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Kultur-21-Festival in Husum : Vorzeige-Projekt mit holprigem Start

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das erste nordfriesische Kultur-21-Festival bot in Husum Vielfalt und Qualität. Allerdings kamen nicht so viele Besucher, wie die Veranstalter erhofft hatten. Die Kulturministerin lobt das Festival als Vorzeige-Projekt.

Es lief nicht alles rund bei diesem ersten nordfriesischen Kultur-21-Festival mit immerhin mehr als 800 Mitwirkenden im Husumer Nordsee-Congress-Centrum (NCC). Und nicht nur viele Einzelveranstaltungen, auch das gesamte Festival hätte ein größeres Publikum verdient gehabt. Aber den einen störte das „zu hohe“ Eintrittsgeld, ein anderer monierte, es sei nicht ausreichend oder zu spät dafür geworben worden, und dem dritten fehlte es an Kommunikation.

Viele der Künstler hingegen waren hochzufrieden. „Uns ist hier ein hervorragendes Forum geboten worden“, sagte Joachim Goetze von der Künstlergruppe Drei Harden, wenngleich auch er einräumen musste, dass „es schön gewesen wäre, wenn mehr Menschen den Weg ins NCC gefunden hätten“. Dies galt für alle drei Festival-Tage und auch das Auftakt-Konzert von „Ton Steine Scherben“ am Donnerstagabend, 25. September.

Ein bisschen erschöpft, aber voller Tatendrang traf am Sonnabend, 27. September, Richard David Precht dort ein. Sein Flieger aus Düsseldorf hatte Verspätung und dann war zwischendurch auch noch die A 23 gesperrt. Trotzdem legte der Philosoph und Autor vor 300 Zuhörern los, als ob es kein Morgen gäbe. Und nach seiner Vorstellung von der „Digitalen Revolution“ wird es den für viele Berufe auch wirklich nicht geben, weil jede App dauerhaft besser über den medizinischen Zustand eines Menschen Bescheid wissen wird als Hausärzte. Und so werde es weiten Teilen dem gesamten Dienstleistungsgewerbe gehen, prognostizierte er. Precht wollte nicht den Teufel an die Wand malen, sondern vielmehr deutlich machen, wie sehr es ihn stört, „dass ein paar Figuren aus Silicon Valley am Ende bestimmen, wie unsere Demokratie aussieht.“ Reichlich Diskussionsstoff also. Und so endete dieser Abend mit einer zweistündigen Debatte über Google und die Demokratie – und für Precht danach im Hotel „Altes Gymnasium“, wo er noch lange mit seiner unweit der Grenze in Dänemark lebenden Schwester und einigen Festival-Machern weiterdiskutierte.

Unbedingt sehens- und hörenswert war auch die Performance des Künstlers Fabian Vogler – von Achim Schroeder verfilmt und von Rudolf Kitzelmann musikalisch untermalt. Unter die Haut gingen jedoch vor allem die Darbietungen von Tanja Probst – tänzerische Darstellungen, die sich auf Voglers Skulpturen bezogen.

Aber einzelne Künstler herauszugreifen, würde der Sache nicht gerecht werden. Jeder, der dabei war, gab an seinem Platz, was er konnte. Am Engagement der Akteure lag es also gewiss nicht, dass auch Projektleiterin Johanna Jürgensen nicht rundum zufrieden war. „Es ist sehr gut gelaufen, was das Programm angeht, und auch die Qualität war super“, zog sie auf Anfrage ein erstes Fazit. Der Wermutstropfen ebenfalls für sie: „Wir hätten mehr Publikum haben können.“ Es sei sehr schwer gewesen, die Menschen für die erste Veranstaltung dieser Art zu mobilisieren. Gleichwohl hat es für Jürgensen viele positive Aspekte gegeben, sagte sie mit Blick auf die Mitwirkenden, Aussteller und Reaktionen von Besuchern. Genaue Zahlen lagen am Sonntagabend, 29. September, noch nicht vor.

Ein dickes Lob gab es derweil von Kulturministerin Anke Spoorendonk für alle Beteiligten: „Die Initiative Kultur 21 ist ein wunderbares Vorzeige-Projekt für Schleswig-Holstein. Damit zeigt der Kreis Nordfriesland deutlich, was Verantwortung für eine innovative Kulturpolitik heißt.“ Sie sei dem Kreis und seiner Kulturstiftung dankbar, dass sie diese Initiative ergriffen haben. Dadurch werde ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass in der Region eine starke Kulturszene vorhanden ist, und Nordfriesland werde dadurch als eine Kulturregion mit hoher Attraktivität wahrgenommen.

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erstellt am 29.Sep.2014 | 07:00 Uhr

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