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275 Jahre Husumer Commerzium : Wachsames Auge auf die Wirtschaft

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Commerzium sorgt sich seit 1738 um die Belange der Stadt – und spielt auch heute eine gewichtige Rolle. Zusammen mit den drei anderen Wirtschaftsvereinen fördert das Gremium die weitere Entwicklung Husums.

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erstellt am 28.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Ein Erfolgsmodell wird 275 Jahre alt: Dienstagabend (29. Oktober) feiert das Commerzium der Stadt Husum mit einem Empfang für geladene Gäste im Rathaus Geburtstag. Am 29. Oktober 1738 war es aus der Taufe gehoben worden, um ein „wachsames Auge“ auf die Wirtschaft der Stadt zu haben – und das hat es auch heute noch.

„Die Bandbreite unserer Mitglieder ist enorm groß: Sie reicht vom Freiberufler bis zum Weltkonzern Vestas“, sagt Henning Göttsch, seit 2007 Vorsitzender des Commerziums. Zusammen mit seinem Vize Rolf Kulartz-Janzen und Kassenwart Torsten Peters kümmert er sich ehrenamtlich um die Belange des derzeit 93 Mitglieder umfassenden Zusammenschlusses und gibt diesem im Wirtschaftskreis eine Stimme. „Von den vier in diesem Kreis vertretenen Vereinen sind wir die einzigen, die nicht eine Region – wie die Werbegemeinschaft in der Innenstadt und die Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Ost – oder eine Branche wie der Handwerkerverein vertreten“, so Göttsch.

Entsprechend schwer sei es, einen Mehrwert für alle Mitglieder zu schaffen. Es gelinge aber trotzdem, etwa durch die zusammen mit der Industrie- und Handelskammer ins Leben gerufene jährliche Lehrstellen-Rallye: „Das ist ein echtes Erfolgsmodell, das wir jetzt schon zum siebten Mal veranstaltet haben und das von anderen Städten kopiert wird“, sagt der Geschäftsführer der Firma Nord-Ostsee-Automobile stolz. Bei dieser Rallye stellen sich Firmen künftigen Schulabgängern vor, die Gelegenheit haben, aus erster Hand Details über Ausbildungsgänge und -inhalte zu erfahren. „Die Schüler können in kurzer Zeit in viele verschiedene Berufe hineinschnuppern und werden von etwa Gleichaltrigen, nämlich den Azubis, informiert.“ Ein Gewinn für alle Seiten: „Jugendliche bekommen Entscheidungshilfen und Firmen mehr Bewerbungen.“

Traditionell gehört der Hafen zum Hauptbetätigungsfeld des Commerziums (siehe unten). Auch hier kann Göttsch Erfolg vorweisen: „Nachdem sich Stadt und Land lange gegenseitig den Schwarzen Peter der Finanzierung zugeschoben haben, hat sich Kiel jetzt bereit erklärt, vier Millionen Euro in den Hafen zu investieren – 1,6 für die dringend notwendige Vertiefung und 2,4 für die Sanierung der baufälligen Kaimauer. Ohne das Hafenentwicklungskonzept, an dem wir uns nachhaltig beteiligt haben, wäre hier gar nichts geschehen.“ Immerhin kämen knapp ein Fünftel aller Gewerbesteuereinnahmen Husums aus diesem Umfeld.

Auch bei weiteren Entwicklungsplänen der Stadt redet das Commerzium mit. „Mit den anderen Wirtschaftsvereinen zusammen unterstützen wir die Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes und die Erstellung eines umfassenden Verkehrskonzeptes – und wünschen uns für die Zukunft ein ebensolches für den Tourismus“, so der 48-Jährige. Dabei ist er froh, dass die vier Vereine so eng zusammenarbeiten: „Das ist nicht selbstverständlich, aber wichtig: Wenn alle in einem Boot sitzen und jeder rudert in eine andere Richtung, kommt man ja nicht besonders schnell vorwärts.“ In Husums Wirtschaftskreis jedoch würden alle vier Vereine mit einer Stimme sprechen.

Dabei sei die Vernetzung untereinander sehr wichtig: „Die wesentliche Aufgabe eines Wirtschaftsvereins ist es doch, die Mitglieder zusammenzubringen. Mit unseren machen wir das natürlich auf der Jahreshauptversammlung, wo wir sie über die Arbeit des Vorstands sowie über Zahlen und Entwicklungen informieren, aber übergreifend geschieht das zum Beispiel bei den zwei Wirtschafts-Stammtischen im Jahr oder auf dem Hafentage-Empfang.“ Und selbstverständlich mache auch die anstehende Feier des Commerziums keine Ausnahme, so Göttsch: „Wir haben natürlich nicht nur unsere Mitglieder, sondern die aller vier Vereine eingeladen.“

 

Ein Gremium mit königlichem Auftrag

Die Initialzündung zur Entstehung  des Commerziums  erfolgte am 14. Juli 1738.  Nachdem Zar Peter der Große  während des Nordischen Krieges 25 Jahre zuvor nach Husum gekommen war und  die Stadt fast  niedergebrannt hätte, war es mit der wirtschaftlichen Blüte vorbei. Um diese Phase zu beenden, entwickelte der dänische König Christian VI., zugleich Herzog von Schleswig und Holstein, an jenem Tag die Grundlage für das  Commerzium. Er stieß an vielen Orten die Gründung derartiger Zusammenschlüsse an und erließ auch für die Husumer entsprechende  Instruktionen. So sollte das Kollegium „ein wachsames Auge haben über das Commerce der Stadt und in genaue Erwägung ziehen, was selbiges und die damit verknüpfte Navigation und Manufacturen in Aufnahme bringen und befördern, oder daran hinderlich seyn mag, und zu dem Ende diensahme Vorschläge und Projekte einsenden“. Dieses „Commerce-College“ (Wirtschaftsgremium) sollte  aus Husumer Kaufleuten und Wirtschaftstreibenden bestehen. Zum Vorsitzenden ernannte der  König den damaligen Bürgermeister Johannes Feddersen. Die erste Sitzung des Ausschusses  – zugleich dessen Gründungsdatum   – war am 29. Oktober 1738.

Auch das Commerzium konnte jedoch  nur langsam Veränderungen herbeiführen. Zudem verhinderten die Kriege im 17. und frühen 18. Jahrhundert lange Zeit  ein Wachstum der  Wirtschaft. Mit der Übernahme des Tonnen- und Bakenwesens auf der Hever, das für die Navigation auf den Seewegen im Wattenmeer wichtig war, ließ sich jedoch ein sicheres Standbein schaffen. Die neue Brücken- und Hafenordnung von 1742 machte das Commerzium federführend bei  der Organisation der Fahrwassermarkierungen. Der Ertrag daraus wurde für die Weiterentwicklung des Hafens genutzt.  Durch die Seezeichen-Organisation hatte die königliche Institution in Husum länger als viele  andere Bestand, aber mit der Auflösung aller Commerce-Collegien  im Jahr 1773 musste  auch dieses  Gremium seine Arbeit niederlegen. Unter dem Namen Commerzium wurde es jedoch 51 Jahre später mit den gleichen Zielen neu gegründet.

Als der deutsch-dänische Krieg  1851  zu Ende war, verlor das Commerzium die wertvolle Oberaufsicht über die Markierungen für die Fahrwasserrinnen, die nun vom Staat verwaltet wurden.  Mit dem Wegfall dieser Einnahmen  stand dem Commerzium kein Geld mehr für den Hafen zur Verfügung. Das  Gremium schaffte es aber,  weiterhin die Entwicklung der  Stadt   zu beeinflussen.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten    1933  wurden alle Arbeiter- und Unternehmerorganisationen  aufgelöst. Auch das Commerzium hörte für die Dauer des Zweiten Weltkrieges auf  zu existieren. Doch nach dem Krieg war die Not groß – und das  Commerzium wieder gefragt. Ab Juli 1945  kümmerte es sich erneut um den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt – und das bis heute.

 

 

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