Pappel im Husumer Gewerbegebiet gefällt : Wasser tropfte bereits aus dem Baum

Mehr als 30 Meter hoch war die kranke Pappel, die im Industriegebiet gefällt werden musste.
Mehr als 30 Meter hoch war die kranke Pappel, die im Industriegebiet gefällt werden musste.

Die Mitarbeiter des Kommunalen Service-Betriebs Husum fällten eine kranke Pappel im Industriegebiet – und wurden dafür von Autofahrern auch noch bepöbelt.

shz.de von
24. Januar 2015, 12:00 Uhr

Husum | Mit einem gewaltigen Rums kracht die mehr als 30 Meter hohe Pappel zu Boden. Der Baum, der sich zirka einen halben Meter über der Wurzel geteilt hatte, gefährdete die Sicherheit. Deshalb brachten ihn Mitarbeiter des Kommunalen Service-Betriebes (KSH) im Auftrag des Bauamtes zu Fall. Um auch die Aktion abzusichern, musste der Kreuzungsbereich zwischen Marienhofweg, Industriestraße und der Straße Am Schulwald mehrmals komplett gesperrt werden.

„Die Pappel dürfte so zwischen acht und zehn Tonnen wiegen“, schätzt KSH-Teamleiter Dirk Dibbern. Kein Wunder, dass die Erde in der unmittelbaren Umgebung vibrierte, als auf dem Boden aufschlug. „Wir hatten diesen Riesen schon länger im Visier“, erklärt Dibberns Team-Kollege Thomas Leißner. Immer wieder musste der KSH ausrücken, um tote Äste aus der Baumkrone zu entfernen oder herauszuschneiden. Nach den Stürmen „Christian“ und „Xaver“ rückte die Pappel dann noch stärker in den Fokus des Bauamtes. „Danach haben wir sie nochmals ausgiebig untersucht und festgestellt, dass das Innere des Baumes bereits zu faulen begonnen hat“, sagt Klaus Lorenzen, Leiter der Tiefbauabteilung. Außerdem trat aus dem Probe-Bohrloch regelmäßig Wasser aus. „Ein eindeutiges Warnsignal, das zeigt, dass sich das Wasser im Inneren bereits angestaut und den Fäulnisprozess unwiderruflich vorangetrieben hat“, so Lorenzen.

Am Ende musste daher auch die zweite Pappel mit fast 40 Metern Höhe heruntergenommen werden. „Von beiden ging eine erhebliche Verkehrsgefährdung aus“, erklärt der Mann vom Bauamt.

Vor Ort waren die KSH-Mitarbeiter aber noch einer ganz anderen, unerwarteten Gefährdung ausgesetzt. Einige Autofahrer hatten für die Vollsperrung – trotz Ausschilderung und geringfügiger Umwege – nicht den Hauch von Verständnis. „In einigen Fällen wurden wir angeschrien und aufgefordert, den Weg frei zu machen“, berichten sie. Ein Verkehrsteilnehmer umkurvte die Absperrung just in dem Moment, als der Baum zu fallen begann.

Nach Klaus Lorenzens Erfahrungen ist das leider kein Einzelfall. „Ob bei Baumfällaktionen oder Asphaltierungsarbeiten – immer wieder haben wir es mit unbelehrbaren und rücksichtslosen Autofahrern zu tun.“ Dabei gehe es doch nur darum, die Sicherheit aller Beteiligten, also auch des Straßenverkehrs zu gewährleisten.

Hierfür zu sorgen ist übrigens nicht nur Aufgabe der Stadt, sondern auch die der Eigentümer, auf deren Grundstücken kranke oder beschädigte Bäume stehen. „Im Marienhofweg gibt es noch zwei weitere Pappeln auf Privatgrund“, sagt Lorenzen. „Und eine von ihnen wird auf jeden Fall entfernt werden müssen.“ Der Eigentümer sei davon auch schon unterrichtet worden.

„Wir kommen erst dann ins Spiel, wenn dieser sich nicht kümmert und von dem Baum   eine unmittelbare Gefahr ausgeht“, fährt der Mann aus dem Bauamt fort. In solchen Fällen veranlasst die Stadt eine Fällaktion. Und das kann für den Eigentümer ganz schön teuer werden. „Ein noch größeres Problem bekommt er allerdings dann, wenn kranke oder tote Baum Unfälle verursachen und dadurch Menschen verletzt werden“, macht Thomas Leißner deutlich.

Tags zuvor hatte der KSH schon in der Siedlung zwischen Marienhofweg und Flensburger Chaussee sechs Bäume gefällt. Die waren bereits vor längerer von einem Gutachter inspiziert und für zu groß befunden worden. In den kommenden Jahren würden in diesem Bereich weitere Bäume entfernt, kündigt Lorenzen unter Hinweis auf einen Beschluss des Umwelt- und Planungsausschusses an. Zugleich machte er deutlich, „dass sämtliche gefällten Bäume ersetzt würden. „In diesen Prozess sollen auch die Anlieger einbezogen werden.“ Dabei geht es auch um die Frage, welche Baumsorten neu gepflanzt werden.

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