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Politiker dagegen : Vorerst keine Nachtkrippe in Husum

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Verein „Land in Sicht“ hat vom Kauf des ehemaligen Hauses der Jugend Abstand genommen – eine Nachtkrippe ist politisch nicht gewollt.

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erstellt am 06.Nov.2014 | 08:00 Uhr

Im ehemaligen Haus der Jugend in der Hermann-Tast-Straße wird keine Nachtkrippe eingerichtet. Der Plan des Husumer Vereins „Land in Sicht“, das Gebäude samt 5700 Quadratmeter großem Grundstück von der Stadt zu erwerben, um darin unter anderem ein solches Betreuungs-Angebot für Eltern in Pflegeberufen zu schaffen, ist an der Politik gescheitert. Zwar hat das Stadtverordnetenkollegium unter Ausschluss der Öffentlichkeit dem Verkauf der Immobilie an „Land in Sicht“ grundsätzlich zugestimmt, doch trieben die damit verbundenen Auflagen den Verein dazu, von dem Projekt Abstand zu nehmen. „Die Stadt wollte für 30 Jahre bestimmen, welchem Zweck das Gebäude zugeführt wird“, erklärte Vereins-Vorsitzende Ursula Belker. Und eine Nachtkrippe sieht dieses Belegungsrecht nicht vor – der Sozialausschuss hatte sein Veto eingelegt.

Damit ist die angestrebte Symbiose in der Hermann-Tast-Straße 6 vom Tisch: In Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund-Nord, der mit seiner Villa Kunterbunt bereits 200 der insgesamt 1600 Quadratmeter Grundfläche nutzt und weitere 30 Jahre mietfreies Bleiberecht genießt, wollte „Land in Sicht“ neben der Nachtkrippe ein Wohnprojekt für hilfsbedürftige junge Menschen realisieren, das auf der Betreuungsebene Synergie-Effekte generiert hätte. Der regelmäßige Nachtdienst als fester Bestandteil des Konzeptes hätte sich gleichzeitig um die durchschlafenden Kinder gekümmert – und so die Kosten für die Kommune und die Elternbeiträge auf ein erträgliches Maß reduzieren können.

„Das ehemalige Haus der Jugend wäre attraktiv gewesen, um diese sicher sinnvolle Kombination zweier dem Gemeinwohl verpflichteten Vereine umzusetzen“, macht Belker, die auch im Vorstand des Kinderschutzbundes sitzt, deutlich. 1,6 Millionen Euro hätte sie in die Hand genommen, um einen Bedarf abzudecken. Da dies politisch offenbar nicht gewollt sei, habe sich der Verein für eine wirtschaftlichere Lösung entschieden.

Mittlerweile wurde ein neues Grundstück gesucht, gefunden und auch schon der Kaufvertrag für ein anderes Objekt unterschrieben – „sehr zentral gelegen und von der Größe her absolut ideal“, so Belker. Dort beschränkt sich der Verein nun auf seine Kernkompetenz und sein primäres Ziel: die ambulante Eingliederungshilfe. Das um die Nachtkrippe bereinigte Konzept bleibt bestehen. Dabei geht es im Wesentlichen um Inklusion – darum, junge Menschen mit und ohne Handicap zusammenzubringen. Ein Angebot genauso für alleinerziehende Eltern wie für Wohngemeinschaften im Patchwork-Format. Oder für Eltern, die angesichts von ungünstigen Arbeitszeiten auf Begleitung angewiesen sind. „Familie ist da, wo Kinder sind“, sagt Belker, die auf einen Baubeginn Mitte kommenden Jahres hofft. Und: Es gäbe schon Interessenten für „diese Art des Wohnens“. Die Vereins-Vorsitzende legt Wert auf die Feststellung, dass man dieses Projekt nicht als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten empfinde – „es ist vielmehr eine sinnvolle Ergänzung des breit gefächerten Wohnungsmarktes in Husum“. Letztlich handele es sich um ganz normale Wohnungen, „die für alle offen sind“.

Belker hat die Stadt schriftlich und persönlich darüber informiert, dass sie kein Interesse mehr an einer Nachnutzung des einstigen Hauses der Jugend hat. „Nun muss ich die Immobilie öffentlich ausschreiben und Höchstgebot verlangen“, erklärte dazu Kämmerer Peter Seidel auf Anfrage. Nach Informationen unserer Zeitung taxiert ein Wertgutachten das Objekt samt Grundstück auf eine Million Euro. Die Tatsache, dass der potenzielle Käufer den Kinderschutzbund mit seiner Villa Kunterbunt quasi als Dreingabe erhält, dürfte die Tendenz zum Ladenhüter eher noch verstärken.

Ursula Belker ist nicht die einzige, die die Entwicklung bedauert. „Ich finde es schade, dass das Projekt – auch in der geplanten Kombination – nichts wird, denn es hätte vielen Leuten geholfen“, erklärt Kinderschutzbund-Geschäftsführer Gregor Crone. Seiner Ansicht nach haben „Politik und Verwaltung mit ihrem Verhalten eine große Chance vertan“.

Übrigens war der Vorschlag von Belker und Crone, der im März auf den Tisch kam, im Vorfeld mit dem als Genehmigungsbehörde fungierenden Jugendamt Nordfriesland abgestimmt. Ein klares Indiz dafür, dass der Kreis der Einrichtung einer Nachtkrippe in Husum grundsätzlich positiv gegenübersteht. Das bestätigte jetzt auch noch einmal Landrat Dieter Harrsen auf Anfrage.

„Die Selbstverwaltung der Stadt Husum hat das Projekt nicht vollständig abgelehnt, sondern wies auf offene Fragen hin, die geklärt werden sollten. Ein abschließendes, von allen Beteiligten getragenes Konzept gibt es allerdings noch nicht“, heißt es dazu aus dem Kreishaus. Dort finde am Dienstag, 11. November, ein Gespräch statt, „zu dem unser Fachbereich Jugend, Familie und Bildung die Stadt Husum, das Husumer Klinikum, das Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk, den Kinderschutzbund und unsere Gleichstellungsbeauftragte eingeladen hat“. Ziel dieser Sitzung sei es, zunächst einmal den genauen Bedarf zu klären. Harrsen: „Sollte ein solcher Bedarf festgestellt werden, bin ich guten Mutes, dass es uns gemeinsam gelingen wird, eine Nachtkrippe in Husum einzurichten.“

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