Neue Aufforstung : Waldbesitzer starten durch

Hat den ersten großen Schock überwunden: Bernhard Petersen, Vorsitzender der Forstgenossenschaft Bohmstedt.
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Hat den ersten großen Schock überwunden: Bernhard Petersen, Vorsitzender der Forstgenossenschaft Bohmstedt.

Im Bohmstedter „Haaks“ legten die Herbststürme 8000 Festmeter Holz um. Die Forstgenossenschaft hat beschlossen, dass die kahlen Flächen wieder neu bepflanzt werden sollen. Aber bis dort wieder ein richtiger Wald steht, gehen Jahrzehnte ins Land.

shz.de von
04. Juni 2014, 15:00 Uhr

„Es ist ein Abschnitt und nicht das Ende“, meint Bernhard Petersen beim Gang durch den Bohmstedter Wald „Haaks“. Seit Herbst vergangenen Jahres, als die heftigen Stürme über Nordfriesland fegten, hat er wieder Mut gefasst. Bernhard Petersen ist Vorsitzender der Forstgenossenschaft Bohmstedt. Seiner Familie und 15 weiteren Familien gehört der 100 Hektar große Wald. „Als ich die Ausmaße sah, blutete mir das Herz. Nach dem ersten Schock stellte sich uns die Frage, wie es weitergehen wird“, blickt er zurück. Die Stürme brachten annähernd 8000 Festmeter Holz zu Fall und hinterließen ein Bild der Verwüstung. Weitestgehend wurde inzwischen kräftig aufgeräumt – dank Vollerntemaschinen innerhalb kürzester Zeit. Zum Vergleich: In den 1960er Jahren wütete schon einmal ein kräftiger Sturm und zerstörte etwa 7000 Festmeter Holz im „Haaks“, die Aufräumarbeiten dauerten seinerzeit knapp zwei Jahre. Damals ging das nur mit Motorsägen, anderes Gerät gab es noch nicht.

„Haaks“ ist nun lichtdurchflutet, an vielen Stellen steht kein Baum mehr. „Ein beklemmendes Gefühl“, sagt der Vorsitzende und zeigt auf ein riesengroßes Wurzelstück einer Weißtanne, die 120 Jahre lang an der Gaststätte Waldheim gestanden hatte. „Unglaublich, oder?“, fragt er und ist immer noch fassungslos über die Naturgewalt. Entlang des Waldweges türmen sich hohe Holzstapel, die demnächst zur Weiterverarbeitung von Unternehmen abtransportiert werden.

„Der Schaden ist zwar groß, aber der Wald steht noch“, gewinnt Walter Rathkens von der Bezirksförsterei Nordfriesland dem gegenwärtigen Zustand noch etwas Positives ab. Vielerorts seien ehemalige Wälder komplett dem Erdboden gleichgemacht. Überwiegend fielen in „Haaks“ Nadelbäume um, die Laubbäume hatten zum Zeitpunkt von Sturmtief „Christian“ noch Blätter. „Die Mischung der Anpflanzungen war gut, wie jetzt zu sehen ist“, so der Förster. In Nordfriesland kamen insgesamt circa 100.000 Bäume in Privatwäldern zu Fall, davon etwa 15.000 Bäume im Bohmstedter Forst.

In vielen Jahrzehnten soll „Haaks“ aber wieder das sein, was es war: Ein wunderschöner Wald, der von Spaziergängern zur Erholung besucht wird und die Möglichkeit der Holznutzung bietet. Die Neuanpflanzungen visiert der Förster in einem Zeitraum von fünf Jahren an. Welche Arten von Bäumen es sein werden, ist noch nicht gewiss. „Wir wollen nun erst einmal sehen, welche Bäume aufgrund von Wurzelbeschädigungen noch umfallen und welche vertrocknen“, meint er. Dann müsse geschaut werden, welche Bäume sich verjüngen werden. „In Nordfriesland geht es um etwa 600 Hektar Neuanpflanzungen in Privatwäldern. Die Baumschulen können mit Sicherheit diese Menge nicht liefern“, sagt er und übt sich in Geduld. Die hätten leider viele Leute nicht. Der Förster: „Ich werde oft gefragt, wann es denn nun endlich weitergeht mit den Anpflanzungen.“ Er könne da nur auf das Verständnis der Leute hoffen. „ Es ist eine Mammutaufgabe, die uns bevorsteht“, sagt der Förster, und Bernhard Petersen bestätigt das kopfnickend.

Den Bohmstedter Wirtschaftswald „Haaks“, aus dem jährlich 150 bis 200 Festmeter Holz verkauft wurden, wird es für Jahrzehnte zwar nicht mehr geben, aber der Tannenbaumverkauf zu Weihnachten findet statt, so der Vorsitzende. „Für uns werden die kommenden Jahre eine echte Herausforderung, die wir für die nachfolgenden Generationen annehmen“, fasst Bernhard Petersen die Motivation der Forstgenossen zusammen. mone

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