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Nach drei Wahlgängen : Wahlkrimi: Fortuna ist mit Dieter Harrsen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Losentscheid zugunsten des amtierenden Landrates Dieter Harrsen. Das Jamaika-Bündnis von CDU, Grünen und FDP bringt keine Mehrheit für den eigenen Kandidaten zustande. SPD, SSW und Wählergemeinschaft Nordfriesland jubeln.

Die Anspannung war förmlich zu greifen im großen Sitzungssaal des Husumer Kreishauses. Erst als Kreispräsident Heinz Maurus eine von zwei blauen Loskapseln öffnete und den Gewinner verlas, löste sich die Spannung in ohrenbetäubendem Jubel und Beifall auf: Dieter Harrsen bleibt für weitere sechs Jahre Landrat des Kreises Nordfriesland.

Selten genug, tagten die Abgeordneten des nordfriesischen Kreistages gestern einmal vor vollen Rängen. Bürger aus dem gesamten Kreisgebiet, ehemalige Abgeordnete, kommunale Vertreter und Mitarbeiter der Kreisverwaltung, die sich extra an der Stechuhr „ausgestempelt“ hatten, verfolgten das Geschehen. Ihnen und den zahlreichen Medienvertretern wurde ein regelrechter Wahlkrimi geboten – mit drei geheimen Wahlgängen und einem Losentscheid als Zugabe.

Die Ausgangslage hatte eigentlich für den Herausforderrer Dirk Sommer gesprochen, einen 44-jährigen Unternehmensberater aus Hamburg. Er wurde als Favorit von der insgesamt 29 Abgeordnete zählenden Mehrheits-Kooperation von CDU, Grünen und FDP ins Rennen geschickt. Amtsinhaber Dieter Harrsen konnte sich offiziell nur der Unterstützung von SPD, SSW und Wählergemeinschaft Nordfriesland sicher sein. Am Ende jedoch kam alles ganz anders.

Namentlich aufgerufen wanderte ein Abgeordneter nach dem anderen in eine von zwei vorbereiteten Stellwand-Kabinen, um unbeobachtet sein Kreuz zu machen. Das Ergebnis: Im ersten Wahlgang entfielen nur 26 Stimmen auf Sommer und 25 auf Harrsen. Ein Abgeordneter enthielt sich der Stimme. Damit war die erforderliche absolute Mehrheit von 27 Stimmen verfehlt.

Um die Seinen auf Kurs zu bringen, beantragte CDU-Fraktions-Chef Tim Hanke eine Sitzungs-Unterbrechung von zehn Minuten. Auch das half nicht. Als nach dem zweiten Wahlgang – hier wäre ebenfalls die absolute Mehrheit nötig gewesen – ausgezählt war, gab es sogar zwei Enthaltungen und damit ein Patt mit jeweils 25 Stimmen für beide Kandidaten.

Damit stand eine dritte Runde an, die die beiden Landrats-Bewerber sichtlich angespannt inmitten ihrer Angehörigen auf den Zuschauerrängen aushalten mussten. Jetzt hätte die einfache Mehrheit ausgereicht, um zu einer Entscheidung zu kommen. Doch auch der dritte Wahlgang endete mit einer Überraschung. Wieder gab es zwei Enthaltungen und jeweils 25 Stimmen für Harrsen und Sommer.

In dieser erneuten Pattsituation musste das Losglück entscheiden, so sieht es der Paragraf 44 der Kreisordnung vor. Schicksal spielte Nordfrieslands Kreispräsident Heinz Maurus (CDU). Gegen 11.30 Uhr zog er eine Kapsel aus der Lostrommel und bescherte Harrsen, der 2007 in einer Bürgerwahl erstmals zum Landrat des Kreises Nordfriesland gewählt worden war, die erhoffte zweite Amtsperiode.

Als Heinz Maurus ihn dann fragte, ob er die Wahl annimmt, machte es Harrsen einen kurzen Moment lang noch einmal spannend. „Das wäre es jetzt“, sagte er schmunzelnd, um dann schnell nachzuschieben: „Herr Kreispräsident, ich nehme die Wahl an.“ Seine Bilanz des Wahlmarathons: „Diesen Tag werde ich sicherlich nicht vergessen.“

Dirk Sommer zeigte sich als fairer Verlierer, applaudierte und gratulierte dem Gewinner. „Ich bin schon enttäuscht“, räumte er auf Nachfrage freimütig ein. Immerhin hätten ihm die Jamaika-Fraktionen von CDU, Grünen und FDP im Vorfeld klar zu verstehen gegeben, dass ihre Mehrheit steht. Nicht minder enttäuscht zeigte sich CDU-Chef Tim Hanke. Zwar hatten zwei CDU-Abgeordnete von den Inseln bereits intern signalisiert, Harrsen wählen zu wollen. Aber 27 verbleibende Jamaika-Stimmen hatte er als sichere Bank eingestuft. Und das hätte für die Wahl von Sommer ausgereicht. „Darüber werden wir zu reden haben“, sagte Hanke.

Der wiedergewählte Landrat Dieter Harrsen bedankte sich am Ende für das „faire und gute Verfahren“ und zeigte sich überzeugt, dass es es richtig ist, dass der Kreistag als kommunale Selbstverwaltung die Entscheidung über die Besetzung der höchsten Verwaltungsposition trifft. „Das Daumendrücken hat doch geholfen – herzlichen Dank dafür“, sagte er an alle gerichtet, die seine Bewerbung unterstützt und begleitet hatten.

Harrsen kann sich jetzt erst einmal erholen. Denn heute geht es ab nach Schweden in einen ohnehin geplanten Urlaub. Am 11. Oktober wird er im Schloss vor Husum offiziell in seine zweite Amtszeit eingeführt. Und dieser fiebert er entgegen: „Ich bin voller Saft, voll in den Themen drin und mein Riesenvorteil ist, ich bin eingearbeitet.“

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erstellt am 25.Aug.2013 | 10:17 Uhr

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