Gewerkschaft warnt vor Billigfleisch : Warnung vor Billigfleisch: Gefahr für Arbeitsplätze

Fleisch immer billiger: Die Lebensmittel-Gewerkschaft NGG fordert faire Preise und Qualität.
Fleisch immer billiger: Die Lebensmittel-Gewerkschaft NGG fordert faire Preise und Qualität.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kämpft gegen Ramschpreise für Fleisch. Dadurch seien letztlich auch Arbeitsplätze bedroht.

shz.de von
02. August 2018, 09:00 Uhr

2,19 Euro für 600 Gramm Nackensteak? Mit Blick auf die Grillsaison im Kreis Nordfriesland warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vor Ramschpreisen beim Fleisch. Rabattschlachten in den Supermärkten gefährdeten nicht nur die Qualitätsstandards für Schwein, Rind und Geflügel. „Auch Jobs sind bedroht, wenn immer billiger und immer mehr produziert wird“, schreibt Finn Petersen von der NGG Schleswig-Holstein Nord unserer Zeitung. Nach Angaben der Arbeitsagentur sichere die Fleischverarbeitung rund 250 Arbeitsplätze im Kreisgebiet. Landesweit beschäftige die Branche knapp 4400 Menschen.

„Von der Aufzucht im Stall bis zur Zerlegung im Schlachtbetrieb – Fleisch ist in der Herstellung extrem aufwendig. Allein für ein Kilo Rindfleisch sind in der Produktion 15.000 Liter Wasser nötig“, macht Petersen deutlich. Das müsse sich aber auch am Preis zeigen. Statt auf das Billig-Prinzip zu setzen, sollten Discounter mit gutem Beispiel vorangehen und sich gemeinsam zu fairen Mindestpreisen bekennen. „Und auch Verbraucher haben die Wahl. Die Packung Bratwürste sollte dem Käufer schon mehr wert sein als ein Kilo Kartoffeln“, so Petersen.

Mit Sorge beobachte die NGG zugleich den Trend, dass Firmen in der Schlachtung und Fleischverarbeitung zu oft auf Niedriglöhne setzten. Auch dies habe direkt mit dem Preiskampf zu tun. „Häufig werden Subunternehmer aus dem Ausland engagiert, die ihren Beschäftigten teils sogar den Mindestlohn vorenthalten“, erklärt Petersen. Regelmäßig decke der Zoll organisierte Schwarzarbeit auf. Die NGG fordert deshalb verpflichtende Branchen-Standards: „Nur wer ausreichend qualifiziert ist, sollte schlachten und Fleisch zerlegen dürfen. Und diese anstrengenden Jobs müssen auch vernünftig bezahlt werden.“

Dabei ist der Hunger auf Fleisch auch außerhalb der Grillzeit ungebrochen groß. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aß jeder Deutsche zuletzt durchschnittlich gut 36 Kilogramm Schweinefleisch pro Jahr. Beim Geflügel waren es 12,5 und beim Rindfleisch 9,7 Kilogramm. Ein großer Teil des Fleisches stamme dabei aus heimischer Produktion. Allein in den schleswig-holsteinischen Mastbetrieben gibt es laut Statistischem Bundesamt 717.000 Schweine und 2,2 Millionen Hühner.

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