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Streit mit der Kasse : War der „Komfort“ nur gefühlt?

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Heinz Lepinat kämpft darum, dass ihm die Krankenkasse Hörgeräte zugesteht, die ihm das Leben in der Vergangenheit leichter gemacht hatten. Jetzt klagt er vor dem Sozialgericht.

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erstellt am 19.Jun.2017 | 13:00 Uhr

Jeder Zweite über 70 Jahre ist hörgeschädigt, sagt der Deutsche Schwerhörigenbund. Betroffen ist auch Heinz Lepinat (70) aus Husum. Er ist links fast taub, rechts hochgradig schwerhörig, urteilten Ärzte schon 2009. Außerdem leidet der Husumer unter einem Tinnitus. Das sind Ohrgeräusche, die er empfindet, die aber keiner Quelle zugeordnet werden können.

Daher ist es ihm besonders wichtig, optimale Hörgeräte zu bekommen – und die am besten von seiner Krankenkasse bezahlen zu lassen. Doch das ist nicht so einfach, wie alle wissen, die schon einmal bessere Hilfsmittel als die gemeinhin Kassenmodelle genannten beantragt haben.

Heinz Lepinat hatte 2009 noch Glück. Seine damalige Krankenkasse, die er inzwischen aus hier unwichtigen Gründen verlassen hat, zahlt die höherwertigen Geräte im Wert von rund 5500 Euro. Als er 2015, also sechs Jahre später, Ersatz braucht, schreibt ihm seine neue Kasse, die Knappschaft Bahn See, dass sie nur 1431 Euro tragen wolle. Er legt sofort Widerspruch ein, fordert weitere Überprüfungen, bis sich sogar der Widerspruchsausschuss mit der Entscheidung der Verwaltung befasst. Lepinat klagt, nicht ausreichend versorgt zu sein. Seine Kritik: Die Hörhilfen seien schwieriger einzustellen, Gesprächen in Gruppen könne er nicht mehr folgen, Telefonate fallen schwer, Durchsagen auf Bahnhöfen könne er nicht mehr verstehen „und Musik klingt wie das Jaulen einer Katze“.

Die ablehnende Haltung der Knappschaft begründet deren Sprecher, Dr. Wolfgang Buschfort, so: Krankenkassen seien nicht verpflichtet, „Versicherten jede gewünschte, von ihnen für optimal gehaltene Versorgung zur Verfügung zu stellen“ und verweist dabei auf ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 24. Januar 2013. Ausgeschlossen seien Ansprüche auf teure Hilfsmittel, wenn eine kostengünstigere Variante die Nachteile ebenfalls ausgleichen könne. Ziele seien gutes Verständnis für Sprache, auch in Gruppen und bei Geräuschen in der Umgebung. Digitale Technik, mindestens drei Hörprogramme, mehrere Mikrofone und die Unterdrückung von Störschall und Rückkopplungen (Pfeifen) seien vertraglich zwischen der Bundesinnung der Akustiker und seiner Versicherung vereinbart.

„Sehr unterschiedlich“ würden Krankenkassen entscheiden, weiß Melanie Huß, Geschäftsführerin des Sozialverbandes, Kreisverband Nordfriesland, aus ihrer Beratungstätigkeit. Das sei aber vor allem dem Umstand geschuldet, dass es sich jeweils um Einzelfälle handle, denen unterschiedliche medizinische Sachverhalte zugrunde lägen. Sie verweist auf die „Beratungsrichtlinie zur Kostenübernahme bei Hörgeräten des Deutschen Schwerhörigenbundes“. Darin wird betont, dass Akustikern, Krankenkassen und Patienten mittlerweile der technologische Fortschritt in die Hände spiele. Digitale Geräte seien Standard, und sie verfügten über deutlich mehr Einstellmöglichkeiten als früher. Zusätzliche Leistungsmerkmale gebe es durchaus ohne Aufschläge. Bundesweit hätten sich die Akustiker verpflichtet, mindestens ein Gerät frei von einer Zuzahlung anzubieten.

Lebender Beweis für diese rasante Entwicklung ist Heinz Lepinat. Der ihn behandelnde Hörgeräte-Akustikermeister Thomas Grell, Firma Hallmann, kommt zu folgendem Schluss: „Messtechnisch ergab sich im Vergleich Altgeräte (2009) gegen jetzige Hörgeräte (2015) kein Unterschied.“ Er verstehe, dass sich Heinz Lepinat an den höheren Komfort der früheren Geräte gewöhnt habe – „und diesen vermisst er jetzt“.

Für Heinz Lepinat geht der Kampf um eine bessere Versorgung auf Kosten der Kasse weiter. „Ich bin um zwei Jahre vernünftiges Hören gebracht worden“, sagt er – und hat gerade Klage beim Sozialgericht in Schleswig eingereicht.


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