Test dauert zwei Wochen : Warten auf die DNA-Analyse

Schafhalter machen sich Sorgen wegen der Wölfe im Land.
Schafhalter machen sich Sorgen wegen der Wölfe im Land.

Noch liegen dem Mildstedter Wolfsbetreuer Jens Hartwig keine DNA-Ergebnisse von den gerissenen Schafen in der Südermarsch vor. Das Ordnungsamt in Mildstedt verzeichnete bislang keine besorgten Anrufe von Schafhaltern.

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02. Mai 2015, 09:00 Uhr

„Bisher haben wir noch keine Anfragen von besorgten Schäfern und anderen Tierhaltern bei uns im Amt erhalten“, sagt Diana Meyer, Leiterin des Ordnungsamtes des Amtes Nordsee-Treene in Mildstedt. Dabei geistert das Thema Wolf seit Wochen durch die Medien. Auch im Bereich des südlichen Nordfrieslands könnte ein Wolf zugeschnappt haben (wir berichteten). In der 17. Kalenderwoche entdeckte nämlich der Schäfer Dirk Hansen auf seiner Koppel zwei tote Mutterschafe, denen die Kehle durchgebissen worden war.

Der regionale Wolfsbetreuer Jens Hartwig aus Mildstedt, der dort mehr als 13 Jahre lang Dienst als Polizist verrichtet hat, eilte daraufhin in die Südermarsch, besah sich die toten Tiere und entnahm zur Sicherheit Proben für einen DNA-Abgleich. Nun wartet er auf das Ergebnis. Schäfer hansen selbst ist allerdings davon überzeugt, dass es sich nicht um einen Wolf, sondern um wildernde Hunde gehandelt haben muss, denn seine Schafkoppel liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem beliebten Hundefreilauf.

Hartwig, der selbst begeisterter Jäger ist und unter anderem nach Schulungen in der Lausitz schließlich Wolfsbetreuer für den südlichen Bereich Nordfrieslands wurde, will sich zu dem Fall in der Südermarsch noch nicht weiter äußeren. „Erst wenn wir ein eindeutiges Ergebnis haben“, sagt er. Er war auch dieser Tage in der Nähe der Ortschaft Tielen im Einsatz. Dort fanden das Landwirtsehepaar Sabine und Frank Rahn im Kreis Schleswig-Flensburg am 25. April genau dort, wo die Sorge in die Eider fließt, auf ihrer Koppel drei tote Schafe und ein Lamm mit Halsbisswunden sowie ein bis auf Knochen und Fell komplett aufgefressenes Lamm. Auch dort wurden laut Hartwig DNA-Proben genommen. Allerdings dauert es rund zwei Wochen, bis sie ausgewertet sind, sagt der Wolfsbetreuer.

Um betroffene Tierhalter zu entschädigen, gibt es im Land die so genannte Wolfsrichtlinie, die seit gestern in neuer Fassung vorliegt. Durften bislang nach den Regeln der EU nur 7500 Euro als maximale Summe innerhalb von drei Jahren pro Betrieb gezahlt werden, da es sonst als illegale Beihilfe gilt, sind es nun 15  000 Euro. Entsprechend wurde die Finanzierungsrichtlinie in Schleswig-Holstein angepasst. Sollten Entschädigungszahlungen über die genannte Höchstsumme hinaus erforderlich sein, steht ein Fonds von Naturschutzverbänden bereit, der dann einspringt. Bislang war dies aber noch nicht erforderlich. Entschädigungszahlungen für nachgewiesene Wolfsrisse werden – wie bisher – im ganzen Land gezahlt. Zuschüsse für Schutzzäune werden derzeit nur im Kreis Herzogtum Lauenburg gewährt, weil dort schwerpunktmäßig Wölfe nachgewiesen wurden. Im restlichen Land ist nach dem bisherigen Erfahrungsstand eher mit durchwandernden Wölfen zu rechnen. Daher wird den Schäfern leihweise ein Herdenschutzpaket zur Verfügung gestellt, aber keine Zäune gefördert, heißt es auf Anfrage dazu aus dem Landwirtschafts- und Umweltministerium.

Gerd Voss vom Kastanienhof von Hohenlieth, der selbst einige Schaf hält, macht sich eigentlich keine großen Sorgen. „Für den einzelnen Tierhalter ist ein Wolfsangriff sehr, sehr ärgerlich, aber es gibt eine Entschädigung. Über die vielen durch wildernde Hunde gerissen Schade spricht kaum jemand, obwohl es dort keine Entschädigung gibt“, sagt er. Und dass die Jägerschaft den Wolf bejagen will, hält er für falsch. „Die kriegen ja nicht einmal die Wildschweine in den Griff, die richten viel mehr Schäden an.“

Janine Bruser, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Schafzüchter, sagt, dass eine Zunahme der Wolfsproblematik das Ende der Zucht im Land bedeute, denn langfristig könne kein Schafzüchter so etwas wie jüngst in der Nähe von Kiel (mit 52 toten Schafen) aushalten.

Über viele Jahrzehnte waren Wölfe in Schleswig-Holstein ausgestorben. Erstmals wurde 2007 wieder ein Tier gesichtet, seit 2012 gab es bislang 17 bestätigte Nachweise. Der Wolf ist eine streng geschützte Art nach Washingtoner Artenschutzabkommen, Berner Konvention und der europäischen Naturschutzrichtlinie (FFH-Richtlinie). Das Bundesnaturschutzgesetz schützt den Wolf und zählt ihn zu den besonders und streng geschützten Arten.



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