Mit neuem Programm : Wanderprediger Appelt begeistert

Die neue Show von Ingo Appelt, „Besser is besser“ kam sehr gut an.
Die neue Show von Ingo Appelt, „Besser is besser“ kam sehr gut an.

Die Tennishalle war zum Auftakt der 13. Bredstedter Comedy-Tage bis auf den letzten Platz gefüllt. Ingo Appelt präsentierte sein neues Programm „Besser is besser“, das Publikum in Bredstedt tobte vor Begeisterung.

shz.de von
11. Mai 2015, 13:30 Uhr

Will man einem Werbeslogan glauben, soll ja nichts unmöglich sein. Bei dem Comedian Ingo Appelt trifft das zu. Nichts ist ihm „heilig“ und eine Schmerzgrenze scheint es nicht zu geben. Doch das wissen seine Fans, sie lieben diese besondere Art von Humor. Wenn jemand scheinbar Unmögliches fast ausschließlich unterhalb der Gürtellinie von sich geben darf, so ist er es. Ja, er darf sogar beleidigen. Trotz frechen Mundwerks lässt er genügend Raum, um den Frauen zu huldigen. Einmal mehr bewies der Meister der Comedy am Auftakt-Abend der „13. Bredstedter Sparkassen Comedy-Tage 2015“ mit seinem neuen Programm „Besser is besser“, dass er es drauf hat. Die Veranstalter Niels Godt und Jens Iwersen, Inhaber der Gofi Veranstaltungsagentur, freuten sich. Die Tennishalle war bis auf den letzten Platz besetzt.

Der ebenso grandiose, wie rasante Auftritt des Profis mit Gags am laufenden Band versetzte das Publikum in Entzücken. Das bewies es immer wieder durch Lachsalven und Applaus-Attacken. Sollte m(M)an(n) – oder Frau – sich gar auch etwa selbst erkannt haben? Diese Frage könnte angesichts der selbst ernannten „Mission“ des „Wanderpredigers“ Appelt gestellt werden. Die hatte er bereits im vorangegangenen Erfolgsprogramm „Göttinnen“ gnadenlos durchgezogen. Nach dem Motto „Fortsetzung folgt auf den Fuß“ gab es manchen Aha-Effekt und den berühmten Wiedererkennungswert, vielleicht sogar für den einen oder anderen neue Selbsterkenntnisse. Auf Fragen und Ungereimtheiten des Lebens bot Appelt Antworten und Lösungsansätze. Vielleicht zeigte er sogar dem einen oder anderen den Weg zu einem besseren, zumindest beschwingteren, Leben.

Der selbsternannte „Konkursverwalter der Männlichkeit“ nahm sich der Themen an, an die sich andere nicht derart direkt herangewagt hätten. Beziehungsprobleme, Tabus, Kirche, Politiker, Sexualität, und allzu Menschliches kamen ungehemmt auf den Tisch des Hauses. Männliche Schwächen oder Eigenheiten, bekannt oder verheimlicht, von der Sprachlosigkeit bis hin zum „Wichsen“ oder „Ficken“, wurden ebenso besprochen, wie der Wandel im Rollenverständnis. Dass Männer nur ein Sprachzentrum haben, Frauen dagegen fünf, war manchem bisher nicht bekannt. Männer sind kräftig, aber kaputt und werden lediglich zu Dienstleistern degradiert. Sie sind gut beraten, wenn sie ihren Frauen Friedensangebote machen nach dem Motto „Schatz, Du hast ja recht“. Rückzug und Verzicht auf eigene Interessen wurden angeraten.

Die Politiker bekamen ebenfalls ihr Fett weg. Ob „Guidoline Schwesterwelle“ alias Ex-Minister Westerwelle mit seiner Homosexualität, oder Angela Merkel als „sexiest“ Kanzlerin, alle fanden ihren Platz im Comedy-Karussell. „Bundeswehr-Uschi“, Ursula von der Leyen, ließ er nicht ungeschoren davonkommen. Sie sei eigentlich immer noch Familienministerin, habe sie doch Kindersitze in Panzern einbauen lassen. Auch die Kirche durfte nicht fehlen. Der Papst wolle, so Appelt, Kondome in „begründeten Ausnahmefällen“ akzeptieren. Sollte das gar für „HIV-positive Ministranten“ gelten? Böse wie eh und jeh zog er selbst über Kollegen, wie Dieter Nuhr oder Michael Mittermaier, her. Mario Barth habe vor fast 100  000 Menschen im Olympia-Stadion gespielt. Hitler würde sich darüber neidvoll im Grab umdrehen. Auch die kombinierte Grönemeyer-Westernhagen-Lindenberg-Parodie war nicht von schlechten Eltern. Angesichts der dann folgenden „Nuschel-Nummer“ mit dem neuen Tatort-Kommissar Til Schweiger verblasste sie beinahe.

Besonders den Frauen gefiel Appelt als Pianoman, der sich durch filigran gesetzte Tonreihen förmlich in die Herzen hineinspielte. Sehr zur Freude der holden Weiblichkeit legte er auch noch einen Strip hin. Beim großen Meister ist eben fast nichts unmöglich.

Sponsoren des ersten Abends – neben der Hauptsponsorin, der Nord-Ostsee-Sparkasse – waren die Firmen Ellas, Jörg´s Hairshop sowie Hansen und Sohn. Dienstag geht es ab 20 Uhr in der Tennishalle mit Sascha Korf und seiner Comedy-Gala-Show weiter, bevor am Mittwoch (13.) die A-Capella-Gruppe „basta“ die Bühne betritt. Einlass ist jeweils ab 19 Uhr. Info: www.gofi-bredstedt.de.











BU:

Ingo Appelt, der Profi in Höchstform, nicht stubenrein, aber das liebt sein Publikum.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen