Polizeiarbeit in Nordfriesland : Wachwechsel bei der Kripo

Mit dem Einsatzwagen patrouillieren Sven Knies (li.) und Michael Raasch zwar nicht durch die Straßen, aber ohne die Arbeit der Kollegen von der Streife kämen sie nicht weit.
Mit dem Einsatzwagen patrouillieren Sven Knies (li.) und Michael Raasch zwar nicht durch die Straßen, aber ohne die Arbeit der Kollegen von der Streife kämen sie nicht weit.

Sven Knies hat die Leitung der Kriminalpolizeistelle Husum übernommen – Vorgänger Michael Raasch wechselt nach Flensburg.

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30. Juli 2015, 16:00 Uhr

Kriminalpolizei: Das klingt nach „Tatort“, „Derrick“ oder „Polizeiruf 110“. Der neue Chef der Kriminalpolizeistelle in Husum heißt Sven Knies. Sein Alltag hat allerdings wenig mit den Abenteuern seiner Fernsehkollegen zu tun – trotzdem ist der 49-Jährige beruflich dort angekommen, wo er schon lange hinwollte.

Am 1. Juli hat Knies sein neues Amt übernommen. Als Leiter der Kriminalpolizeistelle hat er die Verantwortung für 25 Mitarbeiter und ist für die Bereiche Husum, Bredstedt, Eiderstedt, Friedrichstadt, Viöl, Hattstedt, Nordstrand und Pellworm zuständig. Den restlichen Teil Nordfrieslands übernehmen die Kriminalpolizeistellen Niebüll und Sylt. „Ich bin mein ganzes Leben lang gependelt. Jetzt kann ich endlich auch dort arbeiten, wo ich wohne – und die gesparte Fahrtzeit kann ich nun mit meiner Familie verbringen“, erklärt der Mildstedter, der seit 45 Jahren in Nordfriesland lebt. Zuletzt arbeitete Knies in Flensburg. Seit 2010 war er dort Leiter der Bezirkskriminalinspektion und zuständig für Raub- und Betäubungsmittelkriminalität.

Seinem Vorgänger, Michael Raasch, fällt der Abschied aus Husum nicht leicht, auch wenn er sich auf seine neuen Aufgaben freue, wie er sagt. Die vergangenen zwölf Jahre hatte der 52-Jährige die Leitung der Kriminalpolizeistelle in der Storm-Stadt inne. Der Lecker wechselte ebenfalls am 1. Juli nach Flensburg, um die stellvertretende Leitung der Bezirkskriminalinspektion zu übernehmen.

Sexualdelikte und Drogenkriminalität, Brandstiftung, Körperverletzung und Mord. Knies hatte schon mit Verbrechen aller Art zu tun. Mittlerweile hat er 28 Jahre Berufserfahrung in verschiedenen Dienststellen in Schleswig-Holstein gesammelt. Allein in Itzehoe arbeitete er neun Jahre lang bei der Mordkommission. Acht Jahre lang machte er Dienst bei der Kriminalpolizei Heide. „Seine langjährige Erfahrung kommt uns allen zugute“, betont Jörn Tietje, Leiter des Führungsstabes. „Und er hat sozusagen Heimvorteil. Denn man muss nicht nur die Straftäter, sondern auch seine Mitarbeiter und die Nachbarschaft kennen“, fügt er hinzu. Husum und Nordfriesland gelten in der Regel als ruhiges Einsatzgebiet. Die Kriminalität ist unterdurchschnittlich. Auch wenn in den vergangenen zwei Jahren auffällig viele brutale Verbrechen, die in Nordfriesland verübt wurden, Schlagzeilen machten. „Tatsächlich, das hat uns zu dieser Zeit ganz schön ins Rotieren gebracht“, geben Raasch und Tietje zu.

Krimiserien-Fans muss Knies allerdings enttäuschen, wenn sie glauben, dass er ein spektakuläres Abenteuer nach dem nächsten erlebe. „Das, was in Krimis als Realität abgebildet wird, können Sie getrost aus Ihrem Gedächtnis streichen“, erklärt der Erste Kriminalhauptkommissar. „Meine Alltagsaufgaben beschränken sich eher auf die Verwaltungs- und Organisationsebene. Ich selbst komme selten raus – und bin eher der Stubenhocker“. Dafür bekomme er alles mit und schlage die Brücke zur Staatsanwaltschaft. Mit seiner nächsten Bemerkung entzaubert er ein Stück weit einen Mythos: „Auch einen Verhörraum mit Spiegelwand gibt es nicht. Verdächtige und Zeugen werden in ganz normalen Büros verhört. Und niemand wird mit einer blendenden Schreibtischlampe unter Druck gesetzt“, sagt er und lächelt verschmitzt.

Die typische Ermittlungsarbeit übernehmen Knies’ Mitarbeiter. Sie untersuchen den Ort des Geschehens und machen sich ein Bild von den Zusammenhängen. „Die Arbeit der Kriminalbeamten wird immer komplizierter, die Anforderungen immer höher“, erklärt Tietje. Zwar gibt es mithilfe von DNA-Analysen die Chance, sogar jahrzehntealte Fälle noch aufzuklären. Proben werden dann zum Landeskriminalamt nach Kiel geschickt, wo sie unter anderem von Biologen und Chemikern untersucht werden. Immerhin ist die Aufklärungsrate von Mordfällen mittlerweile auf 95 Prozent gestiegen. Doch gleichzeitig steigen auch die Anforderungen für die Polizei. Bestes Beispiel: Kriminalität im Internet, Cyber Crime genannt. Dafür müssen die Ermittler immer wieder neu geschult werden.

Wenn man Knies nach der schönsten Seite seines Jobs fragt, antwortet er prompt: „Wenn man Dinge ins rechte Licht rücken und den Angehörigen der Opfer Gewissheit verschaffen kann“. Dazu passt auch sein Lebensmotto: „Ich bin einfach ein Optimist“.

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