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Watten-Fährlinien Husum : Wasser-Taxi will alle Inseln und Halligen anfahren

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Katamaran „Liinsand“ mit Heimathafen Husum bietet flexible Verbindungen ins Wattenmeer – und fährt mit modernem Hybrid-Antrieb.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 09:00 Uhr

Eigner und Entwickler wollen Details am liebsten noch unter der Decke halten, doch die Bewohner der Halligwelt schießen bereits die ersten Fotos vom Erlkönig zur See. Für Aufsehen sorgt die „Liinsand“, die von ihrem Heimathafen Husum aus als Watten-Taxi täglich eine Runde zu Halligen und Inseln bis hinauf nach Sylt drehen soll.

Sowohl das geschäftliche als auch das technische Konzept des Unternehmens Watten-Fährlinien sind neu. So wollen die Betreiber neben einer Rundfahrt zu allen Eilanden auch nach Bedarf fahren – ähnlich einem Rufbus oder Sammeltaxi an Land. Und mit dem Heimathafen Husum wird erstmals die nordfriesische Kreisstadt wieder zum Ausgangspunkt für regelmäßige Fahrten zu den Zielen im Wattenmeer. Das Unternehmen nennt auch schon Preise: Eine Tour von Dagebüll nach Föhr soll für acht Euro zu haben sein. Husum – Pellworm gibt es für 23 Euro.

Da die „Liinsand“ ein Taxi ist, berechnet sich der Fahrpreis nach der Streckenlänge, die mitgefahren wird. Kalender werden feste Touren, freie Termine und freie Plätze ausweisen. Selbst Zwischenstopps können abgesprochen werden. Zielgruppen sind alle, die zwischen dem Festland und den Inseln pendeln wollen, aber auch Festgesellschaften und Reisegruppen.

Neue Perspektive für Pendler

Gerade Berufspendlern werden sich damit neue Perspektiven bieten. Grenzen setzt nur das Platzangebot an Bord, das auf 50 Passagiere und 15 Fahrräder ausgelegt ist. Auch die öffentliche Diskussion über den Transport von Kranken oder Schwangeren bekommt eine neue Dimension. Gestern stand noch nicht fest, wann der Betrieb aufgenommen werden kann, da zurzeit noch Probefahrten stattfinden, um die Technik ausgiebig zu testen. Punkten wollen die Betreiber nämlich vor allem mit dem Antriebskonzept ihres Schiffes. Es ist ein Hybride (Diesel /Elektro) und soll die Häfen leise und emissionsfrei im Elektro-Modus anfahren. Auf See beschleunigen Dieselmotoren mit Abgasreinigung das Watten-Taxi auf 16 Knoten.

Damit werden Erinnerungen geweckt an die Versuche des Schiffbau-Ingenieurs Dirk Lehmann und des Geschäftsführers Henning Kuhlmann vor fünf Jahren, auf den Fährlinien Dagebüll-Föhr-Amrum Fuß zu fassen. Sie wollten ihr Schiff mit einem von Becker Marine Systems entwickelten Hybrid-Antrieb ausrüsten, bei dem Flüssiggas und Elektromotor verwendet werden. Sie zogen sich allerdings zurück, weil sich rechtlich keine Einigung mit anderen Anbietern über die gemeinsame Nutzung der Terminals erzielen ließ. Becker Marine Systems hat nach Informationen der Husumer Nachrichten auch das neue Konzept für das Watten-Taxi entwickelt.

Wettbewerber reagieren gelassen

Die Wettbewerber im Fahrgast-Geschäft vor Nordfrieslands Küste reagieren gelassen. „Wir kommentieren Projekte anderer nicht“, sagt Frederik Erdmann, der bei der Wyker Dampfschiffs-Reederei für die Bereiche Sicherheit, Umwelt und Qualität verantwortlich ist. Er spricht stattdessen davon, dass sein Haus in Kürze einen Katamaran in Auftrag geben will. Das werde allerdings als „schnelles Fahrgastschiff und nicht als Taxi“ eingeplant und im Sommer 250 und im Winter 150 Passagiere aufnehmen können. „Da stehen wir kurz vor der Erteilung des Bauauftrages.“ Eingesetzt werde das Schiff auf der Linie Föhr-Amrum sowie zwischen den Halligen, außerdem stehe es für Ausflüge, Charter- und Sonderfahrten bereit. „Die Angebote werden aber die anderer Reedereien nicht berühren, sondern ergänzen.“ Außerdem stehe eine weitere Doppelendfähre kurz vor der Inbetriebnahme. Als Treibstoff werde bei beiden – wie bei allen anderen der WDR-Flotte – Marine-Diesel getankt. Unter Verweis auf die Diskussionen in Kreuzfahrer-Häfen betont Erdmann, dass in den Häfen „grüner Landstrom“ eingesetzt werde – entweder von Föhrer Windkraftanlagen oder von Wasserkraftwerken im Schwarzwald.

„Grundsätzlich offen“ steht die Reederei Adler-Schiffe dem neuen Angebot gegenüber, wie deren Sprecherin Juliane Nissen-Hünding sagt. „Vielleicht ergeben sich ja sogar Synergieeffekte und Kooperationen, wer weiß – und ein gesunder Wettbewerb trägt immer dazu bei, besser zu werden.“

Alle Adler-Schiffe fahren mit Diesel, wie man ihn von der Straße kennt. Sie würden damit einen niedrigen Emissionswert aufweisen. „Ein Hybride ist natürlich eine tolle Sache, und auch wir loten immer Weiterentwicklungen aus und beschäftigen uns mit innovativen Neukonzeptionen. Jedoch sind unsererseits erst einmal keine Neubauten geplant.“

„Gespannt abwarten“ will Sven Frener, Geschäftsführer der Neuen Pellwormer Dampfschiffahrts GmbH. „Wenn wir einen Neubau planen, fließen solche Gedanken zumindest mit ein.“ Ob neue Antriebskonzepte am Ende realisiert werden, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Frener vermutet, dass die Fahrten teurer und nicht fest planbar seien. Außerdem sei der Pellwormer Hafen nicht tidefrei anzufahren. Aber auch er denkt an Kooperation statt Konfrontation mit dem neuen Wettbewerber. Selbst wenn die Watten Fährlinien mit ihrem Wasser-Taxi Gruppen abgreifen sollten, „fehlt wahrscheinlich ein Bus, um die Gruppe auf Pellworm zu befördern – den könnten wir dann stellen“.

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