einer Bezugsperson. Die Feddersens aus dem 40 Kilometer entfernten Immenstedt können das nicht selbst leisten. Hier kommt Monika Povel ins Spiel. Die Nabu-Ehrenamtliche ist die Betreuerin der zehn Rinder, „krault sie hinter dem Ohr“, wie sie selbst sagt.

Das Weideprojekt, das im nächsten Jahr fortgesetzt werden soll, ist das, was man neudeutsch eine Win-Win-Situation nennt. Denn der Aufenthalt in der „Sommerfrische“ (Povel) kommt natürlich auch den robusten Rindern und damit ihren Besitzern zugute.

Die Landwirtsfamilie hat mit den Wasserbüffeln Großes vor. Man könnte ihr zartes Fleisch, das als wohlschmeckend gilt, vermarkten. Doch die Feddersens, die auch 120 „normale“ Milchkühe halten, wollen aus der Büffelmilch das herstellen, wofür sie bekannt ist: Mozzarella-Käse. Im kommenden Jahr soll es so weit sein. Bis dahin wird noch ein wenig ausprobiert, müssen noch einige Behördenauflagen erfüllt werden.

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