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Medizinische Versorgung in Husum : Warten, bis der Arzt kommt - Umfrage bei Hausärzten und Fachärzten und bei der Kassenärztlichen Vereinigung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wie gut ist es in der Storm-Stadt mit der medizinischen Versorgung bestellt? Wir haben nachgefragt.

von
erstellt am 18.Okt.2017 | 14:00 Uhr

Termine gibt es oft nur auf lange Sicht, die Wartezimmer sind überfüllt und bis sich die Tür zum Behandlungsraum öffnet, dauert es gefühlt Stunden – wer kennt solche Arztbesuche nicht. Aber wie sieht es mit der medizinischen Versorgung in der Storm-Stadt tatsächlich aus?

„Der Ärztebedarf richtet sich nach der Zahl der Einwohner in einem Planungsbereich“, erläutert Marco Dethlefsen, der Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein, die gesetzlichen Vorgaben. „Bei den Hausärzten sind das sogenannte Mittelbereiche, bei Fachärzten die Kreise. Das Gesetz sieht vor, dass ein Hausarzt im Durchschnitt in der Regel 1671 Einwohner versorgen soll.“

Bei den Hausärzten liegt der Mittelbereich Husum mit einem Versorgungsgrad von 87,7 Prozent weit unter dem angestrebten Wert von 110 Prozent. Elf Stellen sind hier nicht besetzt. „Wir arbeiten bei uns praktisch das Pensum von 1,8 Praxen weg“, klagt ein Husumer Allgemeinmediziner, der ungenannt bleiben will. „Entweder man nimmt gar keine Patienten mehr an oder versucht, sich durchzulavieren.“ Seine Praxis habe einen Aufnahmestopp. „Aber Notfälle versorgen wir trotzdem.“ Das werde bei Husums Hausärzten nicht überall so gehandhabt: „Manche schicken auch die wieder weg.“ Notfälle, so der Mediziner weiter, würden in seiner Praxis auch sofort behandelt. „Reguläre Termine bekommt ein Patient innerhalb von ein bis zwei Wochen, bei akuten Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Werktagen.“

Für die Unterversorgung macht er mehrere Faktoren verantwortlich: „Zunächst einmal müsste die Budgetierung beendet und die Praxen nach den tatsächlich behandelten Fällen bezahlt werden.“ Es könne nicht angehen, dass es ab einer bestimmten Anzahl Patienten kein Geld mehr von den Kassen für die Behandlung gebe und die Ärzte sozusagen ohne Bezahlung weiterarbeiten müssten. „Und die Bürokratie müsste dringend abgebaut werden“, moniert er. „Die Zeit, in der wir mit Papier beschäftigt sind, nimmt ständig zu.“ Dies sei ein Problem der Gesetzgebung: „Dass wir uns mehr mit den Patienten befassen statt mit Formularen, scheint nicht der politische Wille zu sein.“

Was nicht gerade motivierend für den ärztlichen Nachwuchs ist, sich als Allgemeinmediziner niederzulassen. Wobei das in dieser Sparte möglich und gewünscht wäre: Ein Planungsbereich ist erst für Neuzulassungen gesperrt, wenn die Dichte einer Fachgruppe mehr als 110 Prozent erreicht, so KV-Sprecher Dethlefsen. „Dann gilt ein Zulassungsstopp wegen Überversorgung. Ärzte können sich dort nur dann neu niederlassen oder angestellt werden, wenn der Versorgungsgrad wieder unter diese Marke fällt, wenn zum Beispiel Plätze frei werden. Dann sind so viele Neuzulassungen möglich, bis die 110-Prozent-Grenze wieder überschritten ist.“

Blickt man unter diesem Aspekt auf die Fachärzte im Kreis Nordfriesland, steht der gar nicht mal schlecht da. Zum Beispiel bei den Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, die im Kreis auf einen Versorgungsgrad von 115,2 Prozent kommen. Was sechs Stellen entspricht, drei davon allein in Husum. Einer davon ist Dr. Andreas Gerken. „Statistisch ist dieser Versorgungsbereich eigentlich ausreichend abgesichert“, sagt er. Allerdings sei die Patientenverteilung nicht gleichmäßig, manche hätten mehr Zulauf und andere weniger. Seine Praxis habe dennoch keinen Aufnahmestopp, auch wenn er dadurch weit über sein Budget hinausschieße: „Ich lege sehr viel Wert darauf, Kinder zu behandeln, die werden bei mir nie abgewiesen und zählen sozusagen automatisch als Notfälle“, so Dr. Gerken.

Termine bekämen seine Patienten innerhalb von zwei bis vier Wochen. „Aber wer genug Zeit mitbringt, kann sich auch ohne Termin ins Wartezimmer setzen. Muss nur halt abwarten, Termin-Patienten gehen vor.“ Und Notfälle würden selbstverständlich dazwischen geschoben.

Auch bei den Frauenärzten ist die Quote erfüllt, wenn auch mit 110,2 Prozent denkbar knapp. „Numerisch sind wir genug, aber wir könnten in Husum gut noch einen weiteren Gynäkologen gebrauchen“, sagt Dr. Barbara Dalmer. Subjektiv sei die Nachfrage gestiegen. „Und die Altersstruktur in diesem Bereich ist auch problematisch. Wir fahren da an die Wand.“ Auch ihre Praxis habe einen Aufnahmestopp, aber ein gewisses Kontingent werde am Anfang eines Quartals dennoch angenommen. Die Wartezeiten in ihrer Praxis seien sehr unterschiedlich: „Notfälle werden immer dazwischen geschoben. Und für Patienten mit schweren Diagnosen nehme ich mir natürlich Zeit, das muss einfach so sein.“

Zumindest im Bereich der Augenärzte sieht die Lage in Husum nicht schlecht aus. „Wir sind hier fünf plus einer in Teilzeit“, sagt Ludger Balster. Einen Aufnahmestopp gebe es bei ihm nicht, und Termine bekämen Patienten innerhalb von vier Wochen.

Bleibt mit den Orthopäden der einzige Fachbereich, der mit einem Versorgungsgrad von 99,3 Prozent in Nordfriesland unterrepräsentiert ist. „Im Kreis ist daher ein weiterer Sitz ausgeschrieben“, so Dr. Rainer Korth. Mangel sieht er in Husum in diesem Bereich jedoch keinen: „Mit drei Kassen- und drei Privatärzten sind wir in der Stadt ausreichend versorgt“, sagt er. Einen Aufnahmestopp gibt es daher auch bei ihm nicht. Nur müssen neue Patienten sechs bis acht Wochen auf einen Termin warten.

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