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Neue Pläne für die Poggenburgstrasse : Vorschlag: Wohnanlage mit Park-Ambiente

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Grundstück des ehemaligen Autohauses Husum an der Poggenburgstraße ist überplant worden. Die Kommunalpolitiker drängen auf eine Lösung, die dem sozialen Wohnungsbau 20 Prozent einräumt.

Geht es in der Politik mal wieder um vermeintliche städtebauliche Missstände, ist reflexartig von der Poggenburgstraße 3-5 die Rede. Grundbesitzer Uwe Paulsen, der dort, wo im April 2004 das Autohaus Husum in die Insolvenz gegangen ist, immerhin regelmäßig Rasenmäher und Farbeimer walten lässt, kann das schon nicht mehr hören: „In Husum gibt es ganz andere städtebauliche Missstände!“

Wie dem auch sei: Die zentrumsnahe Fläche zwischen Damm, Herzog-Adolf-Straße und Mühlenau soll – zusammen mit dem Areal des Kreisgesundheitsamtes – schon seit längerem neu erschlossen werden. Allerdings beißen sich die Kommunalpolitiker an dieser eigenen Zielvorgabe, die auch im Sinne der innerstädtischen Geschäftswelt ist, seit einer gefühlten Ewigkeit die Zähne aus. Dabei kauen sie auch auf einer verzwickten Gemengelage herum, die nur einen Schluss zulässt: Zu viele Interessen scheinen sich bislang gegenseitig zu blockieren. Und jetzt kommt auch noch die gewachsene Erkenntnis dazu, dass in Husum dringend weitere Flächen für den Wohnungsbau unter sozialen Gesichtspunkten benötigt werden.

Ein Dorn im Auge der Stadtplaner, der das Zeug zur unendlichen Geschichte hat, und ein eklatanter Mangel an bezahlbarem Wohnraum – lassen sich da womöglich nicht gleich zwei Unzulänglichkeiten auf einmal ausräumen? Ja, findet der Umwelt- und Planungsausschuss und drängt darauf, dass noch in der ersten Jahreshälfte zwei sogenannte vorhabenbezogene Bebauungspläne, in denen ein Anteil von 20 Prozent für den sozialen Wohnungsbau fixiert werden soll, beschlossen werden können. Die Gelegenheit scheint günstig, denn es gibt endlich mal wieder einen Interessenten, der dazu noch mit konkreten Plänen aufwarten kann – und der nach eigenen Angaben sogar schon Investoren an der Hand hat. Nach all den Jahren, in denen immer mal wieder etwas passiert, es aber nie zu einer richtungsweisenden Lösung gekommen ist, könnte die neueste Entwicklung den Durchbruch bedeuten.

Denn nach der Autohaus-Pleite sind einzelne Bereiche zwischendurch zwar mal vermietet worden, doch nichts war von Dauer. So begann der Umwelt- und Planungsausschuss 2009 damit, sich konzeptionell mit der potenziellen Nachfolge-Nutzung über den Bebauungsplan 60 zu befassen. Ein schwieriges Unterfangen, denn die Situation um die Brache wirkt ebenso verfahren wie vertrackt.

Zwei Zwangsversteigerungen am Amtsgericht vor fünf und vier Jahren brachten jedenfalls schon mal nicht den allseits erhofften Fortschritt. Trotz einiger weniger Interessenten, die im Vorfeld unter der Hand gehandelt wurden, fand sich letztlich kein Abnehmer. Als echter Hemmschuh erwies sich dabei wohl die Tatsache, dass Justitia in drei Schritten vorgehen musste: Scheibchenweise kamen 2766 Quadratmeter große Gewerbeflächen mit einer ehemaligen Tankstelle, zwei Waschhallen, einem Verkaufsshop, Büroräumen, Werkstätten und dazugehörigen Parkplätzen (geschätzter Verkehrswert: 550.000 Euro), ein 2339 beziehungsweise 1806 Quadratmeter großes Grundstück mit Werkhalle (420.000 Euro) sowie das 1383 Quadratmeter große Wohn- und Geschäftsgebäude (180.000 Euro) unter den Hammer.

Diese Salami-Auktion erschwerte die durch Eigentumsverhältnisse, die zum Teil private Belange tangieren (unter anderem gibt es da ein Überwegungsrecht, das beide Flächen betrifft und für ein am Austieg gelegenes Privatgrundstück eingeräumt werden muss), ohnehin schon arg komplizierte Situation zusätzlich. Denn wer holt sich schon den Zuschlag für das vordere Areal, wenn er sich nicht sicher sein kann, dass er auch in den Genuss der anderen Parzellen kommt, die damals zudem nicht in der Obhut des Insolvenzverwalters lagen? Der wiederum teilte sich die Verfügungsgewalt lange Zeit mit der Nord-Ostsee-Sparkasse und der Inhaber-Familie Paulsen, die sich das Komplett-Paket nach Informationen unserer Zeitung inzwischen wieder angeeignet hat. Uwe Paulsen selbst wollte sich dazu – wie auch zu dem gesamtem Themenkomplex – auf Anfrage allerdings nicht weiter äußern.

Pläne für das eigentlich als Filetstück geltende Brachland gab es im Laufe der Zeit jedenfalls einige. So wurden vor sechs Jahren schon einmal zwei Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt. Variante eins sah einen Mix aus Nahversorgung, Gewerbeansiedlung und Wohnbebauung vor – ein Vorhaben, das an dieser Stelle das existierende Entwicklungskonzept für den Einzelhandel ausgehebelt hätte. Das zweite Modell ging von reinen Wohnquartieren plus Parkhaus aus.

Im Zuge dieser Diskussionen um die Nachfolge-Nutzung hatte sich im Übrigen eine Bürgerinitiative gegründet, die für einen Einkaufsmarkt an der Poggenburgstraße plädierte und sich gegen einen in Rede stehenden Verkauf des Parkplatzes an der Danckwerthstraße einsetzte. Ergebnis einer in diesem Zusammenhang von der Bürgerbewegung gemachten Stichprobe: Einen Bedarf an einer Nahversorgung scheint es an dieser Stelle zu geben – 1533 befragte Bewohner aus der näheren Umgebung sprachen sich für einen Lebensmittelladen aus.

Nun heißt es also: neues Spiel, neues Glück. Hinter verschlossenen Türen hat sich die Politik zuletzt über ein Konzept informiert, das die im schweizerischen Egnach sitzende BBA Projekt-Management  /  Architektur GmbH gemeinsam mit dem Karlsruher Architektenbüro Rainer Salzbrenner entwickelt hat. BBA-Geschäftsführer Kurt Bergmann spricht auf Anfrage von einem möglichen „Unikat-Projekt“, das verschiedene Varianten links und rechts der Polizeizentrale aufzeigt – „ohne dass dies fix ist“. Seine Aufgabe sei gewesen, so Bergmann, im Vorfeld die „eventuelle Gesamtheit“ zu verdeutlichen, „wenn es einmal dazu kommen würde“.

Die Koproduktion auf dem Reißbrett ist also ein Produkt aus der absoluten Vorprojekt-Phase – diese Botschaft aus der Schweiz soll in Husum unbedingt ankommen. Vor diesem Hintergrund beinhaltet das Konzept laut Bergmann „eine sehr gute Mischung“, die ganz viele gesellschaftliche Interessen unter einem Dach vereine. Die Planer schlagen eine parkähnliche, autofreie Anlage vor – mit großzügigen Miet- und Eigentumswohnungen, Rollstuhl-tauglichen barrierefreien Wohnungen und solchen für Senioren. Dazu schweben ihnen ein Dienstleistungsangebot für ältere Leute und Gewerbeflächen vor, die zum Beispiel ein Hotel nutzen könnte. Sämtliche Neubauten sollen über eine Tiefgarage erschlossen werden.

„Wir wollen viele bedienen können, das braucht Husum“, erläutert Bergmann. „Und es muss alles erschwinglich sein.“ Mit seinem Kollegen Salzbrenner arbeite er schon länger zusammen: „Wir tragen alle Erfahrungswerte zusammen, wollen etwas Eigenes machen – etwas, das für Aufschwung und Flexibilität sorgt.“ Nur mit einem guten Mix könne man eine solche Bebauung beleben. „Wer am Markt vorbeiproduziert, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht“, schreibt der Architekt aus Egnach den vielen Investoren ins Stammbuch, die sich bei derartigen Projekten einseitig auf Mietwohnungen fixierten – um des schnellen Geschäftes willen.

Bergmann, der für das Grundstück Süderstraße 103 (Blumenhaus Hansen) ebenfalls Pläne in der Schublade hat, will denn auch für den Fall, dass seine Studie konkrete Formen annimmt, das Projekt bis zum Ende positiv begleiten – „durch jemanden vor Ort“. Von jenen Investoren, mit denen er in Kontakt steht, verlangt er eine genaue Umsetzung seiner Pläne: „Ich will das Controlling.“ Um wen es sich bei den Investoren handelt, kann Bergmann zum gegenwärtigen Zeitpunkt natürlich noch nicht sagen.

Wer auch immer es ist, wird um ein unter Aktenzeichen 6K46/07 und 6K47/07 beim hiesigen Amtsgericht registriertes Schriftstück wissen, das im Zuge der beiden erwähnten Zwangsversteigerungs-Termine erstellt worden ist: das „Gutachten zur Altlastensituation des Grundstückes Poggenburgstraße 3 in Husum zu deren Einfluss auf den Verkehrswert“. Die Beseitigung von Rückständen, die üblicherweise unter ehemaligen Tankstellen (in Benzin und Diesel enthaltende Mineralöl-Kohlenwasserstoffe) und Lackierereien (leichtflüchtige, halogenierte Kohlenwasserstoffe) zu finden sind, würde in diesem Fall nach Informationen unserer Zeitung rund 200.000 Euro kosten.

Was das Gesundheitsamt am Zingel angeht, so hat der Kreis Nordfriesland bereits 2005 das Erdreich direkt an der Grenze zum Paulsen-Grundstück von einem externen Gutachter aus Heide untersuchen lassen. Laut Pressesprecher Hans-Martin Slopianka hat es seinerzeit jedoch keine Hinweise auf Verunreinigungen oder schädliche Veränderungen des Bodens gegeben.

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erstellt am 11.Feb.2015 | 17:00 Uhr

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