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Training im Hallenbad : Warmes Wasser und kein Wellengang

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Gleich drei Kanu-Vereine haben sich zusammengetan, um im Husumer Schwimmbad den Ernstfall zu trainieren. Unter anderem wollen sie die sogenannte Eskimorolle üben, mit der sich gekenterte Kajakfahrer wieder aufrichten.

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erstellt am 09.Feb.2016 | 15:30 Uhr

Die Welle trifft ihn völlig unvorbereitet. Für einen kurzen Augenblick hat Jan nicht aufgepasst – auf einer nahe gelegenen Sandbank nach Seehunden Ausschau gehalten. Jetzt bekommt er dafür sprichwörtlich die Quittung. Die Welle trifft ihn von der Seite und mit solcher Wucht, dass er sie nicht ausbalancieren kann. Jan verliert das Gleichgewicht und kentert. Alles um ihn herum versinkt in schlammigem Grau. Das Meerwasser gurgelt wie in einem gewaltigen Abflussrohr. Jan hängt kopfüber im Boot. Doch aussichtslos ist seine Situation nicht. Als erfahrener Paddler wuchtet er das Boot mit Hilfe des Paddels um die eigene Achse und richtet es wieder auf. Danach schüttelt er sich kurz und fährt weiter.

Eskimotieren, so nennen Kanuten das Wiederaufrichten eines Bootes, gehört für Kajakfahrer zum unerlässlichen Rüstzeug. Ohne diese Technik wären sie auf Flüssen, aber auch auf Seen und besonders auf dem offenen Meer verloren. Denn da kann man nicht mal eben aus- und wieder einsteigen.

Im Gegensatz zum Kanadier, der den Indianern in Nordamerika als Transportvehikel für Felle und andere Waren diente, handelt es sich beim Kajak um ein geschlossenes Boot, mit dem die Menschen des arktischen Nordens (Inuit) auf die Jagd gingen. Weil die Wassertemperatur in nördlichen Gewässern nur knapp über dem Gefrierpunkt liegen, brauchten die Eskimos (die ersten Europäer nannten die Ureinwohner so, weil sie sich in Ermangelung von Alternativen fast ausschließlich von Fleisch ernährten) eine Methode, mit der sie ein gekentertes Boot eigenständig aufrichten konnten.

Nach fünfjähriger Pause wird im Husum-Bad nun erstmals wieder der Ernstfall geprobt. Ausrichter des Kenter-Trainings sind die Kanu-Gemeinschaft Eiderstedt, der dänische Ejder-Viking-Klub in Friedrichstadt und die Kanusparte des Postsportvereins Heide. „Wir machen das, damit möglichst viele Leute auch im Winter in ihre Boote steigen“, sagt Trainer David Kuhnert von der Kanu-Gemeinschaft Eiderstedt. Von ihm stammt auch die Idee für dieses etwas andere Kanu-Training. Außerdem könne man unter idealen Bedingungen – „kein Wellengang, warmes Wasser, klare Sicht“ – Dinge ausprobieren, die während der Saison schwieriger sind, aber auf der Basis eingehenden Trainings – Paddler wissen, dass Wasser durchaus Balken hat, wenn man nur die Technik richtig beherrscht – unter freiem Himmel vertieft werden können. Geübt wird, wie Paddler bei Wind und Wetter in ihre Boote gelangen. Anfänger haben die Möglichkeit, stressfrei erste Paddelschläge einzuüben oder auszuprobieren, wie sie im Falle einer Kenterung die Spritzdecke lösen und sich aus dem Boot befreien können. Und Fortgeschrittene machen sich mit den verschiedenen Varianten der Eskimorolle vertraut. Bei den grönländischen Meisterschaften wurden nicht weniger als 35 verschiedene Formen der Eskimorolle demonstriert. „Das wollen wir auch machen“, sagt Kuhnert.

Dies alles ändert freilich nichts daran, dass draußen auf der Nordsee andere Bedingungen herrschen, „aber je besser die Handgriffe sitzen, desto sicherer sind unsere Paddler im Ernstfall“, betont Kuhnert. Und als erfahrener Paddler weiß er, wovon er redet. Los geht das Ganze am Sonnabend, 20. Februar, um 18.30 Uhr. Die Teilnehmer treffen sich im Eingangsbereich des Schwimmbades. Auch Externe können mitmachen. Um eine reibungslose Planung zu gewährleisten, wird um vorherige Anmeldung unter seekajakkuhnert@gmail.com gebeten.

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