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Husumer Nachrichten

14. Dezember 2017 | 14:49 Uhr

Schwierige Geburt : Warten auf Berliner Lösung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

An einem Hilfskonzept wollen Politik und Verwaltung zusammen mit Nordfrieslands Hebammen arbeiten. Denn die sind aufgrund exorbitanter Versicherungsprämien in Not.

von
erstellt am 05.Aug.2014 | 13:00 Uhr

Allen nordfriesischen Kreistagsabgeordneten liegt es am Herzen, dass die Versorgung werdender Mütter über Hebammen inklusive der Geburtshilfe über diesen Berufsstand eine Zukunft in ihrer Region hat. Zudem ist das kreiseigene Klinikum Nordfriesland gesetzlich verpflichtet, solange Geburtshilfe zu den Leistungen gehört, Hebammen bei Entbindungen hinzuzuziehen. Das Thema stand zum wiederholten Mal auf der Tagesordnung. Denn der Vorsitzende des Arbeits- und Sozialausschusses, Carsten-F. Sörensen (SPD), musste im jüngsten Kreistag informieren, dass auf Bundesebene noch keine endgültige Regelung in Sachen Hebammen-Haftpflichtversicherung auf den Weg gebracht werden konnte.

In Nordfriesland gibt es insgesamt 22 Hebammen: Von ihnen sind elf in der Kreisklinik in Husum angestellt. Zur Gruppe der freiberuflichen Geburtshelferinnen gehören zurzeit sieben Hebammen, die selbstständig arbeiten, aber auch als sogenannte Beleg-Hebammen im Klinikum Nordfriesland an den Standorten Wyk und Niebüll. Vier Kolleginnen sind ausschließlich frei tätig.

Die Krux für die Freiberuflerinnen sind exorbitante Beitragssätze für diese Absicherung, ohne die keine Hebamme überhaupt tätig werden darf. Für seine Beleg-Hebammen fängt das Klinikum Nordfriesland laut Beschluss des Aufsichtsrates mit jeweils 850 Euro eine aktuelle Erhöhung der Prämie um 20 Prozent auf. Lag der Versicherungsbeitrag 2008 noch zwischen 200 und 400 Euro, ist die Summe nun auf rund 5000 Euro im Jahr gestiegen. Doch trotz dieser Unterstützung sowie einer Dienst- und Bereitschaftsvergütung klagen auch Nordfrieslands Beleg-Hebammen über eine nicht mehr auskömmliche Bezahlung, wenn nicht ein Drittel der Kosten der vollen Haftpflichtversicherungsprämie (Geburtshilfe sowie Vor- und Nachsorge) erstattet werden würde.

Für die Versicherer sind Entschädigungen, die im Fall von Schwerstbehinderungen immer im Millionenbereich liegen, das Argument für die immensen Beitragssätze. Die Situation verschärfte sich, nachdem die Nürnberger Versicherung mit Wirkung von 2015 an ihren Ausstieg aus dem Konsortium mit der Bayerischen Versicherungskammer und der R+V-Versicherung angekündigt hatte. Auf Druck von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat sich eine Gruppe von mehreren Versicherern bereit erklärt, die Hebammen aufzunehmen: Allerdings ist diese Maßnahme eine befristete und läuft nur bis 2016 – und das mit einem erneuten Anstieg der Haftpflichtsumme auf mehr als 6000 Euro. Demgegenüber steht laut Deutschem Hebammenverband ein durchschnittlicher Stundenlohn von 8,50 Euro. Wie es nach 2016 weitergeht, steht noch nicht fest. Erst einmal ist nur Zeit gewonnen für die Suche nach einer politischen Lösung.

Bereits 2010 und 2011 hatte der Kreistag einen Hilfsfonds mit insgesamt 20.000 Euro ausgestattet, um „seinen“ in der Geburtshilfe tätigen Hebammen mit einem Zuschuss zur Berufshaftpflichtversicherung zu helfen. Davon wurden 2010 rund 6000 Euro und 2011 rund 12. 000 Euro ausgezahlt. Für 2012 gab es weitere 10. 000 Euro: davon wurden mehr als 9000 Euro abgerufen. 2013 hoffte die nordfriesische Politik auf eine tragbare Entscheidung aus Berlin und startete keine Neuauflage des Hebammen-Fonds. Das Warten war vergebens. In diesem Jahr soll nun laut Mehrheitsbeschluss des Kreistages eine bereits aktiv gewordene Arbeitsgruppe zur Geburtshilfe ein Konzept vorlegen, wie eine Unterstützung der Hebammen im besten Fall aussehen könnte. In der Runde arbeiten Hebammen, Politiker und Fachleute aus der Verwaltung zusammen. Drei Rechenmodelle lagen bereits auf dem Tisch – ein Favorit war nicht dabei.

Insbesondere die weiblichen Abgeordneten hatten sich in der Diskussionsrunde zu Wort gemeldet. Gabriele Edlefsen von der Wählergemeinschaft Nordfriesland/Die Unabhängigen mit Blick nach Berlin: „Der Gesetzgeber muss in die Füße kommen.“ Birte Matthiesen (CDU): „Als dreifache Mutter weiß ich, wie wichtig es ist, eine Hebamme an seiner Seite zu haben. Ich mag mir nicht vorstellen, dass keine mehr zur Verfügung steht.“ Kerstin Mock-Hofeditz (Grüne): „Es ist eine bedenkliche Entwicklung. Die Geburtshäuser in Kiel und Flensburg sind schon geschlossen. Uns fehlt ein Konzept. Die Hebammen müssen sich einigen und uns sagen, wie es sein soll.“

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