Immenstedt : Wachsen für den großen Moment

Seinen Bäumen stattet Manfred Eggert fast täglich einen Besuch ab.
Seinen Bäumen stattet Manfred Eggert fast täglich einen Besuch ab.

In Immenstedt gibt es seit 25 Jahren ein kleines Tannenwäldchen – nur für Weihnachten. Es wird von Manfred Eggert gehegt und gepflegt.

Avatar_shz von
10. Dezember 2017, 10:00 Uhr

Bühne frei für die Tannenbäume: Überall erstrahlen sie im Lichterglanz. Dass dieser erste große Auftritt für die meisten Bäume zugleich auch der letzte ist und dass sie die Zeit bis zu diesem besonderen Moment jahrelang unbeachtet in einem einsamen Wäldchen zugebracht haben, mag ein wenig melancholisch stimmen. Für Manfred Eggert aus Immenstedt aber ist es jedes Mal ein Fest, wenn es eine seiner mit viel Liebe gepflegten und gehegten Pflanzen geschafft hat, groß und stark genug zu werden, um aus dem Wald heraus auf einen der Adventsmärkte in der Region zu kommen. Oder in den Wohnstuben der Menschen zum Mittelpunkt des weihnachtlichen Geschehens zu werden.

„Bei mir bekommt jede Tanne die Chance, ein schöner Weihnachtsbaum zu werden“, sagt er und erzählt, dass fast alle Bäume in der kleinen Schonung, die er vor 25 Jahren am Rande seines kleinen Heimatdorfes angelegt hat, dieses Ziel früher oder später erreichen. Manche schaffen es schon nach sieben Jahren. Dann sind sie etwa hüfthoch und somit groß genug, um in den kleinsten Stuben für Weihnachtsstimmung zu sorgen – also dort, wo nur Platz für ein winziges Tännchen ist. Die besten Chancen haben die acht- bis zehnjährigen, knapp mannshohen Bäume, die perfekt in die meisten Wohnzimmer passen. Und dann sind da noch die Stars unter den Tannen, die sich im Laufe der Jahre so gut entwickelt haben, dass sie geeignet scheinen, eines Tages in Amtsgebäuden, auf Weihnachtsmärkten und Marktplätzen für Furore zu sorgen. Sie müssen noch ein paar Jahre länger auf ihren finalen Einsatz warten.

Einen seiner größten und schönsten Bäume hat Eggert bereits Mitte November seiner Bestimmung übergeben – so wie jedes Jahr als Spende für den vorweihnachtlichen Basar in Viöl. Die prächtige, fast sechs Meter hohe Nordmann-Tanne, die er vor 14 Jahren eigenhändig gepflanzt und seitdem täglich hat wachsen und gedeihen sehen, nahm zwei Tage vor dem Basar ihren Ehrenplatz in der Erich Wobser-Halle ein. Gemeinsam mit ihren Freunden Hauke und Jan-Philip sorgten Kira und Jenna, die Enkelinnen der Organisatorin Marga Erichsen, dafür, dass aus der schlichten grünen Tanne ein strahlender Weihnachtsbaum wurde, mit roten Kugeln, Glitzer-Paketen und leuchtenden Kerzen.

Auf diesen Moment hat Manfred Eggert jahrelang gewartet. Bis es soweit war, stattete er dem Baum fast täglich einen Besuch ab. Ihm und all den anderen künftigen Weihnachtsbäumen. Wenn er in sein Wäldchen fährt, schaut er zuerst nach den Nachwuchs-Tännchen, die im Frühjahr in den Boden kommen. „Ich setze sie immer direkt neben den Stammrest eines früheren Baums, weil die frischen Pflanzen noch von dessen Wurzeln profitieren können“, sagt er. Nach drei Jahren werden sie beschnitten: „Viele Tannen haben zwei Spitzen, was beim Weihnachtsbaum nicht gewünscht ist, deshalb bringe ich sie zu diesem Zeitpunkt auf den richtigen Weg.“ Größtes Risiko für die jungen Bäume ist die Witterung: Später Frost kann sie schädigen und natürlich sind auch Stürme, zu viel Hitze, Regen, Hagel oder schwer auf den Zweigen lastender Schnee ein Risiko für den Zuchterfolg. „Es ist schon ein paar Jahre her, dass wir hier richtig viel Schnee hatten. Damals habe ich zusammen mit meinem Schwiegersohn Stunden gebraucht, die Tannen von ihrer Last zu befreien“, erzählt Manfred Eggert.

Das Argument, dass die Tannenbäume in der Wohnung schnell zu nadeln anfangen, lässt er so nicht gelten: „Wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt schlägt, sie danach nicht zu früh reinholt, der Baum im Zimmer nicht gerade am wärmsten Platz steht und gegebenenfalls auch mal etwas Wasser kriegt, passiert gar nichts“, so der Fachmann. Denn sobald es draußen frostig wird, verschließt der Baum seine „Poren“ und fällt in eine Art Winterschlaf, aus dem er erst im Frühjahr wieder erwacht. „Erst dann fangen die Nadeln an, braun zu werden und abzufallen, erst dann stirbt er tatsächlich.“ Was übrigens vermeidbar ist, in dem man den Weihnachtsbaum mit Topf kauft und ihn nach den Festtagen im Garten an einen schönen Platz stellt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen