Diakonisches Werk Husum : Wachwechsel im Aufsichtsrat

Siegfried Schulze-Kölln in seinem Garten.
Siegfried Schulze-Kölln in seinem Garten.

Siegfried Schulze-Kölln gibt den Aufsichtsratsvorsitz beim Diakonischen Werk Husum in jüngere Hände

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21. August 2019, 16:24 Uhr

Husum | Es sollte ein ganz normaler Wechsel in der Führungsspitze des Diakonischen Werkes Husum (DW) werden. Doch normal ist das Leben von Siegfried Schulze-Kölln schon lange nicht mehr. „Und deshalb denken wahrscheinlich viele, dass ich aus gesundheitlichen Gründen ausscheide“, sagt der langjährige DW-Aufsichtsratsvorsitzende. Tatsächlich sei aber nur seine Amtszeit vorüber und damit die Zeit für einen Wechsel gekommen.

Der ist inzwischen vollzogen und mit Professor Dr. Stefan Krüger (54) ein „würdiger Nachfolger“ gefunden worden. Dass er mit dieser Wahl hochzufrieden ist, daran lässt Schulze-Kölln beim Pressegespräch keinen Zweifel. Gleiches gilt für den gesamten DW-Aufsichtsrat, mit dem er nach eigenem Bekunden eineinhalb Jahrzehnte lang „super zusammengearbeitet“ hat.

Am Sonntag, 8. September, ab 11 Uhr, wird der pensionierte Gymnasiallehrer im Rahmen eines Gottesdienstes in St. Marien mit anschließendem Festakt von seinem Ehrenamt entpflichtet.

Schulze-Kölln war und ist ein Mann der klaren Worte. Das gilt auch für die Kirche, in deren Reihen es Leute gab, die das Diakonische Werk gar nicht als Teil eines großen Ganzen betrachteten, blickt er auf einen langwierigen, nicht immer einfachen Transformationsprozess zurück. Um so wichtiger sei die Entscheidung gewesen, dass DW in eine gemeinnützige GmbH umzuwandeln. Dass er den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen würde, sei nicht geplant gewesen. Aber Schulze-Kölln wäre nicht, wer er ist, wenn er sich in diesem Punkt geziert hätte.

In den vergangenen Jahren habe das Werk eine bemerkenswerte Entwicklung genommen, findet er. Nach der Familienbildungsstätte wurde erst die Bahnhofsmission und später auch die (Alten-)Begegnungsstätte in der Norderstraße Teil der gGmbH. Mit der Schulsozialarbeit ist ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld hinzugekommen. Inzwischen verteilen sich die Aufgaben auf über 100 hauptamtliche und mehr als doppelt so viele ehrenamtliche Mitarbeiter.

Klar habe das Diakonische Werk immer wieder auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren müssen, „und klar ist nicht alles, was wir angepackt haben, von Dauer gewesen“, sagt er unter Hinweis beispielsweise auf das Café de Ville. Und für die Radstation am Bahnhof geeignetes Personal zu finden, sei nicht immer leicht. Aber das gehöre nun einmal zu den Herausforderungen dieses Jobs.

Natürlich hätten sich Aufsichtsrat und Geschäftsführung mehr als einmal die Frage gestellt, „ob wir wirklich alles einsammeln wollen, was am Wegesrand liegt“. Schulze-Kölln sagt nein, „aber dort, wo es gesellschaftlich notwendig ist, müssen wir es tun“, findet der „vielleicht letzte Sozialliberale im Land“, wie er sich mit einem Augenzwinkern nennt.

Und weil er nun schon einmal Kommunalpolitiker war und daher beide Seiten kennt, hat sich Schulze-Kölln natürlich gefragt, ob es richtig ist, dass die Kirche mit der Tafel eine hoheitliche Aufgabe übernommen habe und dieser nun schon seit mehr als zwei Jahrzehnten nachkomme. „Nun“, sagt er achselzuckend, „der Bedarf ist da, und der Staat macht es nicht.“ Und letztlich sei die Tatsache, dass kein Weg am DW vorbeiführe ja auch ein Zeichen für dessen Qualität.

Dafür gibt es aus Schulze-Köllns Sicht gute Gründe. Zum Beispiel, dass „die Menschen bei uns viele Anlauf- und Beratungsstellen unter einem Dach haben und nicht von Pontius zu Pilatus geschickt werden.“ Vernetzung ist eben auch im sozialen Bereich ein zentrales Stichwort. Für den Freidemokraten ist das doppelt wichtig, denn als Politiker war er zumeist auf sich selbst gestellt, „aber hier konnte ich in einem tollen Team arbeiten.“

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