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Innovativer Unterricht : Vorreiter im Bereich Digitales Lernen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zwei Husumer Schulen schlagen neue Wege ein – und wurden vom Kieler Bildungsministerium dafür belohnt. Sogar schummelsichere Prüfungen am PC sind möglich.

Bei ihrem Amtsantritt Ende 2014 hatte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) das Thema „Lernen in einer digitalen Gesellschaft“ zu einem Schwerpunkt ihrer künftigen Arbeit erklärt. Kinder und Jugendliche sollten für das Leben in einer digitalen Welt vorbereitet werden, sagte sie – wohl wissend, dass diese dafür auch den Umgang mit digitalen Medien frühzeitig lernen müssen. Also schrieb sie einen Wettbewerb zum Thema „Lernen mit digitalen Medien“ aus, der in der Schulwelt des Landes auf so großes Interesse stieß, dass er wenig später noch einmal erweitert wurde: Das Preisgeld-Budget wurde von 200.000 auf 300.000 Euro hochgeschraubt, um nun insgesamt 20 statt zwölf der mehr als 100 Bewerberschulen auszeichnen zu können.

Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass auch zwei nordfriesische Schulen für ihre Ideen belohnt wurden: Sowohl die Berufliche Schule (BS) als auch die Theodor-Storm-Schule (TSS) in Husum erhielten aus der Hand der Ministerin Plaketten für das Schulgebäude sowie Urkunden und Preisgelder in Höhe von 1500 beziehungsweise 20.000 Euro für die Umsetzung der eingereichten Konzepte.

Die Idee des BS-Koordinators Wolfgang Biegemann klingt nach einer kleinen Revolution, von der auch Schulleiter Michael Kwauka begeistert ist, wie er bei einer Demonstration des „Save Exam-Browsers“ gestand: Mit diesem an einer Züricher Hochschule entwickelten Browser können nämlich alle nicht benötigten Funktionen an den von den Schülern genutzten Computern abgeschaltet werden. „Ich kann während einer Klausur den Netzwerkzugriff sperren und nur bestimmte Webseiten freigeben. Es ist auch möglich, ausschließlich ausgewählte Programme wie Word oder Excel zuzulassen und den Schülern den PC-Taschenrechner zur Verfügung zu stellen, so dass sie keinen eigenen zur Prüfung mitbringen müssen“, erläutert Wolfgang Biegemann die neuen Möglichkeiten.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Björn Scheppler will er solche digitalen Prüfungen zuerst in den Klassen der dualen Berufsausbildung ausprobieren sowie in der Berufsfachschule (BFS) I für Metall und Elektrotechnik und bei den Informatikern (BFS III). Langfristig aber soll das gesamte BS-Kollegium die Chance haben, auf Basis der Lernplattform Moodle und mit Hilfe des sicheren Prüfungsbrowsers Schüler am PC zu prüfen. Schummeln ist dabei so gut wie unmöglich, denn die Klausur erfolgt in einem geschützten virtuellen Raum, in den keiner ohne das direkt vor Ort vergebene Passwort hinein kommt – und auch nicht wieder hinaus.

So richtig überzeugt sind die Schüler von der Idee allerdings noch nicht, obwohl diese papierlosen Prüfungen Ressourcen schonen würden. Aber sie sind es eben nicht gewohnt, am Computer derart eingeschränkt zu werden. „Unser Ziel ist es, dass die Schüler auf ihren eigenen PCs in der Schule Prüfungen ablegen können“, beschreibt Björn Scheppler die langfristige Zielsetzung. „BYOD nennt man diese Methode: Bring Your Own Device – Bring Dein eigenes Gerät mit.“ Das System ermöglicht zudem die Nutzung digitaler Schulbücher und die Erprobung von Drittapplikationen – Computer-Algebra-Systeme etwa. „Perspektivisch soll die IT-Infrastruktur der Schule durch mobile Notebooks oder Tablets ergänzt werden, um allen Schülern den Zugriff auf digitale Medien zu ermöglichen“, so Biegemann.

Ein etwas anderes Konzept verfolgt das benachbarte Theodor-Storm-Gymnasium, wie Schulleiterin Sibylle Karschin gemeinsam mit ihren Kollegen Susanne Malinowski und Nils Peters erläutert: „An der TSS wird Medienkompetenz in den Bereichen Medienkunde, Mediennutzung und Medienkritik im regulären Fachunterricht, also integrativ vermittelt. Ziel ist es, unsere Schüler zur eigenständigen, kritischen, kreativen und verantwortungsbewussten Nutzung der digitalen Medien zu qualifizieren.“ Wichtig ist dem Kollegium der sinnvolle Einsatz der Medien zusätzlich zum traditionellen Unterrichtsgespräch, das auch heute noch oft die beste Methode sei, Lehrstoff zu vermitteln. „Digitale Medien sollten den Unterricht erleichtern und bereichern“, plädiert Karschin für einen gesunden Mix im Unterricht.

Schon vor dem Wettbewerb war die Einrichtung einer iPad-Klasse im zehnten Jahrgang angelaufen. Mitten in die Umsetzung platzte dann die gute Nachricht über das Preisgeld – und das kam wie gerufen: „Jetzt können wir die weiteren Schritte unseres Konzeptes viel schneller umsetzen“, zeigte sich Nils Peters erfreut darüber, dass auf diese Weise zusätzlich die Anschaffung eines iPad-Leihkoffers als „mobiler Computerraum“ möglich wurde und der Ausbau des internen WLAN-Netzes forciert werden kann: 19 Räume werden nun mit Wireless Access Points ausgestattet, und damit soll es dann Schritt für Schritt weitergehen. „Die Kollegen leisten hier echte Pionierarbeit“, zeigte sich Sibylle Karschin beeindruckt davon, wie viel manche Lehrkräfte neben dem Unterricht zusätzlich im IT-Bereich leisten.

Gespannt ist sie auf eine Veranstaltung in Berlin Mitte März, zu der die Bildungsministerin die Vertreter der Preisträgerschulen eingeladen hat: „Dort sollen wir mit Bundestagsabgeordneten über Themen im Zusammenhang mit dem Digitalen Lernen debattieren – mit Blick auf die Frage: Wie sieht der Unterricht wohl in fünf oder zehn Jahren aus?“, sagt sie. „1994 diskutierten wir kontrovers darüber, ob wir für Klassenfahrten ein Handy anschaffen wollen. Damals hätte es niemand für möglich gehalten, dass 20 Jahre später jedes Kind ein Smartphone haben würde. Von daher bin ich jetzt sehr gespannt auf die Schule der Zukunft.“

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