zur Navigation springen

Würgeschlangen am Strassenrand : Vor dem sicheren Tod gerettet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Spaziergänger hat exotische Kornnattern an einem Wirtschaftsweg am Ortsrand der Gemeinde Bordelum entdeckt. Die Polizei brachte die Findlinge zu einer Tierarztpraxis. Jetzt kümmert sich ein Reptilien-Experte um die Tiere.

von
erstellt am 04.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Nur einem Zufall zu verdanken ist es, dass zwei exotische Tiere nicht elend in der nordfriesischen Kälte eingegangen sind. Dirk Henningsen entdeckte bei einem Spaziergang am Ortsrand von Bordelum zwei Schlangen. Zuerst eine dunkelrote, und etwa fünf Meter weiter eine gelb-orangefarbene. Sie lagen fast regungslos auf der Straßenbankette und züngelten leicht.

„Ich hatte keine Ahnung, was das ist“, so der Bordelumer. Doch dem Polizei-Kommissar war schon klar, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Denn heimische Schlangen sind bei der Kälte längst im Winterschlaf und liegen nicht am Straßenrand herum. Flugs lief der 52-Jährige, der dienstfrei hatte, nach Hause und rief seine Kollegen herbei. Weil er wusste, dass die Besatzung des Streifenwagens kein Equipment wie Paul Hogan in der Filmkomödie „Crocodile Dundee“ dabei haben würde, griff er sich Schnittschutzhose, Handschuhe und Forke: „Zur Sicherheit. Falls es sich um Giftschlangen handelt.“

Als er nach etwa einer halben Stunde wieder am Fundort war, hatten sich die Reptilien kaum vorwärts bewegt, so starr vor Kälte waren sie. Vorsichtig bugsierte Henningsen die Tiere in einen Wäschekorb. Den beförderten dann die Kollegen im Streifenwagen nach Mildstedt zum Kreisveterinär. Dessen Frau, eine Tierärztin, brachte die Würgeschlangen in einem Terrarium mit Wärmelampe unter. Wie sich herausstellte, handelt es sich bei den Fundtieren um ausgewachsene Kornnattern – eine ungiftige Natternart aus Nordamerika. Mit einer Körperlänge von 120 bis 150 Zentimetern zählt sie zu den mittelgroßen Arten der Gattung.

Dirk Bölter vom Ordnungsamt Mittleres NF fragte dann am Montag bei Ralf Osnabrügge an, ob der sich um die Schlangen kümmern könnte. Der 47-jährige Husumer engagiert sich nämlich in der Reptilienhilfe und hat schon Erfahrung mit dieser Spezies. Weil er kein Auto hat, packte er sich eine Styroporbox in seinen Fahrrad-Anhänger. Warm eingehüllt in Stofftaschen und in Zeitungspapier und auf einer Wärmflasche gelagert, brachte er die Findlinge zu sich nach Hause. Dort sollen sie sich nun erholen.

„Vom Futterstand her sehen die beiden gut aus“, lautet die Einschätzung des Fachmanns. „Aber sie sind mitten in der Häutung und hatten ganz offensichtlich eine Menge Stress.“ Ralf Osnabrügge richtete den Nattern ein Terrarium ein, das ihrem natürlichen Lebensraum entspricht. Wärmelampen schaffen ein Temperaturgefälle zwischen 23 und knapp 30 Grad, so dass sich die Schlangen ein für sie passendes Fleckchen aussuchen können. Nachts, wenn die Lampen ausgeschaltet sind, hält eine Wärmematte die Temperatur bei 25 Grad. Eine Box mit feuchtem Faser-Material soll den Tieren dabei helfen, ihr Natternhemd abzustoßen. „Wenn sie es alleine nicht schaffen, müssen wir mit feuchten Frottee-Handtüchern und vorsichtigem Massieren nachhelfen“, so Osnabrügge. Ein Kollege, der mit „Kornis“ schon häufiger zu tun hatte, will ihn dabei unterstützen.

Brennend interessiert die Beteiligten, wie die Nattern an den Wirtschaftsweg am Langacker kamen. Ausgebüxt? Wohl kaum. Ausgesetzt? Vermutlich. Wenn dem aber so sein sollte, dann „ist das eine verdammte Sauerei“, schimpfen alle unisono. Einmal davon abgesehen, dass es verboten ist, Tiere, die nicht heimisch sind, freizulassen – sie verfälschen die Fauna – , sei es einfach Sünde, wissentlich Lebewesen ihrem Verderben preis zu geben.

Was den Polizisten Dirk Henningsen außerdem maßlos ärgert: Der Langacker am Stollberg ist ein beliebter Spazierweg – auch für die Bewohner des nahen Mutter-Kind-Kurheims. Die hätten leicht den Schock fürs Leben kriegen können.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen