Materialdepot Bargum : Vorwurf der Gemeinde: Der Bund hat die Liegenschaft vernachlässigt

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Das Wachgebäude im ehemaligen Materialdepot ist seit 2017 geräumt, doch es soll bald wieder reaktiviert werden.
Das Wachgebäude im ehemaligen Materialdepot ist seit 2017 geräumt, doch es soll bald wieder reaktiviert werden.

Die Gemeinde spricht sich für Wiederinbetriebnahme des Materialdepots aus, kritisiert aber die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

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06. Juni 2019, 18:45 Uhr

Bargum | „Seitens der Gemeinde Bargum bestehen grundsätzlich keine Bedenken gegen die Wiederinbetriebnahme des Materialdepots Bargum.“ Das ist einer der Kernsätze einer Vorlage, über die der Gemeinderat am Mittwoch in seiner jüngsten Sitzung zu beschließen hatte.

Hintergrund: Das Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration des Landes Schleswig-Holstein hatte in einem Schreiben vom 8. April 2019 der Gemeinde mitgeteilt, dass das Bundesministerium der Verteidigung die Wiederinbetriebnahme des 2017 stillgelegten Materialdepots Bargum nun angeordnet hatte. Weiterhin heißt es: „Da die Liegenschaft künftig wieder dauerhaft ausschließlich für Zwecke der Verteidigung zur Verfügung stehen soll“, sehe das gesetzliche Vorgehen eine Anhörung der Landesregierung vor. Die wiederum wolle die Meinung der betroffenen Gemeinden einholen.

Der Eingang zur ehemaligen Kantine ist seit langem gesperrt.
Stephan Bülck

Der Eingang zur ehemaligen Kantine ist seit langem gesperrt.

 

So geschehen. In ihrer Stellungnahme an das Ministerium zur Wiederinbetriebnahme richtet Bargum allerdings schwere Vorwürfe gegen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). In dem Papier heißt es: „Nach Schließung des Materialdepots Bargum hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben aus Sicht der Gemeinde die Liegenschaft vernachlässigt und insbesondere einen Wert- und Substanzverlust der Gebäude billigend in Kauf genommen.“ Das sei weder aus Sicht der Gemeinde, noch aus Sicht der steuerzahlenden Allgemeinheit nachvollziehbar.

Ob es fruchtet? Ob es gelesen wird? Ich weiß es nicht. Bernd Wolf, Bürgermeister
 

Daher fordert die Kommune: „Ungeachtet dessen, dass die Gemeinde Bargum weder Eigentümerin noch Planungsträgerin ist, erwartet sie, dass bis zur tatsächlichen Wiederinbetriebnahme des Materialdepots Bargum die gesamte Liegenschaft, insbesondere die vorhandenen Gebäude sowie die verkehrliche/-technische Infrastruktur mit dem Ziel der Substanzerhaltung angemessen überwacht, unterhalten und bewirtschaftet wird. Eine weitere Verwahrlosung oder temporäre unzulässige Nutzung durch Dritte ist zu vermeiden.“ Weiterhin weist Bargum darauf hin, „dass Teile des Geländes dem Schutz nach Bundesnaturschutzgesetz bzw. Landesnaturschutzgesetz unterliegen“.

Zur Erinnerung: Vorgegeben durch die Bundeswehr-Strukturreform aus dem Jahre 2011 hatte die Bundeswehr im Sommer 2017 nach knapp 50 Jahren Nutzung das 55,62 Hektar große Gelände mit seinen insgesamt 56 Gebäuden, darunter elf erdgedeckte Bunker, endgültig geräumt. Mit der Rückgabe der Liegenschaft wurde die bauplanungsrechtliche Nutzung als Sondergebiet aufgegeben, das Planungsrecht lag seither wieder bei der Kommune.

Die 56 Gebäude – hier Bernd Wolf vor der 1993 entstandenen Haus Nr. 53 (Annahme und Versand) – sollen bis zur Reaktivierung besser gewartet werden, fordern die Bargumer.
Stephan Bülck

Die 56 Gebäude – hier Bernd Wolf vor der 1993 entstandenen Haus Nr. 53 (Annahme und Versand) – sollen bis zur Reaktivierung besser gewartet werden, fordern die Bargumer.

 

Schon seit Bekanntwerden der Schließungspläne 2011 hatte sich die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland (wfg) in Husum mit den Planungen für eine zivile gewerbliche Nachnutzung des Areals beschäftigt und war schließlich in die Vermarktung gegangen. Im Dezember 2018 hatte die Firma GKU Standortentwicklung GmbH in Berlin ein Konversionskonzept mit einer Bestands- und Machbarkeitsanalyse abgeschlossen. In Auftrag gegeben wurde es von der Bima als Eigentümerin der Liegenschaft und der Gemeinde Bargum, begleitet durch die wfg. „Das Konzept liegt jetzt in der Schublade, und dort wird es wohl bleiben“, hatte Bernd Wolf auf einer früheren Gemeindevertreter-Sitzung erklärt.

Denn am 14. Januar 2019 kam aus dem Bundesverteidigungsmininsterium die Nachricht über die beabsichtigte „Wiederinbetriebnahme des Materialdepots Bargum, beginnend ab 2026“. Vorgesehen sind etwa 60 neue militärische und zivile Dienstposten sowie eine Investition von etwa 18 Millionen Euro. Der logistische Betrieb soll 2027 aufgenommen werden.

Geblieben ist Bargum aktuell die Zuständigkeit für den Brandschutz auf dem Depot-Areal. „Alle anderen Pläne sind vom Tisch“, sagte Bernd Wolf am Mittwoch und hofft, mit der Stellungnahme der Gemeinde für die Liegenschaft bis zur Reaktivierung drei Dinge zu bewirken: Überwachung, Erhalt, Bewirtschaftung. „Ob es fruchtet? Ob es gelesen wird? Ich weiß es nicht.“

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