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Husumer Nachrichten

23. Oktober 2017 | 06:59 Uhr

Was tut man nicht alles für ein gutes Foto

vom

Die Husumer Hafentage können sich sehen lassen - erst recht aus der Vogelperspektive

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Husum | Es geht auf Mitternacht zu, aber auf der Bunten Meile ist noch immer ordentlich was los. Wer es eilig hat, sucht sich einen anderen Weg. Aber von Eile ist hier keine Spur. Im Gegenteil: Während von der Volksbank-Bühne fetzige Rock-Rhythmen auf die Menge herunterprasseln und einige Meilenstiefler noch mal richtig in Wallung bringen, stehen andere in Grüppchen zusammen, klönen oder genießen einfach nur den Abend.

Szenenwechsel: Mit dem Fahrstuhl geht es in schwer kalkulierbarem Tempo nach oben. Für drei Leute ist es in dem stählernen Käfig ganz schön eng. Fünf Stockwerke werden angezeigt, aber gefühlt sind es fünf Mal so viele. Mit sanftem Ruck kommt der Fahrstuhl zu Stehen. Aber ganz oben sind wir noch immer nicht. Die letzte Etappe führt über eine steile Wendeltreppe mit schmalen Betonstufen. Mit der Taschenlampe tasten wir uns an einer Lüftungsanlage vorbei auf eine unscheinbare Tür zu.

Als wir diese zaghaft öffnen, übernimmt eine Windbö die Regie. Wir haben Mühe, die Klinke festzuhalten. Behutsam tasten wir uns Schritt für Schritt voran und bemerken erst jetzt, wie nah die Tür dem Abgrund ist. "Da gehts rund 60 Meter steil bergab", sagt Kapitän Michael Hinz von ATR-Landhandel, ohne den wir hier oben - auf dem Dach des firmeneigenen Getreidesilos - gar nicht sein dürften.

Während wir über den federnden Holzfußboden auf die Dachmitte zusteuern, gewöhnen sich unsere Augen nach und nach an die Dunkelheit. Zur Belohnung gibt es Husum im Lichterglanz - und das nicht erst zur Weihnachtszeit, sondern hier und jetzt, mitten im Sommer. Aus dieser Höhe betrachtet, gleicht die Stadt einer Modelleisenbahn-Landschaft. Und als hätte ein Lokführer unsere Gedanken erraten, rollt tief unten die Lichterkette eines Zuges vorbei.

Das Riesenrad auf dem Marktplatz steht zwar schon eine Weile still, erhebt sich aber immer noch strahlend über die Dächer der Stadt. Gleich müsste die Lasershow beginnen. Abend für Abend kündigt sie den Besuchern an, wann es Zeit wird, nach Hause zu gehen. Meldepflichtig spannen die Laser ein Netz aus Licht über Häuserzeilen und Hafenbecken - nicht ganz so spektakulär wie erhofft, aber das ist nicht weiter schlimm. Auch so zeigt sich unsere Stadt von ihrer schönsten Seite.

Lass die anderen mal ruhig nach Hause gehen. Hier oben gibt es keine Öffnungszeiten. So bleiben wir noch ein bisschen und schlottern im Wind vor uns hin. Aber was tut man nicht alles für ein gutes Foto von den Hafentagen?

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