Nahwärme für Seeth : Warten auf die Fördergelder

Wenn sich die Pläne realisieren lassen, dann können die Einwohner von Seeth viel Geld für das Heizen sparen.
Wenn sich die Pläne realisieren lassen, dann können die Einwohner von Seeth viel Geld für das Heizen sparen.

Eine Genossenschaft in Seeth will das ganze Dorf mit Nahwärme versorgen: Die Machbarkeitsstudie liegt bereits vor. Jetzt warten die Seether auf das Land, denn es muss noch über die Zuschusshöhe entscheiden.

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19. Mai 2015, 07:00 Uhr

Eigentlich könnte die kleine Gemeinde Seeth schon längst dem Ziel der Bundesregierung, der Energiewende, ein ganzes Stückchen näher gekommen sein, denn schließlich wird dort seit nunmehr fast zweieinhalb Jahren an einem Nahwärmekonzept gearbeitet. Mittlerweile gibt es auch die Energie Versorgung Seeth eG. Diese Genossenschaft plant eine Nahversorgung aufzubauen, von der nicht nur die Bürger, sondern auch die Umwelt profitieren würde. Im ersten Bauabschnitt sollen 70 von 185 Häusern angeschlossen werden. Im zweiten Abschnitt könnte die Zahl dann auf 110 steigen. Damit wären dann rund 60 Prozent der Haushalte im Dorf angeschlossen.

Den großen Vorteil sehen die Vorstandsmitglieder Deert Honnens und Udo Obst darin, dass dann nicht nur für die Mitglieder der Genossenschaft die Energiekosten drastisch sinken würden, sondern natürlich auch die Umwelt entlastet werde. Schließlich würden nicht mehr 110 Einzelheizungsanlagen ihre Abgase in die Luft blasen, sondern nur noch ein Blockheizkraftwerk. Dessen Abwärme würde die Häuser durch Rohrleitungen erreichen und der produzierte Strom könnte an einen Versorger verkauft werden.

Doch bislang, so beklagen Honnens und Obst, könnten die Planungen noch nicht in die Tat umgesetzt werden, obwohl eine Machbarkeitsstudie vorliegt, die 15.000 Euro gekostet hat. Davon übernahm die Gemeinde 12.000 Euro, den Rest steuerte die Genossenschaft bei. Allerdings warten Honnens, Obst und die weiteren Genossen noch auf konkrete Förderzusagen des Landes. Bereits im März des vergangenen Jahres wurde ein Antrag auf Fördermittel eingereicht. Bei Gesamt-Nettokosten von 1,095 Millionen Euro sollten eigentlich 50 Prozent aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) fließen, zusätzlich sollte auch der Topf des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Höhe von 279.000 Euro angezapft werden. Doch der Seether Genossenschaft wurde mitgeteilt, dass diese Mittel nur für Projekte mit hohem landespolitischen Interesse eingesetzt werden. Neue Recherchen und lange Verhandlungen zeigten schließlich, dass diese Mittel sehr wohl beantragt werden können, gerade für ein Projekt, wie es in Seeth geplant wird. Doch bis auf den heutigen Tag konnte das Land der EnergieVersorgung Seeth eG noch nicht mitteilen, wie hoch denn nun die Förderung sein wird. Doch dies, so Honnens und Obst übereinstimmend, sei sehr wichtig, zumal sich innerhalb des Gemeinderates langsam Stimmen häufen würden, die ein finanzielles Risiko für die Gemeinde sehen, wenn diese quasi für die Genossenschaft die notwendigen Kredite beantrage.

Udo Obst unterstreicht, dass allen Gemeindevertretern die Machbarkeitsstudie vorliege. Darin werde von einer Investitionssumme in Höhe von 2,325 Millionen Euro ausgegangen, die als Basis für den Antrag eines Landes-Zuschusses gilt. Demnach belaufe sich der Landeszuschuss auf 750.000 Euro, die BAFA-Förderung auf 477.700 Euro. Es bleiben 1,097 Millionen Euro an Fremdkapital. Dies entspricht 47 Prozent der Gesamtsumme, die von der Gemeinde Seeth aufgenommen werden müsste. Dieser Kredit werde allerdings von der Genossenschaft bedient und belaste nicht die Gemeindekasse. Da geplant sei, das Nahwärmenetz an die Genossenschaft zu verpachten, würden alle laufenden Kapitalkosten durch die EnergieVersorgung Seeth eG getragen, quasi durch die Einwohnerschaft.

Ohne im vergangenen Jahr Werbung für die Genossenschaft gemacht zu haben, hat sie mittlerweile gut 50 Mitglieder. Kein Wunder, denn schließlich zahlen die Genossen nach den Plänen lediglich 1000 Euro und erhalten dafür eine Fernwärmeanlage. Mögliche neuere Öl- oder Gaskessel könnten dann ausgebaut und noch verkauft werden. „Billiger und umweltfreundlicher lässt sich ein ganzes Dorf nicht mit Heizenergie versorgen“, sagen Honnens und Obst übereinstimmend.

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