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Pellwormer in Sorge : Was ist, wenn der Arzt geht?

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Inselarzt geht bald in den Ruhestand. Noch ist nicht geklärt, wie danach die medizinische Versorgung der Bewohner und ihrer Urlaubsgäste gesichert werden soll. Der Mediziner selbst mahnt zur Eile, damit eine Lösung gefunden wird.

Der Ortskulturring bot Dr. Uwe Kurzke im Anton-Heimreich-Haus eine Bühne, seine Sorgen um die künftige medizinische Versorgung auf der Insel vorzutragen. Wie wird es weitergehen, wenn der Inselarzt in den Ruhestand geht? Dr. Uwe Kurzke ist über 60 und sorgt sich ebenso wie die Insulaner.

Der Mangel an Allgemeinmedizinern, die nachlassende Bereitschaft, abseits der Ballungsgebiete tätig zu sein, gar auf einer Insel oder Hallig, die wirtschaftlichen Prognosen für ländliche Regionen, die veränderten persönlichen und familiären Ansprüche junger Ärzte und die Auflagen im Gesundheitssystem zwingen zum politischen Handeln, machte Dr. Kurzke deutlich.


Inseldoktor geht bald in Rente


Seiner Meiung nach gibt es vier Möglichkeiten, um die Probleme auf der Insel mehr oder minder zufriedenstellend zu lösen. Einen Nachfolger zu finden, der im gleichen Umfang tätig wird wie der jetzige Inselarzt, sei schwierig, zumal offen sei, ob der eine Zulassung bekäme, denn Pellworm ist rein rechnerisch medizinisch überversorgt, und das zu 190 Prozent. Eine weitere Möglichkeit wäre die Fortführung als „Zweigpraxis“ – vorausgesetzt, eine Vertragspraxis auf dem Festland würde dieAnlaufstelle auf der Insel übernehmen. Eine Rundumversorgung wie bisher dürfte dabei allerdings auf der Strecke bleiben. Eine weitere Alternative könnte es sein, die ärztliche Versorgung auf zwei Ärzte zu verteilen, die sich die zu besetzende Stelle teilen. Dass der Arbeitsplatz möglichst attraktiv angeboten werden kann, wäre mit der vierten Option zu erreichen. „Integrierte Versorgung auf Pellworm“ heißt das Zauberwort, mit dem die Probleme in der Zukunft bewältigt werden könnten. Alle am Gesundheitssystem Beteiligten – Hausarzt, Facharzt, Notarzt, Krankenhaus, Rettungsdienst, mobiler Pflegedienst, Sozialstation, Physiotherapeuten, Kurmittelhaus, DRK-Landes-, Kreis - und Ortsverband, Kassenärztliche Vereinigung – müssten sich vernetzen und unter einer Leitung selbstverantwortlich agieren. Der Preis dafür: Alle Beteiligten müssten persönliche Befindlichkeiten unterordnen.

Gehandelt werden müsse jetzt, und zwar mit aller Konsequenz und mit politischem Druck, betonte der Mediziner.

Die Verantwortung für die medizinische Versorgung liegt bei der Kassenärztlichen Vereinigung, mit der die Gemeinde im Gespräch ist. „Wir unterstützen alle Vorschläge der Entscheidungsträger, Hauptsache, es geschieht etwas“, sagte Bürgermeister Jürgen Feddersen auf Nachfrage der HN. Der Erfolg aller Bemühungen werde davon abhängen, die Verantwortlichen zu überzeugen, dass die medizinische Versorgungsplanung für Pellworm nicht mit Sylt und Föhr zu vergleichen sei. Von einem Versorgungsgrad über 190 Prozent könne keine Rede sein, wenn ein Arzt für 1200 Einwohner und einer unterschiedlich hohen Anzahl Feriengäste – Pellworm hält 1900 Gästebetten vor – an 365 Tagen rund um die Uhr täglich zuständig ist.

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