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Drelsdorfer Forst Nordfriesland : Waldarbeit mit sanftem Riesen

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Im Drelsdorfer Forst arbeitet Hans-Hermann Hein mit Lukas, einem Schleswiger Kaltblut, zusammen.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2010 | 06:09 Uhr

Drelsdorf | Sie sind ein starkes Team: Beide strotzen nur so vor Kraft, denn sie wissen, dass noch eine Menge Arbeit auf sie wartet. Förster Hans-Hermann Hein hat sein Schleswiger Kaltblut aus der Scheune geholt. Lukas ist ein 15 Jahre alter Hengst "im besten Mannesalter", sagt Hein. Er kennt seinen treuen Begleiter von Fohlensbeinen an, denn er hat das gutmütige Kraftpaket aufgezogen und ein paar Jahre lang sogar die sanften Riesen gezüchtet. "Es sind wunderbare Tiere."

Die Luft ist trocken. Unter den Füßen knirscht der Schnee. Jeder Hufschlag klingt dumpf auf dem Waldboden. Hans-Hermann Hein hat Mühe, den Hengst zu beruhigen. "Er freut sich", sagt der 57-Jährige, streicht Lukas behutsam über die Mähne und gibt ihm einen auffordernden Klaps.
Seitab des Weges dirigiert der Förster das voluminöse Pferd ins Unterholz. Hier, irgendwo mitten im Wald, hat Hans-Hermann Hein einige Bäume gefällt. Bis zu acht Meter lange Hölzer liegen jetzt zwischen den anderen Stämmen. Der Förster bringt Lukas in Position, legt eine Kette um den Stamm und lässt das mächtige Holz durch das Pferd in eine Lichtung ziehen. Hier liegen schon einige Stämme - der Hengst kennt den Weg.
Wortlos verständigen

Bis zu 20 Kubikmeter Holz zieht das Kaltblut an einem Arbeitstag durch den Wald. Ruhig und verlässlich schreitet das Schwergewicht an Baumstümpfen vorbei, über kleine Furchen hinweg zur Sammelstelle. Die Arbeitsabläufe bedürfen kaum eines Kommandos - Hein und Lukas verstehen sich auch ohne Worte.

Holzrücken per Pferd. Vor einigen Jahren ein vertrautes Bild in schleswig-holsteinischen Wäldern - heute eine Seltenheit. Sogenannte Harvester, forstwirtschaftliche Erntemaschinen, dröhnen mittlerweile durch die Wälder, sägen Baum für Baum und transportieren die Stämme ohne Rücksicht auf Verluste von einem Ort zu anderen. Förster Hein blickt mit Schrecken auf die stinkenden Maschinen, doch er weiß: "Der Einsatz von Technik ist kostengünstiger und somit wirtschaftlicher." So existierten in der 1980er-Jahren noch 27 Betriebe in Schleswig-Holstein, die die starken Pferde in Wäldern einsetzten - mittlerweile gibt es nur noch zwei Lohnunternehmen.
Miteinander Schnacken

Der Einsatz von "Rücke-Pferden" schont die Böden. Nicht ohne Grund kommen die Kaltblüter deshalb in Naturschutzgebieten und an sensiblen Standorten zum Einsatz. "Es ist etwas Kostbares, mit einem Lebewesen zu arbeiten - mit allen Vor- und Nachteilen", sagt der 57-Jährige. Auch Pferde haben gute und schlechte Tage, betont der Förster, den aber genau diese Eigenart fasziniert. Zwei weitere Vorteile fallen dem Tierfreund überdies ein: "Man kann sich die Hände wärmen und hat immer jemanden zum Schnacken."

Bis zu 20 Kubikmeter Holz bewegen Hein und sein Pferd pro Tag. Gemächlich ziehen sie Stamm für Stamm zum Sammelplatz. "Man muss Ruhe mitbringen", verrät der Förster sein Erfolgsrezept für den Einsatz mit dem sanften Riesen. "Nur dadurch hat man Erfolg."
Lukas zieht mit
Fernab des Drelsdorfer Forstes hat sich Hans-Hermann Hein vor einiger Zeit einen Resthof gekauft. In ein paar Jahren wird der Förster mit seiner Frau das Domizil beziehen. Lukas wird die beiden dann begleiten.

"Mein Feuerholz werde ich dann mit dem Dicken nach Hause holen", sagt Hans-Hermann Hein und schaut dabei in die Augen seines Pferdes - die beiden sind eben mehr als nur Arbeitskollegen.

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