zur Navigation springen
Husumer Nachrichten

11. Dezember 2017 | 01:58 Uhr

Langenhorn : Vor dem Verfall gerettet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der vor 333 Jahren geschaffene Altar in der Langenhorner St. Laurentius-Kirche ist restauriert worden. Nordfriesen spendeten 25.000 Euro für die Maßnahme.

von
erstellt am 19.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Pastor Guido Jäckel bezeichnet ihn als Meisterstück, als einen wohl der schönsten Altäre der Westküste: 3,88 Meter hoch, 4,35 Meter breit, 1684 errichtet und 1688 fertiggestellt. Das Schmuckstück steht in der St. Laurentius-Kirche. Geschaffen hat es einst der Langenhorner Tischler und Schnitzer Süncke Jenssen. Aus seinen Händen stammen auch die Kanzel und das Taufbecken in dem Gotteshaus.

Im Zentrum des dreiteiligen Altaraufsatzes (Retabel) steht das Relief der Kreuzabnahme Jesu. „Vorbild ist das großformatige Gemälde von Peter Paul Rubens in der Kathedrale zu Antwerpen“, erklärt Karl Ingwer Malcha, Leiter der Dorfarchiv-Gruppe. „Die Szene ist allerdings spiegelverkehrt und gekürzt dargestellt.“ „Auf der Predella unseres Altars sehen wir in der Abendmahl-Szene eine Interpretation des Kreuzes“, fährt Guido Jäckel fort. Trotz des Leichnams Jesu wirke das Kreuz des Altars nicht tot, sondern lebendig. „Lauter Menschen sind um das Kreuz herum.“ Davor stehen Matthäus der Mensch, Markus der Löwe, Lukas der Stier und Johannes der Adler. „Sie erzählen von dem, was auf Golgatha geschah.“ Den Kopf des Altars bildet eine Darstellung der Verklärung Christi. „Unser Altar ist mehr, als ein ausgestaltetes Kruzifix“, schwärmt der Pastor.

Schwer zu glauben, dass all das vom Verfall bedroht war. Denn dass der Zahn der Zeit an dem Kunstwerk genagt hatte, wurde schon beim ersten Blick deutlich: Die vier Figuren der Evangelisten, jede ist einen Meter hoch, waren durch früheren Wurmfraß und den Rost von Nägeln mürbe geworden. Die Farben am Altar waren verblichen, einige der goldenen Blätter an den beiden seitlichen gedrehten Stützsäulen fehlten, waren teilweise mit Bordmitteln nur provisorisch durch Hin- und Hertauschen ersetzt worden. Einzelne Figuren waren stark beschädigt. Tiefe Risse zeigten sich.

Doch damit nicht genug. Zu Beginn der Restaurierungsarbeiten wurde festgestellt, dass ein Stück des Gesimses in luftiger Höhe über den Evangelisten Matthäus und Markus auf der linken Seite des Altars nur noch durch einen halb durchgerosteten Stift gehalten wurde. Pastor Guido Jäckel: „Bei leichter Berührung löste sich das kiloschwere Holzstück und lag in der Hand des Restaurators.“

Marek Filipiak, Fachmann aus Flensburg, wurde mit den Arbeiten beauftragt. Seine Aufgabe: den Altar reinigen, den Bestand sichern und fehlende Teile ergänzen. So geschah es. Ein halbes Jahr benötigte der Restaurator, um den Altar wieder herzurichten. Die vier Figuren der Evangelisten wurden in der Werkstatt in Flensburg mit Harz-Injektionen von der Rückseite her stabilisiert und anschließend mit rostfreien Schrauben wieder befestigt. Risse wurden mit Balsaholz aufgefüllt, abgeplatzte Farbe vorsichtig ausgebessert, fehlende Teile nachgeschnitzt. Der Altar wurde vor Ort gereinigt. Auch die Farben hatten im Laufe der Jahrzehnte, obwohl 1924 durch Wilhelm Jensen (Garding) ausgebessert – wie auf der Rückseite des Altars in großen weißen Buchstaben deutlich vermerkt – gelitten. Nach einer Auffrischung erstrahlen die Farben nun wieder in alter Pracht. Pastor Guido Jäckel ist begeistert. „Das ganze Gold des Altars, das nach der Restaurierung wieder seinen Glanz erhalten hat, steht für Gottes Licht. Die Farbe Gold symbolisiert die aufgehende Sonne, die wiederum Symbol von Ostern, von der Auferstehung ist.“

Ganz neu und heute das erste Mal sichtbar ist das Antependium: Ein wertvolles Stück, das in der Paramenten-Werkstatt in Ratzeburg in hoher handwerklicher Kunst als Einzelstück extra für diesen Altar angefertigt wurde. „Die Künstlerin Kathrin Niemeyer hat mir gesagt, dass es ihr schwer gefallen sei, sich von diesem Werk zu trennen“, berichtet der Guido Jäckel. „Sie hat ihr Werk auf eine Bibelstelle ganz am Anfang der Bibel bezogen: ‚Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser‘ (Gen 1,2).“ Natürlich nehme es mit seinem Blau und dem durchwebten Gelb-Gold (steht für Gottes Herrlichkeit)und Rot (die Farbe des Heiligen Geistes) die Farben des Altars auf. „Am Altarsockel angebracht ist es gleichsam das Fundament der göttlichen Heilsgeschichte.“

Dankbar sind Jäckel und Malcha den privaten Spendern, die die Restaurierung des Langenhorner Altars beziehungsweise die Anschaffung des Antependium mit der Übernahme der Kosten in Höhe von 25.000 Euro erst ermöglicht hatten. Der Pastor gesteht ehrlich: „Die Kirchengemeinde hätte das finanziell nicht leisten können.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen