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Tourismus-Konzept für Husum : Wachstumsmotor Fremdenverkehr

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nordfriesland ist ein beliebtes Urlaubsgebiet, doch die Kreisstadt hinkt hinterher. Wie der Tourismus auch in Husum besser entwickelt werden könnte, erläutert Experte Dirk Nicolaisen anhand konkreter Beispiele.

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erstellt am 01.Okt.2014 | 14:00 Uhr

Es gibt derzeit kein Thema, bei dem sich die Husumer Lokalpolitiker so einig sind wie beim Tourismuskonzept. Dass hier dringend etwas geschehen muss, ist mittlerweile allgemein gültige Erkenntnis. Über den Weg dorthin gibt es auch kaum Differenzen, wie die jüngste Sitzung des Hauptausschusses zeigte: Externer Sachverstand sei gefragt, und der soll „Handlungsempfehlungen geben und Realisierungspotenziale aufzeigen“. Und man will sich – ganz wichtig – an dem erst im Juli vorgestellten Tourismuskonzept des Landes Schleswig-Holstein orientieren und „nicht versuchen, das Rad neu zu erfinden“, wie sich Bürgermeister Uwe Schmitz ausdrückte.

Genau das sei der richtige Weg, lobt Tourismus-Fachmann Dirk Nicolaisen von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Flensburg. In Husum herrscht aus seiner Sicht „Aufbruchstimmung“, und diese treffe exakt das Zeitfenster, das mit dem Vorstoß aus Kiel geöffnet worden ist. Das Besondere an der Landesstrategie sei, dass sie erstmals auch ein Umsetzungs-Management enthält: „Das ist eine Wachstumsstrategie mit überprüfbaren Zielen, kein hochtrabendes Theorie-Papier. Und diejenigen, die den Steuerkurs entwarfen, wurden auch mit der Umsetzung beauftragt. Das heißt, dass sie jetzt in der Pflicht stehen, das zu machen, was sie aufgeschrieben haben.“ Auch für Husum wäre dieses Vorgehen eine Möglichkeit, so Nicolaisen.

Wachstum gehe nur über Betten, so der Experte weiter, der in der IHK als Geschäftsbereichsleiter des Internationalen Kompetenzzentrums Tourismus fungiert. „Und das ehrgeizige Ziel der Landesstrategie sind 30 Prozent mehr Umsatz bis 2025 – statt der heutigen 7,5 Milliarden Euro zehn Milliarden.“ Zudem wolle Schleswig-Holstein von der derzeit siebten Stelle in der bundesweiten Länderbeliebtheitsskala der Urlauber auf Platz drei vorrücken. „Vor uns wären dann nur noch Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.“

Heruntergebrochen auf die Storm-Stadt bedeutet dies, dass man sich als Grundlage für eine Wachstumsstrategie erst einmal überlegen muss, wofür Husum eigentlich bei den Gästen steht: „Ich sehe hier drei Punkte“, sagt Nicolaisen. „Erstens steht Husum für naturnahen Urlaub in der größten Stadt an der Westküste, direkt am Nationalpark Wattenmeer. Zweitens für Shopping-Tourismus, auch für Besucher aus Dänemark. Und drittens für Geschäftsreise- und Veranstaltungs- beziehungsweise Städtetourismus.“ Bei allen drei Punkten sehe er Entwicklungspotenzial. „Und hier passt die Landesstrategie perfekt, zumal mit dem EU-Programm zur Integrierten Territorialen Investition (ITI) 30 Millionen Euro zweckgebunden in die Westküste fließen sollen.“ In diesem Rahmen werde viel über touristische Projekte nachgedacht.

Wie könnte Husum stärker vom Tourismus profitieren? „Man muss eine Projektbeschreibung erstellen und dafür auch Verantwortliche benennen“, gibt Nicolaisen vor. „Wenn genau festlegt wird, wer was machen soll, hat man eine Kontrolle und kann nötigenfalls gegensteuern, wenn etwas schiefläuft.“ Und konkrete Vorschläge hat der IHK-Experte auch parat. „Am Dockkoog könnte ich mir ein klimaneutrales Hotel vorstellen. Das gibt es in Schleswig-Holstein noch nicht, aber zwei bis drei dieser Explorer-Hotels stehen schon in Bayern und haben den deutschen Tourismus-Preis 2013 gewonnen.“ Diese Häuser seien eine „wunderbare Mischung“ aus einer der Natur angepassten Bautechnik und Energie-Effizienz, verbunden mit entsprechenden Lifestyle-Angeboten. „So ein Hotel am Dockkoog – das wäre ein Traum!“

Den zweiten touristisch zu entwickelnden Bereich sieht der Experte in Schobüll, das durch die Badestelle und den Campingplatz geprägt sei. „Landschaftlich ist dieser Flecken hervorragend, weil die Geestkante hier direkt am Wasser liegt – das ist ein sehr ungewöhnliches Ambiente für die Nordseeküste.“ Hier könnte sich Nicolaisen eine Weiterentwicklung der bestehenden Struktur zum „Campingplatz 3.0“ vorstellen. „Der ist schon bei vielen Betreibern im Gespräch, denn die platte Wiese allein reicht nicht mehr, und nur Wohnmobile noch mit einzuplanen, auch nicht.“

Zwei bis drei Standorte in Schleswig-Holstein strebten bereits den besagten Campingplatz 3.0 an. „Dazu gehört ein modernisiertes Angebot mit Camping-Hütten wie in Dänemark, mit einfachster Ausstattung und in die Landschaft eingebundener Architektur.“ Diese Häuschen mit Ferienwohnungen werden durch ein Gästehaus auf dem Platz ergänzt, so Nicolaisen: „Ein sehr einfaches kleines Hotel mit Basis-Service, das nicht nach üblichen betriebswirtschaftlichen Zielen wirtschaften muss, weil es in ein Gesamtkonzept eingebunden ist.“ Alles unter dem Motto: „Erleben im Freien – für jeden etwas.“ Dieser naturnahe Tourismus sei ein Segment, das in Schobüll gut funktionieren würde. Was dann mit dem Schwimmbad geschehe, müsse man sehen: „Solche Bäder rechnen sich eigentlich nie, da ist eine private Betreiberschaft fraglich.“

Genaue Vorstellungen hat Nicolaisen auch beim Thema Geschäftsreise-Tourismus: „Die Windmesse ist ja erst nächstes Jahr wieder hier. Wenn man das Event-Portfolio ausbauen will, sollte man einen Hotelneubau in der Nähe des Nordsee-Congress-Centrums anpeilen.“ Das passe zur Wachstumsstrategie, denn dafür müsse man auf jeden Fall die Bettenzahl erweitern. „Dass dadurch ältere, nicht mehr marktfähige Kapazitäten wegfallen, klingt hart, ist aber so gewollt.“ Kiel sei dabei, die großen Veranstaltungs-Center im Land in einer Organisation zusammenzuführen. Es gebe Überlegungen, ein Convention-Büro einzurichten, um den Geschäftsreise-Tourismus anzukurbeln. „Wir möchten große Unternehmen für Tagungen und ähnliches in Schleswig-Holstein interessieren – davon wird auch die Messe Husum profitieren.“

Wichtig ist für ihn eine sinnvolle Folge der Abläufe: „Erst klar und sauber die Ziele formulieren. Dann überlegen, was man benötigt, um diese Ziele zu erreichen. Und dann die Entwicklung auf den drei Schienen Infrastruktur, Marketing und Ressourcen vorantreiben.“ Die geplante Hotel-Analyse etwa sollte erst nach der übergreifenden Tourismus-Analyse erfolgen.

Die derzeitige Einigkeit von Politik und Verwaltung bei dem Thema müsse man nutzen, und zudem gebe es ein weiteres Pfund, mit dem Husum wuchern könne: „Das ist die Organisation der Wirtschaft, die hier global agiert und auch dafür sorgt, dass Innenstadt und Gewerbegebiet an einem Strang ziehen“, so Nicolaisen. „Alle diese Beteiligten müssen jetzt die positive Grundstimmung aufgreifen und handeln – und sich vor allen Dingen nicht in Klein-Klein verlieren.“

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