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Freude für Käfer und Co. : Waldrand wird der Natur übereignet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Landesforst ließ aus Sicherheitsgründen neben der B 201 den Randbereich des Ohrstedter Geheges auf einen Kilometer Länge absägen. Den Bäumen wurden teilweise nur die Kronen entfernt.

„Die Ersten, die bei mir vorsprachen, waren die Vertreter der Brennholz-Fraktion“, sagt Förster Claas Löhr-Dreier von der Försterei Idstedt-Wege. Er ist unter anderem auch zuständig für das Ohrstedter Gehege. Dieses Waldstück besteht immerhin aus rund 100 Hektar Naturwald. Schon seit einigen Jahren, beschreibt der Förster, sei in dem Wald jegliche forstwirtschaftliche Nutzung unterbunden. Nun allerdings gab es einen größeren Eingriff entlang der Bundesstraße 201.

Die Hauptstraße zwischen Husum und Schleswig durchschneidet das Ohrstedter Gehege. Die Waldränder entlang dieser Straße wurden jetzt auf rund einem Kilometer Länge bearbeitet. „Das sieht etwas ungewöhnlich aus, aber es dient letztendlich der Natur“, sagt der Förster. Beide Ränder wurden nämlich mit einer Spezialmaschine, die bislang im Land nur in Glücksburg/Ostsee zum Einsatz kam und nun in Scharbeutz Bäume fällt, bearbeitet. Dabei handelt es sich um ein Fahrzeug, das an einen Mobilkran erinnert. Jedoch statt eines Traghakens hat der Ausleger am Ende eine Greifklaue und eine klappbare Kettensäge. Baumstämme bis zu einer Dicke von 80 Zentimeter sind kein Problem. Die Maschine hat stattliche Buchen und Eichen in einer Höhe zwischen zwei und drei Metern Höhe abgesägt. Die Stämme und Kronen wurden im Wald abgelegt. Weder wird das Holz an sogenannte Selbstwerber (Brennholz-Säger) abgegeben, noch forstwirtschaftliche genutzt, es bleibt sich selbst überlassen. „Es kommt ausschließlich der Natur zu Gute“, sagt Löhe-Dreier. In den langsam verrottenden Stämmen sollen sich Insekten und Höhlenbrüter ansiedeln, das Totholz auf dem Boden dient ebenfalls zahlreichen Tieren und Pflanzen als Lebensgrundlage.

„Es sieht ungewohnt aus“, gesteht der Förster ein, „doch bereits im Frühjahr, wenn die Vegetation richtig loslegt, wird davon nicht mehr viel zu sehen sein.“ Übrigens wurden die Maßnahmen ausschließlich aus Verkehrssicherheitsgründen vorgenommen. Dazu wurde die Spezialmaschine angemietet, denn sie kann trotz des fließenden Verkehrs unmittelbar am Waldrand arbeiten. Lediglich eine halbseitige Fahrbahnsperrung war notwendig. „Wir haben am Waldrand die Bäume beseitigt, die eventuell auf die Straße hätten stürzen können. Nach dem Orkan Christian sind wir besonders sensibel geworden“, sagt der Förster. Und die stehen gebliebenen Baumstümpfe von bis zu drei Meter Höhe, würden langsam verrotten und beim Umstürzen dann auch nicht mehr die Fahrbahn erreichen. „Ich schätze mal, dass wir die nächsten zehn Jahre Ruhe haben werden.“

Claas Löhr-Dreier, der 2002 die Försterei Idstedt-Wege übernommen hat, ist seit 2013 auch für den Bereiche Ohrstedt-Gehege und die weiteren nordfriesischen Wälder Ostenfeld, Immenstedt und Lehmsiek zuständig. Er räumt ein, dass man sicherlich darüber diskutieren könne, ob ein naturnaher Waldrand an einer Bundesstraße wirklich Nutzen für die Natur bringe, doch handele es sich nun mal bereits seit Jahren um einen Naturwald.

Anwohner kritisierten gegenüber unserer Zeitung, dass im Rahmen der Arbeiten auch ein Wildschutzzaun abgebaut worden ist. Dazu Löhr-Dreier: „Es war im klassischen Sinn kein Wildschutzzaun, er sollte die Tiere von der Straße ableiten und über die Felder führen. Allerdings sei er jahrelang nicht mehr gepflegt worden. Die Jägerschaft habe einen neuen Zaun gefordert, doch einen bauen und pflegen, dass habe sie abgelehnt. Ausreichend Schutz vor Wildwechseln sieht der Förster in den blauen Reflektoren, die an den Leitpfosten befestigt sind. Untersuchungen hätten ergeben, dass das blau reflektierte Licht die Anzahl von Unfällen erheblich reduziert.

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erstellt am 05.Mär.2015 | 12:00 Uhr

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