TNT, Panzerfäuste und eine russische Landmine : Waffenfund in Winnert: Dorf war in großer Gefahr

Für den Abtransport brauchten die Experten des Kampfmittelräumdienstes zwei Tage.
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Für den Abtransport brauchten die Experten des Kampfmittelräumdienstes zwei Tage.

Bei einer Explosion hätte im Umkreis von hundert Metern kein Haus mehr gestanden. Diese Einschätzung teilten Ermittler der Bürgermeisterin von Winnert mit.

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09. Juli 2015, 09:57 Uhr

Winnert | In dem 700-Seelen-Ort in Nordfriesland herrscht Fassungslosigkeit über Nachbar Frederik F. (35), der in seinem Haus wohl über Jahre Kriegswaffen gehortet hat. Entdeckt wurden 90 Kilogramm TNT-Sprengstoff, zwei Panzerfäuste und eine russische Landmine. Außerdem 39 Gewehre, darunter ein Maschinengewehr, sowie diverse Pistolen. Eine Handgranate musste vor Ort im Garten gesprengt werden, weil statt des Sicherungsstifts ein Kabelbinder angebracht war. Die Ermittler beschlagnahmten zudem unzählige Kisten mit Munition und illegale Feuerwerkskörper.

Flensburgs Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt: „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals ein solches Arsenal gefunden haben.“ Die Suche sei auch noch nicht abgeschlossen, da der Beschuldigte möglicherweise noch Waffen in weiteren Objekten gelagert habe.

Das Motiv von Frederik F., der das Einfamilienhaus in Winnert um 2010 kaufte und bei einem Windanlagenbauer arbeiten soll, ist noch unklar. „Die Vernehmungen laufen“, erklärte die Oberstaatsanwältin. Der Waffennarr hat keinerlei Vorstrafen, die Staatsanwaltschaft will auch keinen Haftbefehl beantragen. „Dazu fehlen die Haftgründe“, so Stahlmann-Liebelt.

Pikant: Die Ex-Freundin des Verdächtigen war nach Wissen von Bürgermeisterin Jutta Rese Polizistin. Beide hätten in der Garage gelegentlich zusammen Schießtraining gemacht, allerdings wohl mit Platzpatronen. Ob die Beamtin von den Kriegswaffen wusste und schwieg, muss nun ermittelt werden.

Der Fund des Arsenals war ein Zufall. Im Zusammenhang mit „Salutwaffen“ ermittelt das Bundeskriminalamt deutschlandweit gegen mehrere Personen. Frederik F. soll fünf dieser Deko-Waffen aus der Slowakei eingeführt haben. Laut BKA können sie mit einfachen Mitteln wieder kriegstauglich gemacht werden – was ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ist.

Frederik F. hatte keine großen Kontakte in der Straße, galt als freundlich aber distanziert. Woher all die Sachen stammen, steht noch nicht fest. Bürgermeisterin Rese: „Der Einsatzleiter hat mir erklärt, alle Sprengstoffe waren explosionsfähig. Alle im Dorf waren geschockt und hatten weiche Knie.“

Für den Abtransport brauchten die Experten des Kampfmittelräumdienstes zwei Tage.

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