Hilfe für Senioren : Vorsorgelotsen helfen vor dem Ernstfall

Hadwig Sievert läast sich von Ralf-Roger Sippel (l.)  Beispiele geben.
Hadwig Sievert läast sich von Ralf-Roger Sippel (l.) Beispiele geben.

Unterstützung bei Vollmacht, Patienten- und Betreuungsverfügung: Der Verein für Selbstbestimmung Nordfriesland arbeitet ehrenamtlich. Zielsetzung der Mitarbeiter ist es, sich für Menschen zu engagieren, die eine Vorsorge benötigen.

shz.de von
03. Juni 2014, 17:00 Uhr

„Wer kümmert sich um mich, wenn ich es selbst nicht mehr bestimmen kann?“ Eine Frage, die sich nach einem Verkehrsunfall, Schlaganfall oder Herzinfarkt plötzlich und unerwartet stellen kann. Es muss kurzfristig gehandelt werden. Doch wer trifft die Entscheidungen? Es sind nicht automatisch die Partner, Eltern oder Kinder. Es sei denn, diese wurden vorher schriftlich festgelegt. „Ich habe schlimme Sachen über Vormundschaft gehört, da wollte ich das selbst in die Hand nehmen“, erklärt Hadwig Sievert. Die Tönningerin sitzt mit ihren bereits ausgefüllten Formularen an einem Tisch in den Räumen der Arbeiterwohlfahrt-Begegnungsstätte und lässt sich beraten. Es geht um Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung.

Betreut und beraten wird Hadwig Sievert vom Verein für Betreuung und Selbstbestimmung in Nordfriesland. Ralf-Roger Sippel ist langjähriges Mitglied des Vereins und seit kurzem ausgebildeter Vorsorgelotse. Neben Sievert Johannsen, der für den nördlichen Bereich Nordfrieslands zuständig ist, deckt Sippel den südlichen Raum mit dem Standort in Tönning ab.

In ihrer Mitte arbeitet Thorsten Weiland als Geschäftsführer des Vereins mit Sitz in Husum. Die Zielsetzung des durch Kreis und Land öffentlich geförderten Vereins ist es, sich ehrenamtlich für Menschen zu engagieren, die eine Vorsorge benötigen. „Wenn es eine Vollmacht gibt, können die Bevollmächtigten sofort handeln“. erklärt Weiland.

Am wichtigsten ist freilich eine Vorsorgevollmacht. Die dort eingetragene Person ist dadurch befugt, die Behördengänge abzuwickeln und die gesundheitliche Versorgung sicherzustellen. „Noch nie war der Bedarf an fachkompetenter Beratung so hoch wie heute“, weiß Weiland, der auf regelmäßig ausgebuchte Veranstaltungen verweist. Jeder hat die Möglichkeit, sich kostenlos beraten zu lassen und ein für sich passendes Vorsorgepaket zu erhalten.

Das Ausfüllen der entsprechenden Formulare ist laut Weiland relativ schnell erledigt und verhindert letztendlich, durch ein Vormundschaftsgericht fremdbestimmt zu werden. Auch wenn die Beratung durch die Vorsorgelotsen äußerst kompetent und umfassend ist, ersetzt diese aber keine Rechtsberatung. Das viertägige Seminar zur Ausbildung zum Vorsorgelotsen wurde vom Land Schleswig-Holstein im Rahmen des Projektes „Förderung rechtlicher Vorsorge in Schleswig-Holstein“ unterstützt. Schwerpunkte der Beratung sind unter anderem Wohnung kündigen, Geld verwalten, Rechte des Betreuten, Gesundheitssorge, soziale Hilfe und Existenzsicherung.

Ralf-Roger Sippel ist ganz bei der Sache, als er sich nun mit den Formularen von Hadwig Sievert beschäftigt. Er sieht seine Aufgabe auch darin, eventuell ganz neue Möglichkeiten aufzuzeigen. Ein älterer Mensch befürchtet häufig, er müsse sein Haus veräußern und in eine Pflegeeinrichtung umziehen, wenn er nicht mehr alleine für sich sorgen kann. Möglichkeiten, zum Beispiel im Rahmen der häuslichen Pflege eröffnen manchmal ganz neue Perspektiven. Der Verein möchte den Menschen Mut machen, sich wie Hadwig Sievert kostenlos beraten zu lassen und ihnen die Möglichkeit der Selbstbestimmung zu geben und die Angst vor einer Fremdbestimmung zu nehmen.

Der Termin zur Beratung ist jeden ersten Mittwoch im Monat von 14.30 bis 17.30 Uhr in den Räumen der Awo. Telefon: 04841/ 4175 oder info@ vbs-nf.de.

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