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Anpflanzungsarbeiten : Wald braucht noch Jahre zur Erholung

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach Orkan „Christian“ folgte die Hitze und nun der Rüsselkäfer: Nordfrieslands Wälder sind noch immer in Gefahr. In einigen Jahren sollen alle zerstörten Flächen aufgeforstet sein.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Vor knapp einem Jahr fegte Orkantief „Christian“ mit Windböen bis zu 170 Kilometern pro Stunde über Nordfriesland und richtete eine Schneise der Verwüstung an. In diesem Sommer folgten Hitze und Trockenheit. Wie haben sich die Extremsituationen auf die Landesforsten ausgewirkt? Insbesondere Insekten wie der braune Rüsselkäfer finden nun ideale Bedingungen. Sie nagen die Rinde von kleinen Bäumen ab. „Das kann ein Problem werden, denn diese Käfer können eine ganze Kultur wegfressen“, sorgt sich Förster Jörn Frank. Er ist zuständig für den Langenberg in Leck.

In Nordfriesland sind die Orkanschäden beträchtlich. 140.000 Festmeter Holz mussten in Privat- und Kommunalwäldern entfernt werden. Auf den drei Landesforstflächen in Drelsdorf fielen 90 .000 Festmeter Holz an, in Süderlügum waren es 20.000 und im Langenberg 60.000. Das entspricht dem Vielfachen dessen, was üblicherweise jährlich eingeschlagen wird. 16 .000 Lkw-Ladungen sind erforderlich, um diese Mengen abzutransportieren. Oder anders dargestellt: Ein Lkw-Stau von 450 Kilometern. „Wir sind erstaunlich weit mit der Abfuhr“, sagt Jörn Frank. Täglich rollen die „Brummis“ an. Etliche Holzpolder bleiben aber in den Wäldern über den Winter stehen – jenes Holz minderer Qualität, das für Spanplatten, Hackschnitzel oder Pellets verwendet werden soll.

Auch wenn die Forstflächen bereits aufgeräumt sind, lauern immer noch Gefahren im Wald: Bäume, deren Wurzeln beim Orkan losgerissen worden waren, kippen immer noch um. Andere Bäumchen versuchen, Fuß zu fassen: So wurden beispielsweise im Langenberger Forst im Frühjahr 30.000 Jungpflanzen in die Erde gebracht. Ein Tropfen auf den heißen Stein, denn Dietmar Steenbuck von der Unteren Forstbehörde schätzt: „Für die Aufforstung sind bummelig vier Millionen Pflanzen notwendig.“ Der Sachbearbeiter für die Kreise Nordfriesland und Dithmarschen wägt ab: „In drei bis fünf Jahren werden alle Freiflächen in den Wäldern wieder bepflanzt sein.“ Die Behörde werde besonders auf die Einhaltung des Waldgesetzes achten: „Waldflächen, die umgefallen sind, müssen aufgeforstet werden. Diese Verpflichtung hat jeder Waldbesitzer!“

„Christian“ hat nicht nur einen Kahlschlag mit anschließenden immensen Aufräum- und Anpflanzungsarbeiten verursacht. Auch kleine und große Bäume, die stehen geblieben sind, leiden. Denn sie führen auf einmal kein „Schattendasein“ mehr. Zu viel Licht bedeutet für das Grün Stress, und extreme Sonneneinstrahlung wie in diesem Sommer führt zu Sonnenbrand auf der Rinde. Buchen reagieren besonders empfindlich. „Bei einer Tanne dauert es drei Jahre, bevor sie ihre Schatten- in Lichtnadeln umwandeln kann“, erklärt Jörn Frank. Außerdem habe die Trockenheit insbesondere kleineren Pflanzen zu schaffen gemacht. „Wir brauchen ein paar Jahre mit idealen Wetterbedingungen, damit sich der Wald erholen kann“, wünscht sich der Forstmann.

Dietmar Steenbuck sieht noch andere Gefahren für die Jungpflanzen: Die spätblühende Traubenkirsche könnte sie überwuchern – und für Rehe sei die Kirsche ein Leckerbissen, weshalb der Wildbestand in Zaum gehalten werden müsse. Damit nicht genug: Es scheint, dass der Rüssel- wie auch der Borkenkäfer auf dem Vormarsch ist. „Bis jetzt mussten wir diese Käfer suchen, nun sind sie da. Hoffentlich hält sich ihre Vermehrung in Grenzen.“

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